Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 8 (15.4.1921)
- Date
- 1921-04-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063903-3063911--11252-3078645- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Rr. S Di. ».hrh.^L G«Lt« » mußt du dein Leben als Sühne hergeben. Ich werde siedend es. Blei in deinen Mund schütten und so gleichzeitig die beiden Todesarten „Verbrennen und Erwürgen" vollziehen. Bist du dazu bereit?" Und als der Mann, in dessen Herzen, ein reinigendes Feuer der Reue brannte, die Furcht vor dem Tode überwand, sich dazu bereit erklärte, ließ der. Äabbi ihn auf den Rücken wenden, auf den Boden legen, er aber machte sich an die Arbeit, um siegendes Blei vorzubereiten. Und als das Blei schon fertig war, ließ er dem Manne ein Tuch über die Augen geben, sprach mit ihm Wort nach Wort das Sündenbekenntnis Uschamno, Bngadno, Gnsaluo uff. und ließ ihn daraufhin der: Mund öffnen. Mer kein siedendes Blei schüttete er dem Sünder in den Mund, sondern des feinsten Blumen- Honigs. Nun hieß er -den Mann ausstehen und sprach zu ihm: „Deine Sünde sei vergeben, denn nicht den Tod des Sünders begehrt Gott, sondern sein Herz, daß es in Wahrheit die böse Tat bereut. Bon nun an bannst du dem Schöpfer in Freude dienen und die Gebote erfüllen." Bon Rabbi Elimelech von Lezajsk ist ein Wort überliefert: „Läge es in meiner Macht, ich würde alle Fasttage mit Ausnahme des Vevsöhnungstages abschaffen, weil sich unsere Generation dazu nicht eignet." An unsere Leser! In Anbetracht des bevorstehenden Pefachfeftes erscheint die nächste Nummer der „Wahrheit" statt Ende d. M. bereits nach acht Tagen, das "ist am 22. d. M. Die zrreitnächste Nummer erscheint, um dis Termine auszrrglsichen, statt am 6., am 12. Mai. Indem wir solches unseren geehrten Lesern zur Kenntnis bringen, bitten wir Beiträge, Nachrichten, und Inserate für die obgenannien Nummern rechtzeitig an uns gelangen zu lassen. Die Redaktion. Die Abstimmung in Oberschlesien. Selten hat man wohl Deutschland in einem solchen Rausch von Begeisterung gesehen, wie in didsen schicksalsschweren Tagen. Selbst Augenzeugen der Angusttage 1914 waren von'diesem Jubel überrascht, wie er an den Bahnstationen die durchfahrenden Abftimmler begrüßte. Selbst der sonst so gemessene Norddeutsche hatte alle Hemmungen abgestreift und ließ sich ohne Widerstreben von den brausenden Wogen echt patriotischer Erhebung mit fortreißen. Ihren Höhepunkt dürfte dieses hell lodernde Hochgefühl aber erreicht haben in der Begrüßung, die wir Oberschlesier aus Dentschösterreich. Ungarn und Jugoslawien ans unserem Zuge durch das Deutsche Reich fanden. Einer wollte den arideren an Opferwilligkeit, an Liebesdiensten, j an Herzlichkeit des Willkommengrnßes übertreffen. Nicht nur Erfrischungen, Sveisen, Getränke, Zigarren und > Zigaretten. Lektüre, Blumen für unsere Alten, selbst Klei-d-nngsstücke für unsere Säuglinge, kurzum alles, was i sich nur aufbieteu ließ, um uns die Reise zu einer wahren Festfahrt in dulei iubilo zu gestalten, es wurde in Hülle und Fülle dargeboten. Schon in Linz wurde uns ein Empfang bereitet, der jedem Teilnehmer unvergeßlich bleiben muß. Man hatte dorr Eindruck, als ob alles, was nur über Beine verfügte, sich am Bahnhof ein gesunden hätte. Wie im übrigen s Dentschösterreich waren von den reichsdeutschen Verj bänden und anderen deutschen Vereinigungen für die obers schlesische Sache Summen gesammelt worden, die sich ust°! glaublich anlasten und um so schwerer ins Gewicht fallen, ■ als meist die, minder Bemittelten dazu beigetragen hatten, j Der deutsche.Schutzbund, dem die Oberleitung der ge- \ samten Hin- und Rückbeförderung der Abftimmler j oblag und der diese Aufgabe mustergiltig gelöst hat, hätte an allen Stationen für Verpflegung und sonstige Erfordernisse Sorge getragen. In Linz ließ es sich aber die oiherschlestsche Ortsgruppe nicht nehmen, aus Eigenem beizustenern. Da der „Führer" seine Sache verloren sah, machte er den Vorschlag, eine^ Abordnung zum reichen Lederer zu senden und die Forderustgen der Streikenden bekannt zu geben. - „Wir werden uns ein Extraessen anschasfen, wir werden für jeden ein Extrahonorar festsetzen, wir werden nur laut benschen, wenn man jedem von uns eine Flasche Wein und für jedes Kind ein Paket Bäckerei mitaibt." „Und wenn Lederer nicht nachgibt?" „Lederer braucht uns mehr als wir ihn., er m n ß bei der Hochzeit seiner einzigen Tochter mit seinem Reichtum protzen und den Freigebigen spielen, weil er dem Chossen und feiner Mifchpoche imponieren will? Wir werden noch eine andere Chasfene finden, aber Lederer findet nicht sobald andere für seine Nedowes, wenn wir einig find." „Und ivenn er doch nicht nachgeben will?" „D a n n g e h e n w i r n i ch t h i n!" „So," schrien alle-ans einmal, „so. sagt ihr! Wir werden.eine Chasfene, wie sie noch nicht war und nicht mehr sein wird, anderen Leuten lassen, den Schamofiim und Chewragaboim, die das ganz«? Jahr fressen und Prassen." „Streit ist Streik!" schrie der- „taubstumme" Führer. Aber schon hatten sich einige Bahn gemacht, schon wurden die Streikposten von den Türen weggedrängt und j schon standen die Kolonnen aus der Gasie. Die Krankenj wagen rollten, die „Lahmen" hinkten auf Stöcken und j Krücken, die „Blinden" ließen sich führen und ein langer! Zug strebte zur großen Synagoge, wo Teppiche und; Blumenstöcke aus die erstklasiige Hochzeit warteten, i Die zurückgebliebene „Streikleitung" sah die Antorii tat angesichts eines bevorstehenden Festessens schwin.den und; hielt Rat, was weiter zu geschehen habe. Ein ganz alter Schnorrer, der sonst nur bis zur Erde j gebückt gehen'konnte, jetzt aber lächelnd aufrecht stand, l sagte:; „Mit einem solchen Schnorrergesindel wollt ihr einen . ordentlichen Streik sichren? Die kennen keinen Zusammenhalt, die haben keinen Funken Ehre im Leib, die gönnen einer dem anderen nicht den Bisten Brot, sie wollen nur fressen und umsonst Geld nehmen. Drei Tage haben sie ansgehalten, weil es zufällig kühl und regnerisch war. Aber die Reichen haben schon angesangen, nach uns zu : fragen, man hat uns schon angesangen zu suchen und wir ■ hätten sicherlich doppelte Rationen dnrchgesetzt, weil diese dummen Reichen das viele Geld im Sack ängstlich macht, sie sind abergläubisch und brauchen uns znm Zedokogeben, sie hätten uns. alles nachgegeben, wenn wir bei der größten , Hochzeit der Stadt gefehlt hätten. Das versteh! so ein! Gesindel gemeiner Menschen nicht. Jetzt ist alles verdorben,