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Die Wahrheit · 1921-04-15 · Heft 8 (15.4.1921) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 8 (15.4.1921)
Date
1921-04-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. S D i e Wahr h e -i L werden. Die eigene Kraft imfc die Kraft der Gegner, -die Macht der Verhältnisse müssen im klaren Bewußtsein oder vielleicht -besser noch im Gefühle richtig geschätzt und abgewogen werden. Die Juden sollen und dürfen sich nicht einbilden, mit starker Hand das jüdische Schiff allen Stürmen mrd Klippen zum Trotze dahin steuern z-u können, wo sie einen günstigen Platz zu sehen glauben. Nein! Der jüdische Steuermann soll versuchen, ausfindig zu machen, auf welcher Seite die Stürme und" Klippen am wenigsten Gefahr bringen, und dies für die Wahl des Kurses schwer in die Wagschale fallen lassen- Bleiben wir beim Bilde des Schiffes: Der Schiffer versteht es, auch den ihm ungünstig entgegenwehenden Wind sich dienstbar zu machen, so in seine Segel zu lenken, daß sein Fahrzeug, wenn auch auf Umwegen, dem erstrebten Ziele zusteuert. Lernt vom Schisser! Der euch feindliche Wind ist der Antisemitismus: Die Schwierigkeit und Unmöglichkeit für die jüdische Masse, sich durch den Betrieb der Landwirtschaft, durch Handel und Gewerbe, durch Anstellung in: öffentlichen Dienste usw. zu ernähren. Nützet diesen -antisemitischen Wind aus! Stellete n r e Segel s o, d a ß d e r a n t i s e m i t.i s ch e W i n d das j ü d i s ch e Schiss sein e m Ziel e ent g e g e n f ü h r t! Dieses Ziel heißt (nicht: Reichtum, Bequemlichkeit und - Wohlleben der Juden, sondern): Erhaltung des Judentums, Erhaltung — und Verbesserung — der körperlichen, geistigen und sittlichen Kraft der Judenheit! Das Prophezeien ist in der Regel kein dankbares Geschäft und auch Dr. Mehemed Emin Effendi dürfte dies au dem heftigen Widerspruch erfahren, den seine recht lesenswerte Schrift fiitbcn dürfte, bei Zionisten wie Assimrlanten. Von Chajim Bloch. (Schluß) In früheren Zeiten, das darfst du nicht vergessen, gab es fromme Männer, die fasteten von Sabbat 511 Sabbat, deine Jünger aber sagen, es sei eine S'ünde, sich zu kasteien. Was saget Ihr dazu?" Der Baalschem antwortete: „Ich bin auf diese Welt gekommen, um meinen Brüdern einen neuen Weg zu zeigen, wie man Gott, Israel und die Thora lieben sollen Freude und Vergnügen!" Rabbi Michael von Zloezow hatE überfeinen Bußesuchenden eine schwere Strafe verhängt. Der Basischem sprach zu ihm: „Du hast wohl noch nie den Sinn der Sünde gefühlt, aber auch nicht den Sinn eines gebrochenen -Herzens." Znnr „Keduschat Levi" 'kam einmal ein. bekannter Sünder, der alt und krank wurde, und bat um Unterstützung. Der Rabbi fuhr ihn an: „Bist du nun mit deiner Kraft zu Ende, versagen nun deine Beine und Hände bei deinen Diebesgeschäften, daß du nun zu mir kommst?" Dieser -antwortete und ein Strom von Tränen floß aus seinen Augen: „Zwanzig Jahre lang war ich sündhaft, ich übertrat alle Verbote der Thora. Aber GM der Gütige, er nährte mich, beleidigte mich nicht und wartete, daß ich um feine Verzeihung bete. Und nun, da ich alt und arbeitsunfähig bin und ein einziges Mal gu dir um ein Stückchen Brot komme, beschimpfst du mich, bevor du mir noch etwas gereicht hast?" Seit diesem Tage war der Keduschat Levi jedem Sünder gegenüber besonderszuvorkommend. Als wieder einmal ein Sünder zu ihm gekommen war und ans der Tiefe des Herzens weinte, weil er vom bösen Triebe bezwungen, einen Ehebruch begangen, sprach der Rabbi zu ihm: „Willst du den Zorn des Allmächtigen wegen der begangenen Sünde abwenden, dann ««»Feuilleton « Wie die Schwerer streiken wollten! (Schluß.) . „U ngar i s ch e Zehner?" — „Ja, ungarische Zehner!" „Streikbrecher, wie weißt du das?" Ein wüstes Geschrei erhob sich, man prügelte den Streikbrecher, andere wieder suchten im Gewühle den Saal zu verlassen, aber schon hatten die Streikposten alle Türen bchcht. * , Nach einer Weile kamen abgesandte Kundschafter zurück und erzählten von den ungarischen Zchnern, die beim Hotel Jerusalem so freigebig ausgeteilt werden. Alles lief, zusammen und man legte zehn ungarische Noten zu Zwanzig Kronen imf einen Tisch. Sie hatten.einen bren-nroten, runden Stempel und jchpr betrachtete die nagelneu funkelnden Zehner. Da kam der kleine Jossel herzu, dem man bei einem Pogrom angeblich die Zunge ausgeschnitten hat, nahm eine ungarische Note in die Hand und leckte den Stempel ab. Alle sahen auf Ae „ausgeschnittene" Zunge, die ganz mit roter Farbe bedeckt war, der ungarische Stempel — war verwischt! . , „Gauner wollen ehrliche Schnorrer betrügen!" rief! man, und gleich tvurden zwei Mann mit den falschen | Zehnern zur Polizei behufs Anzeige der ungarischen Betrüger gesandt. Auf dem Wege dahin brachten sie die falschen'Zehner reißend mit einem hohen Agio in einer Winkelbank an und kamen mit der wichtigen Neuigkeit ins Streiklokal zurück: Der reiche Lederer verheirate am Nachmittag die einzige. Tochter. „Der reiche Lederer? Die einzige Tochter?" Ein Summen und Brummen ging durch die Halle, die jungen Schnorrer begannen sich die Taschen auszuleeren, um recht viel einstecken zu können, die Alten nahmen - Stöcke und. Krücken, zur Hand, die Weiber legten Ae zerrissenen Schultertücher um, die „Blinden" banden sich, grüne Schirme vor die Angen, die „Einarmigen" versteckten einen Arni unter den Rock und ließen den leeren Aermel heräbhängen. Derkleine Jossel versteckt die Zunge im Wund so gut, daß' sie sein bester Freund nicht mehr sehen konnte und bald rüstete sich ein langer Zug zum Gehen. „Halt," schrie da der „Tanbstnmme"-Führer, „HM, ihr Schknzim, habt ihr vergessen^ daß Streik ist? Streikposten sollen alle Türen sperren!"" „Wer streikt, wenn der reiche Lederer die einzige Tochter verheiratet?" riefen alle bis aus die paar Leutchen, die.sich „Streikleitung" nannten. 545451

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