Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1921-04-15 · Heft 8 (15.4.1921) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 8 (15.4.1921)
Date
1921-04-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063903-3063911--11250-3078643
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

^ManMeZeÄlPrlsk für MMe Interessen- REDAKTIOHvADMINISTRATIQH Wir« L., ftfauftraß* IS Wie». 15. April 1921 XXXVtl. Jahrqang Rümmer 8 Die Zukunft der Juden. Die große Menge der Rufer im Streite für unib gegen den Zionismus ist um einen maskierten Kämpen vermehrt worden, der das Pseudonym D r. Meh e m e d E m i n Effen'd r gewählt hat. Mer manche'Stellen seiner im Berlage von I. Kaufmann in Frankfurt a. M. erschienenen Schrift lassen vermuten, daß seine Wiege nicht am Bosporus, sondern am Ufer eines russischen Stromes gestanden. Dafür spricht seine Bemerkung, daß sich die Mehrheit des jüdischen Proletariats aus Konsektionsschneidevn und Tabakarbeitern rekrutiere. Gleichwohl aber nimmt der Verfasser für sich das Mandat in Anspruch, für die gesamte Judenheit zu sprechen. - Die vorliegende Streitschrift erschien jedenfalls vor der Balfourschen Deklaration, sonst würde der Verfasser nicht die Frage und Antwort gegeben haben: Wer wird diese Macht sein? - Natürlich England, das ja das Mandat über Palästina erhalten wird. Dieses Mandat nun erscheint dem Dr. Mehemed Emin Effendi als die primäre Gefahr für das Unternehmen, das zu einem „greulichen Verderben" für die eingewanderten Juden werden müsse, denn England fehlt es an ehrlichem Willen und physischem Können, das erhaltene Mandat auszuführen. Es verfolge, wie in aller Welt auch hier, eine egoistische Politik, möchte sich für seinen Dienst als Gegendienst die militärischen Leistungen des Judenstaates bei etwaigen Kämpfen gegen die unbotmäßigen Araber oder Aegypter bieten lassen. ES werde die Juden, sobald es ihm Passe, ebenso fallen lassen, wie es seinerzeit die Jungtürten fallen gelassen. Es bleibe eben das kühle, perfide Albion. .Aber selbst bei gutem Willen werde es seiner Schutzpflicht kaum genügen können, wenn die Aspirationen anderer Mächte erwachen. Namentlich dürfte Rußland, sobald es seinen bolschewistischen Rausch ausgeschlafen, mit seinem Volkes von 150, später 200 Millionen auf den Süden drücken. Also eine Neuaufnahme des Kampfes zwischen Bär und Walfisch. Schon Jeremias (1, 14) habe prophezeit: „Vom Norden her kommt das Unheil!" Aber schon die nähere Zukunft verheiße nach des Autors Meinung nichts Gutes. Mehr als ein Sechstel der Judenheit könne in Palästina nicht angesiedelt werden. Ihrer alten Tendenz gemäß werden sie grobe, schwere Arbeit den eingeborenen Arabern überlassen und fich der sozialen Unterschicht berauben, was staatlichen Untergang bedeute. (Der starke Zustrom der Chaluzim nach Palästina läßt den Irrtum — es ist nicht der einzige des Autors — evident erscheinen.) Außerdem ist die Besiedlung dieses Landes der körperlichen Ertüchtigung, die nur in einem rauhen Klima gedeihe, hinderlich. Als ein weiteres zersetzendes Moment kommen unerläßliche Gegensätze zwischen Assimilanten, Nationalen und Orthodoxen in Betracht. Mit dem Heil in der „öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte" ist es, nach des Verfassers Meinung, vorläufig nichts. Die Zukunft der Juden müsse sich unter anderen Voraussetzungen gestalten, vor allem müssen Berufe gewählt werden, die vernachlässigt liegen, besonders bi» landwirtschaftlichen. Der jüdische Bauer würde im Nordamerika mit offenen Armen empfangen werden, das sich mit Recht gegen die Ueberflntung mit jüdischem Lumpenproletariat in den großen Städten sträube. Der jüdischamerikanische Bauer, in freier, harter Arbeit körperlich und moralisch ertüchtigt, wäre der richtige Mann, das Palästina der Zukunft aufzurichten, und nicht der entnervte Intellektuelle. Soweit darf man dom Autor bestimmen. Es folgen nun — daraus erklärt sich der Subtitel des Buches „Ein Mahnruf an Zionisten und Assimilanten" — an beide Parteien Warnungen, die in den Antithesen gipfeln„Nicht Palästina ist das gelobte Land des Judentums. Wo daS Judentum gedeiht, ist sein gelobtes Land," oder: „Das gelobte Land der Zukunft soll nicht das der Vergangenheit sein." Die kleine Schrift enthalt manche glänzende Gedanken^ wenn sie auch nicht immer Anspruch auf Richtig keit macht. Im ganzen ist seine ehrliche, überzeugte Gesinnung und löbliche Msicht zu loben. Namentlich,gilt dies von den Schluhbetrachtungen: Ein Staat darf kein Kunstprodukt sein. Ein Staat darf auch nicht auf „friedlichem" Wege lediglich als Geschenk eines oder mehrerer Andern entstehen, son- ' dein er muß durch Kampf, wenigstens zum Teil durch den Kampf des eigenen Volkes, durch eigene Kraft errungen und — behauptet, gesichert werden. Der Kampf darf kühn und verwegen, aber nicht abenteuerlich, blind oder kindlich-leichtsinnig unternommen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.