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Die Wahrheit · 1921-04-01 · Heft 7 (1.4.1921) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 7 (1.4.1921)
Date
1921-04-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Noch immer der touristische Arier-Paragraph. Sie lassen nicht locker, die Herren alpinistischen Judenfeinde, obgleich man glauben sollte, daß sie in den beiden vorhergegangenen -Versammlungen sich bereits genug der beschän erden, entmutigenden Schlappen geholt hätten und vor der gesamten Touristenwelt als die blamierte;! Europäer dastehen Aber von unentwegt im Hintergrund treibenden Hetzern angefeuert, gehen sie die Sache wieder an, um sich die voraussichtliche dritte Abfuhr zu holen. Der Oesterreichiscbe Touristenklub läßt nämlich für Freitag,. den 29. April eine Einladung zu einer außerordentlichen Hauptversammlung der Zentrale ergehen. Als erstel Punkt der Tagesordnung erscheint natürlich der Antrag des Verwaltungsausschnffes auf Aenderung der Satzungen der Zentrale des Oesterreichischen Touristenklub. Dieser Antrag besagt, daß dem bestehenden § 4 als erster Absatz vorangestellt werde: M i t g l i e der d e r Z e n t r a l e d es O e. T. K. k 5 n n e n n u r P e r s o n e n arisch e r Abkunft werden. Die Herrschaften gießen hier offenbar ein wenig Wasser in ihren christlichsozialen Wein. Sie versteigen sich zu dem Begehren, daß nur waschechte' Arier der Vereinigung angehören sollen m;d begnügen sich, daß nur in der Zentrale die Judenfeinde unter sich bleiben. Die jüdischen Mitglieder des Touristenklub werden übrigens gar nicht die Absicht haben, die Kreise der Rasienfanatiker zu stören und auf eine Ehre verzichten, die sehr fragwürdiger Art ist. Grotz-Enzersdors. Am 7. Wsadar, Donnerstag, den 17. März 1921, fand die Grün'dnngsfeier der vor einiger Zeit über Anregung des Kirltnsvorstchers Herrn Ferdinand Mandl gebildeten „Chewra Kadischa" statt. Ilm 9--Uhr -vormittags, nach Empfang des ehrwürdigen Herrn Rabbiners Dr. S. Funk aus Wien durch den Kultus- und Ehewra Kcidischa-Ausschuß, begaben sich alle Gemeindemitglreder zum israelitischen Friedhose, wo Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. FunE in herrlicher Rede die vom Herrn Baumeister Hugo Winkler und seiner verehrten Gemahlin geispendÄ-e wunderschöne Inneneinrichtung der Zerrmonienlhalle einwckhte. Hierauf wurde eine Tranerfeier 'für die im Kriege -gefallene;! Mitglieder der Gemeinde abgeha'lten und Se. Ehrw. Herr Dr. Funk sprach so prachtvoll schon, daß «kein Auge trocken blieb. Unid nachdem Se. Ehrwürden noch den vollsten Segen Gottes dem verdienstvollen Obmann der Ehewra Kadischa, Herrn Dr. Gustav Werner, den Ehewra Kadischa-FuNkkivnLren, Herrn Moritz Reumann und Frau Berta Winlkler sowie der ganzen- Gemeinde gewünscht hatte, wurden die Gräber der verstorbenen Knltusvorsteher, der Herren Heinrich Reichsselb s. A. unid Leopold Rofenbaum s. A. 'sowie die Heldengväber besucht und dort Gebete verrichtet, lln! 7 Uhr .abends fand im Saale des Hotel Winkler eine traditionelle „Ehewra Sude" statt. Ein rühriges Komitee, an der Spitze Obmann Herr Dr. Gustav Werner, bestehend ans den Damen Regine Mandl, Therese Reumann, Berta Winkler und den Herren Dr. Karl Katz, Ferdinand Manvl, Dr. Julius Mandler, Moritz Neumann und Siogmund Weiß, hatte 'sich der mühevollen Arbeit unterzogen, eine reichhaltige, streng rituelle, vornehme Sude herzustellen. Und herrlich ist rs dem Komitee gelungen! Frau Regine Mandl hatte die Tafel fabelhaft schön gedeckt; Frau Reumann und Frau Winkler hatten .großartig für das Kullinavische gesorgt und jedes einzelne Mitglied des Komitees hakte für das Gelingen der Feier sein Bestes getan. Ganz besonders Herr und Frau Siegmund Weiß, die noch außerdem den Hauptteil der finanziellen Kosten getragen haben. Es ist selbstverständlich, daß bei dieser echtjüdischen Feier ganz bedeutende Beträge zugunsten des Teuchels und der Ehewra Kaoischa gespendet wurden, ergab doch bloß das Versteigern des „Bentschens" fast 3000 Kronen. Bildhauer Herr Max Keßler spendete ein Kriegerdenkmal. Die Feier, die bis 4 Uhr früh die Teilnehmer ftöhlich zusalmnohielt, hinterließ bei allen den schönsten Eindruck und den Wunsch, das nächste Jahr, der nächste 7. Adar, möge wieder alle vollzählig und ohne Ausnahme versammelt sehen zur „Chewra Sude". Das gebe Gott! I. F. Zur Frage der Schechita. Von judenfeindli'cher Seite wurde oft die Behauptung ausgestellt, daß die Schichtung der Tiere einer Quälerei gleichkäme. Gegen diesen Anwurf richtet sich die folgende wiffenschaftliche Konstatierung des Dr. Salomon Lieben- Prag, der durch ein sinnreiches Verfahren nach modernen wissenschaftlichen Methoden den im Gehirn vorhandenen Blutdruck nach dem Schächtakt an zahlreichen Tieren genressen hat, derart, daß alle Blutdruckveränderuugen an dein Meßapparat abgelesen werden konnten. Das Ergebnis war ein geradezu verblüffendes und läßt sich in sorgenden, von Dr. Lieben selbst im hebrätrschcn Teil der letzten Nummer des „Jeschurun" formulierten Sätzen zusammenfassen: 1. Der Blutdruck in den Gehirngefäßen fällt sofort nach dem Schächtakt und von diesem Augenblick tritt kein Tropfen Blut mehr in die Gehrrngesäße ein; das blutleere Gehirn kann keinerlei Schmerz mehr empfinden. 2. Der Blutdruck schwindet so schnell aus dem gesamten Gehirn, daß die Wirkung die gleiche fein muß wie ein starker Schlag, der von außen dem Schädel versetzt wird. 3. Alles dies ist nur nachzuweisen, wenn der Schächtakt an einem gefesselt am Boden liegenden Tiere mit einem scharfen glatten Mesier ohne Zögern ausgeführk wird und die Lage des Halses das ungehinderte Ausströmen des Blutes gestattet. Das Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchungen Dr. Liebens ist — ganz abgesehen von seineo praktischen Bedeutung bei der Abwehr der schächtgegner ischen Angriffe — wieder einmal ein wunderbares Zeugnis für die allem Wechsel der Zeiten überlegene unersvrschliche Tiefe der im Gottesgesetze niedergelegten Weisheit. Wirtschaftliche Organisation jüdischer Angestellter und Warenabgabestelle. Es hieße Wasser in die Donau schütten, wollte man über die Rot der Fixangestellten m Wien schreiben. Diese bedarf nicht der Erörterung, wohl aber die Frage, wie ihre Abhilfe oder mindestens Milderung zu bringen wäre. Die Gehaltserhöhungen, so wünschenswert sie auch sein mögen, körmen nicht bas Heilmittel bilden. Sind diese wohl erwünscht, die Teuerungswelle laust ihnen immer voran und ist früher am Ziele zu finden, wie in der bekannten Erzählung vom Igel und dein Hasen. Die fettesten Löhne werden von den mageren Lebensverhältnissen verschlungen. Wie weil die Honorierung der Fixangestellten hinter der der Arbeiter steht, ist aus dem Umstand zu ersehen, daß die Sozialdemokraten als Snbskriptionsminimum für die Einkommensteuer 150.000 Kronen festsetzen wollen. Biele qualifizierte Arbeiter beziehen tatsächlich diese Jahreslöhne, 'die aber noch durch die schwer wiegenden Bonifikationen ergänzt werden, welche dieselben, sei es durch die Fürsorge der FatbMsunternehmuug, sei es durch die Organisation -in Form von Lebensmitteln und Kleidungsgegenständen zu verbilligten Preisen erhalten. Hier wäre auch der Hebel anzusetzen, um der Rot der Fixangestellen irgendwie Abbruch zutun. Rach, wenn auch nicht ganz erprobten Erhebungen über die Lohnvechültmsse der jüdischen Angestellten ergibt sich, daß ungefähr 20 Prozent der Angestellten Bezüge unter

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