Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7 (1.4.1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 7 DieW um dort den Anschluß an Jugoslawien zu verlangen, angHchlossen haben soll, gelinde gesagt, einsach erlogen sind. Man hat mir die Unterschriften gezeigt, die zu diesem Zwecke gesammelt wurden — ich habe mehrere Dutzend gesehen: es befand sich kein einziger Jude darunter. Wenn ich nun noch mitteilen kann, daß mir die verjagten ungarischen Beamten, die Not leiden müssen, weil sie ihrem Vaterlande treu bleiben wollten, selbst gesagt haben, daß sie von den jüdischen Grundbesitzern und Pächtern mit Naturalien und auch sonst unterstützt werden." Abgeordneter Zoltan Meskys bestätigte diese Erklärung mit dem Zwischenrufe: „Auch in der Bacska ist es so!" Worauf Abgeordneter SSerfi) mit den Worten schloß: „So muß ich es als sehr betrübend bezeichnen, daß hier solche Nachrichten veröffentlicht werden dürfen. Ich bitte sich vorzustellen, mit welchen Gefühlen uns die dortigen Juden empfangen werden, wenn fie solche Artikel lesen müssen." Dieses Intermezzo in der ungarischen Nationalversammlüng beweist wieder einmal, daß auch im Lande der Reaktion endlich Stimmen der Vernunft laut werden. Wiener Brockensammlung für jüdische Arme. Die ordentliche Generalversammlung dieses wirklich Humanitären Vereines fand am 22. v. M. im Sitzungssaal des Tompeilvereines, 8. Bez., Neudeggergasse, statt. Rabbiner Dr. M. Bauer begrüßte als Obmann idre Anwesenden und hielt fvdann einen Rückblick auf die Tätigkeit des Dreines. Die Klage über den Rückgang der Essektenspeniden, Äöe der Verein nunmehr seit einer Reihe von Jahren anAustitnmen gezwungen ist, will leider auch diesmal nicht verstummen. Mit Ausnahnie einer Sendung Kinderwäsche und -Kleider, gespendet vom israelitischen Frauenverein in St. Gallen, haben wir, sagte der Vorfitzende, in diesem Jahre fast gar keine nennenswerten Brocken «erhalten, so daß wir zu unserem größten Leidwichen .gezwungen waren, den zahlreichen Bitten — so berechtigt sie uns auch erschienen — mit einem entschiedenen Nein zu begegnen. Wieder mußten wir uns daraus beschränken, dort, wo Brocken so nottäten, mit Gelduntersültzungen ausznhelfen. Durch Ankauf von Holz und Kondensmilch haben wir vielen Dürftigen aus größter Verlegenheit geholfen. Reichliche Förderung erfuhren wir durch di^e nimmermüde Anteilnahme an unseren Bestrebungen seitens unserer verdienstvollen Ehrenpräsidentin «Schriftstellerin Frau Jda B a r b e r, die trotz ihres hohen Alters eifrig an der Arbeit ist, für uns Propaganda zu machen, uns durch Wort und Tat zur Seite zu sichen, der wir -aber leider infolge ihrer Abwesenheit -außerstande sind, unseren Dank persönlich abznsta-lt-en. In ihren Intentionen hat uns ihr gleichgesinnter Sohn, Herr Siegm. Bar b>e r, auch 'in« diesem Jahre größere Beträge zur Verfügung gestellt und sich bereit erklärt, für die wohltätigen ZwÄke -des Vereines mitzuarbeiten. Den unermüdlichen Damen, Frau Dr. H. Bring s, Man H e r b a t s ch e k, Fvau H. K o h n und Frau K. Werthe i' m «e r, sowie dem richrigen Kassier des Vereines, Herrn Oberlehrer S'. L v w y, spricht der Vorsitzende besondere Anerkennung aus. Wwc auch allen edlen Gönnern und Förderern des Vereines stattete er den innigsten Dank ab, namentlich -der „Neuen Freien Presse" und der Zeitschrift „Die Wahrheit" für ihre kostenlosen Publikationen. ObmannstEvertrelerin Frau Dr. B r i n g s sowie Herr Siegm. Barber danken namens des Vereines Herrn Dr. M. Bauer für seine -ebenso tüchtige als opservolle Leitung des VereiMs. Die im Sinne der Statuten vorgenommene Nsmmchl chatte folgendes Ergebnis: Obmann Rabbiner hrheift Dr. M. Baue r, Obmannstellvertreterin Frau Dr. H. B r i n g s und Redaikteu-r Ludwig H k r s ch s «e -t d, Schriftführer die Damen H-erbatschek und Hirs-ch.seld, Kassier Oberlehrer Siegm. L.ö w y. Im Vorstand -die Damen H. K o h n und K. W e r t ch e i m e r und Herr Siegln. B-arber. Die Juden in der oberschlesischen Abstimmung. Wenn die Abstimmung in Oberschlesien -ein so erfteuNch schönes Ergebnis zugunsten der Deutschen zeigte, so dürfen die -eifrigen, großzügigen Arbeiten sowohl der dort anfäßigen, wie außer Landes weilenden schlesischen Juden nicht übersehen werden. Die wohlangelegte organisatorische Leitung der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, AbtkÄung Schlesien, -und ihrer Zweigstellen haben es bewirkt, daß die stimmberechtigten Juden restlos ihrer patriotischen Pflicht n!achgekom«men sind und keine Mühe, noch Opfer schienten, ihre belangreiche Stimmenzahl für «die Entscheidung aüfznbringen. An^der Spitze «dieser Organisation, die ihren Sitz in Breslau «hatte, -stand Herr Bankier Loewy. Für alle Verpflegungsangelogenhieiten war Frau Berta Kober zuständig. Die Organisation verfügte über ungefähr 300 Helfer und Helferinnen, mit Fräulein Emmi G u t t m a n n «an «der Spitz-e, die den Abstimmungsberechtigten in jeder Hinsicht mit Rat und Tat zur Seite standen und an allen «Breslauer Bahnhöfen warme Speisen verabreichten. Die rituelle Aufsicht hatte Herr Rabbiner Dr. Cohn sreundlichft übernommen. In «allen größeren Städten Deutschlands waren Vertrauensmänner bestellt, unter denen, da -über die Hälfte der Mischen Abstimmungsberechtigten aus dem Deutschen Reiche in Berlin wohnen, -b'ije bei weitem größte Tätigkeit Herr Rabbiner Dr. E. Munk, Berlin, zu entfalten hatte. - In Berlin wurde warme Verpflegung in den jüdischen Speisshallen verabreicht. Auch während des Aufenthaltes in Oberschl-esien war, im «engen Zusammenarbeiten mit dem Deutschen Plebrszitkommissariat, fiir rituelle Verpflegung gesorgt. Die Oberleitung hiefür befand sich .in den Händen von Herrn Bruno Altmann, Kattowitz. Die gesamte Organisation «bestand aus chrenamtlich tätigen Damen und «Herren. Unter den hervorragenden Kräften, die für -das schöne Ziel in Wien und in Oberschlesien mm Werke waren, seien, «auch Herr Rabbiner Dr. M. Grunw a l d und der Generaldirektor der Depositenbank, Herr Paul G o l d st e i n, mit verdienter Anerkennung genannt. Der „Fränkische Kurier" berichtet in der Abendausgabe vom 16. Mürz über den stimmungsvollen Empfang des aus Oesterreich zur Abstimmung durchreisenden Oberschlesier auf dem Bahnhofe von Nürnberg, wo der 1. Bürgermeister, Dr. Luppe, dieselben mit einer wahrhaft treudeutschen Ansprache begrüßte. „Namens der österreichischen Gäste dankte Herr Rabbiner Dr. Grunw all) für den reundlichen Empfang. Er erinnerte an die Kohle Oberschlesiens, die schwarzen Diamanten. Kohle gibt Licht und Wärme. Wärme strahlt ans den Worten, Licht.strahlt aus allen Ihren Augen. Das ist ein Beweis, daß auch Sie im Busen einen Diamanten tragen, das treue deutsche Herz. Er versicherte, daß die Herzen der Oesterreicher ritt innigem Zusammenhänge mit dem deutschen Volke schlagen." — Hiezu bemerkt Rabbiner Dr. A. Eckstein in den „Bamberger Neuesten Nachrichten": „Ich glmrbe, ein General könnte von diesem Rabbiner «lernen, was treudeutsch ist im unverfälschten Sinne dieses Wortes." Wir werden in der nächsten Nummer Gelegenheit finden, über die-Eindrücke eines zur Mstimmung reisenden Oester- :eichers zu berichten. r