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Die Wahrheit · 1921-04-01 · Heft 7 (1.4.1921) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 7 (1.4.1921)
Date
1921-04-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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m ii 11 ii —m Seite 12 Die Wahrheik Nr. 7 d.-ö. K 1800.— haben. Hievon sind viele verheiratet oder haben für größere Familie zu sorgen, 45 Prozent beziehen Gehalte zwischen L 1800.— bis K 4000.—, 25 Prozent haben B^üge m der Höhe von K 4000— bis K 6000.— und nur zirka 10 Prozent haben ein Wer diese Grenze hinausgehendes Einkommen. Aber auch die Kreise jener Angestellten, welche vor dem Kriege zum gutsituierten Mittelstände zählten, jetzt aber mit Bezügen von X 3000.— bis K 7000.— monatlich am Hungevbuche nagen, bedürfen ebenso dringend der Hilfeleistung, um vor dem Untergänge bewahrt zu werden. Noch ein anderes Moment ist in Betracht zu ziehen. Der Angestellte, namentlich derjenige^ der im Staatsdienste steht, muß das Dekorum wahren. Er kann nicht mit defekten Kleidern, mit zerrissenen Schuhen ins Bureau kommen, er darf sie sich aber - auch nicht von irgendeinem Verein schenken lassen. Es sind Fälle bekannt, Luch in dieser rauhen Winterszeit höhergestellte jüdische Beamte in Sommerüberziehern gekleidet gingen, w'eil sie nicht in der Lage waren, Winterröcke um 15.000 Kronen sich zu beschaffen. Eine Warenabgabestelle mit dem Grundsätze, Lebensmittel sowie Kleidnngsgegenstände zu verbilligten Preisen an die Mitglieder abzugeben, wäre eine rettende Tat. Einem Angestellten Zeinen Anzug statt zu 20.000 Kronen um 4000 Kronen anzübieten, ein Paar Schuhe statt zu 2000 Kronen um 500 Kronen, 10 Kilogramm Reis statt zn 60 Kronen um 30 Kronen pro Kilogramm, würde manchem sMen Elend Milderung bringen und vielleicht manchen Selbstmord oder vorzeitigen Tod Vorbeugen. Die Leitung der erst jüngst begründeten Organisation jüdischer Angestellter („Wo ja", Obere Donaustraße 65) arbeitet intensiv daraus los, um diese Warenabgabestelle baldigst zu eröffnen. — Ein Komitee hochherziger Damen, bestehend aus Frau Kommerzialrat Josefine Seidler, Frau Generaldirektor Gisela Löwenthal, Fvau Regionaldirektor Berta Wechsler, Frau Josesine Modlinger, Frau Rabbiner Babette Rosenmann, Fvau Sabine Paßw<^, Frau Gisela Pollak-Wodicka, Frau Kommerzialrat M. Strauß, Mrs. Charles S. Huerd, Mrs. Charlotte Knopp, veranstaltet behufs Aufbringung des Betriebskapitales am 9. April, ys Uhr, in den Sälen des Knrsalons Stadtpark eine Akademie unter Mitwirkung erstklassiger Kräfte (Oskar Bersgi, Prof. I. Sulzer u. a.) mit anschließendem Ball. — Fast ein Jahrhundert hat es gedauert, bis das Judentum einen Beamtenstand hervorbringen konnte, der ans der Höhe der Zeit sich befindet und einen Vergleich mit andersgläubigen Kategorien nicht zu scheuen braucht. An der jüdischen Oeffentlichke.it ist es nun, diesen zu erhalten und ihm in würdiger Form die Förderung angedeihen zu lassen und es zu ermöglichen, daß die Warenabgabestelle ein materiell und zugleich sittlich stärkender Stützpunkt für alle jene jüdischen Kreise werde, die der sie zermürbenden Not der Zeit Nichts anderes entgegensetzen können als unentwegte Pflichttreue und unerschütterliche Ehrenhaftigkeit R. Israelitischer Bethausverem „Chewra Bech Hatfilah". Am 6. März l. I. hat die Generalversammlung des israelitischen Bethausvereines „Chewra Beth Hatsilah" im 9. Bezirk stattgesunden. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden gewählt die Herren: Dr. M. Schnepp, Adolf Moser, Ignatz Glück, Alfred Winter, Isidor Treb 1t1 ch, Gerson Koralek, Joses 'S t e <ü n e r, Hofrat Dr. S. Fr anksurte r und Friedrich Kraus. In den Ausschuß wurden gewählt die Herren: Hermann D a v i d, Max Eisner, Rudolf F o r st, Rudolf H e n d l, Siegmund K o r n m e h l, Jnlius Rose n.b <a u m, Ignatz Walzer^ Michael Max Weiß. Literatur Hollitscher, Dr. I. Hans: Die Sozialisierung des Geldes in Deutschösterreich. Manzsche Verlags- und Universitätsbuchhandlung. Wien. 1919. 8°. 56 Seiten. Preis K 3.—. Dr. I. Hans Hollitscher, in juristischen Fachkreisen bekannt schon vor dem Kriege durch eine Reihe von Arbeiten, in der Oeffentlichkeit aber noch mehr bekannt als der Begründer der. deutschösterreichischen Invalid enbewegung und ihr geistiger Führer veröffentlicht einen neuen Finanzplan, von dem zu hoffen ist, daß er lMch Grundlagen für eiüe praktische Durchführung bieten möchte. Der Staat ist bankerott, er bekommt von nirgendher Kredit, und wenn er etwas geliehen bekommt, so zu den ungeheuerlichsten Bedingungen, weil er eben die ausländischen Geldsorten in schlechtem österreichischem Gelbe umgerechnet erhält. Deshalb ist es notwendig, dem Staate neue Zahlungsmittel zn verschaffen und den Geldwert wieder Herstellen; «aber die Zahlungsmittel und das neue Geld dürfen nicht aufgebaut sein auf Staatskredit und nicht 'auf Staatseigentum, sondern lauf dem Privateigentum und auf dem Pridäkkredite, das heißt 'auf dem Vertrauen, welches einerseits das private Realvermögen und anderseits die arbeitende Bevölkerung selbst genießt. Der Staat darf nicht selbst Schuldner sein, sondern Nutznießer der Forderungen an dritte Personen, das sind die einzelnen Wirtschaftssubjekte mit ihrem Vermögen. Jnc wesentlichen beinhaltet der Vorschlag Hollitschers 'eine neue Art 'von Vermögensabgabe, welche tatsächlich bei ihrer -Durchführung revolutionierend wirken würde, weil auch das ganze Produktionssystem sich im gewissen Sinne ändern würde-und weil die Produktivität und Intensität aller Arbeiten, sowohl der industriellen wie der landwirtschaftlichen, sich automatisch heben müßte. Dabei lehnt Hollitscher jeden staatlichen Zwang und jeden Staatsbankerott als unnütz vollständig ab. Hollitscher ist Sozialdemokrat, aber es muß gesagt werden, daß fein neues System -— er nennt es föderative Sozialisierung— sicherlich heute auch für Bürgerliche lakzeptabel 'erscheint, insbesondere wegen der Aufrechterhaltung des Privateigentums, wegen seiner Gegnerschaft zur wirtschaftlichen Staatsübermacht und wegen der automatischen Lebensverbilligung. Man merkt deutlich, daß die vorliegende Schrift, welche eigentlich einen Vortrag wiedergi'bt, nur in gedrängtester Kürze den Ausbau zu einem >größeren Werke vorstellt. Allein schon so, wie die Schrift heute vorliegt, ist sie geeignet, sensationell zn wirken und ist zn erwarten, daß auch die praktischen Folgen dieser Arbeit nicht ausbleiben werden. Hagadah. Hebräischer Text. Mit 26 Bildern nach den Radierungen von Josef Budko. R. Löwits Verlag, Wien- Berlin, 1921. Preis gab. Mk. 25.—. Gegenüber den, bisher in Gebrauch gewesenen Hagaden, die, auf schlechtesten! Papier gedruckt, in 'kitschigen Einband gebunden milb mit armseligen, die Phantasie eher hemmenden,als befruchtenden Illustrationen versehen, nichts weniger als der Bedeutung eines der schönsten jüdischen Feste angemessen waren, stellt die hier vorliegende Hagadah eine dringend gebotene und wohltuende Neuerung dar. Josef Budkos reifem Können ist es geglückt, den, Bildschmuck mit dem altüberlieferten Texte zu einer harmonischen Einheit zu verschmelzen und so eiüe neue Hagadah zu schassen, die bestimmt ist, ein Volksbuch tim wahrsten Snine des Wortes zn werden. "j 234848022348530248

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