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Die Wahrheit · 1921-04-01 · Heft 7 (1.4.1921) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 7 (1.4.1921)
Date
1921-04-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Wahrheiten vom Tage MM Judentum und Kriminalität, liebet dieses Thema äußerte sich vor kurzem der bekannte Schriftsteller Turt aruga, der in seinem Beruse als Polizeioberbeamter ein reiches Tatsachenmaterial und scharfe Beobachtungsgabe besitzt, in einem höchst interessanten Artikel, der streng sachlich das Vorurteil widerlegt, als ob der Jude durch seine Rasseneigenschaften für eine gewisse Verbrechergruppe prädestiniert wäre. Tartaruga, dessen Standpunkt hier umso maßgebender erscheint, als er selbst dem Judentum nicht angehört, weist klar und geistreich nach, daß es streng gesonderte Rassennierkmale dort, wo im Lause langer Zeit politische und kulturelle Wandlungen das Bild der Menschheit geändert haben, nicht geben könne. Tatsächlich begann seit dem Drängen und Wogen der Völkerwanderung der große ethnographische Mischmasch in Europa, der dem kun- . digen Beobachter deutliche Spuren erkennen läßt. Auch das Volk der Juden erlag diesem Wandel. Man sehe beispielsweise die Unterschiede zwischen spaniolischen und abendländischen Juden: besonders auch die große Zahl rotblonder, helläugiger russischer und polnischer Juden im Gegensätze zu ihren westlichen Stammesbrüdern. Gegen den Vorwurf, daß die Nachkommen Abrahams einen starken Prozentsatz in der Kriminalistik unblutiger Art, wie Betrug, Wucher und Schwindeleien, stellen, führt er die Tatsache ins Treffen, daß die Verhältnisse und das Milieu entscheiden. In Saloniki oM Stambul, wo die Juden die Schwerarbeit "der Lastträger leisten, gibt es unter ihnen ebenso oft Messerstecher, Raufbolde und Totschläger wie unter den Plattenstrolchen des gemütlichen Wien und anderer Großstädte. Der Verfasser schließt seine trefflichen Studien mit den Bemerkungen: Wenn wir eine Statistik der Strafdelikte in Wien zusammenstellen, so figurieren die Juden in Wahrheit mit keinem unverhältnismäßig großen Prozentsatz unter den Schwindlern, Preistreibern und Wucherern, aber man spricht mehr von ihnen. Dies mag darauf zurückzuführen sein, daß der verdienende Christ das Erworbene in der Regel vor der Welt versteckt, während der Jude eher damit prahlt. Vielleicht ist das ein „orientalischer Atavismus"? Diese Entscheidung kann aber auch damit erklärt werden, daß der solange unterdrückt gewesene Jude das Bedürfnis in sich fühlt, erworbene „Macht" augenfällig zu gestalten. Es ist im Grund auch nur eine Milieusache. Daß der Prozentsatz der jüdischen „Kriegsverdiener" übrigens doch nur so hoch werden konnte, geht auf das Konto der aus dem Osten, namentlich aus Galizien, zugewanderten Glaubensgenossen, die hier in ganz fremde Verhältnisse geraten waren. In Galizien gibt es keine beschränkten Handelskonzessionen nach unserem Sinne. Der Handelsmann handelt dort mit allem. Daraus mußten sich hier selbstverständlich Reibungen ergeben. In dem Augenblick aber, wo man die Gescvmtstatistik ganz Niederösterreichs betrachtet, bilden die Juden auch unter den „Handelsdelinquenten" nur einen verschwindenden Bruchteil. Zieht man noch in Betracht, daß den Juden unwidersprochen ausgeprägter Familiensinn, Sittenreinheit, Mäßigkeit in Genüßen und Altruismus nachgerühmt wird, Eigenschaften, die sich natürlich auch auf kriminellem Gebiete vorteilhaft äußern müssen, so schneiden sie keineswegs schlecht ab, wenn wir sie in die Parallele mit Nichtjuden stellen. — Es ist jedenfalls sehr begrüßenswert, daß eine Autorität wie Tartaruga Wahrheit über das Vorurteil des Raffenproblems der Juden vom kriminellen Standpunkt verbreitet. Prälat Alexander Gießwein gegen den ungarischen Antisemitismus. In der ungarischn Nationalversammlung hat sich der bekannte Prälat Alexander Gießwein mit den Angriffen des Abgeordneten Hegedüs gegen seine Person befaßt und unter anderem gesagt: „Dafirr, worauf ich hingewiesen hatte, — daß nämlich die Umwandlung der Iudenfrage in eine Rassen frage der christlichen Auffassung widerspricht, kann ich mich aus die mit dem größten wissenschaftlichen Apparat geschriebene Revue der deutschen Jesuiten, aus die „Stimmen der Zeit" berufen, in deren letztem Hefte gerade ein Artikel erschienen ist, der nachweift, in welch falsche Richtung in Deutschland der derartige Antisemitismus gelenkt worden ist. Dort ist auch ein Roman erschienen, der sozusagen die Grundlagen der alttestamentarischen Offenbarung niederreißt und verhöhnt. Und doch kann das Neue Testament nicht vom Alten Testament getrennt werden. Hat doch Christus selber gesägt, er sei nicht gekommen, die alten Gesetze niederznreißen, sondern sie zu beenden und unter Dach zu bringen. Deshalb halte ich als kath o lisch er Seelsorger und Theologe eine derartige Behandlung der Judenfrage für eine gefährliche Sache. Die Regierüng hat wohl daran getan, die Freimaurerlogen als geheime Gesellschaften aufzulösen, sie möge aber auch weiter gehen und jede geheime Gesellschaft, alle die geheimen Gesellschaften aufzulösen, die bei uns die gesellschaftliche Konsolidierung und das brüderliche Zusammenwirken stören." Es ist ein erfreulicher und tröstlicher Gedanke, daß aus den Reihen des katholischen Klerus in der schwärzesten Zeit der Reaktion immer neue Bekenner der Wahrheit gegen den ungarischen Staatsantisemitismus hervortreten und an der Aufklärungsarbeit unerschrocken arbeiten, bis es denn doch in diesem unglücklichen Laude Licht wird. Oitjüdlsch. Wir erhalten folgende Zuschrift: - Es gab eine Zeit — man muß nicht zu dein ältesten Leuten gehören, nur sich daran zu erinnern —, da war der Spruch, daß alle Juden Brüder siUd, kein leerer Wahn, sondern wurzelte tief im Bewußtsein der gesamten Judenheit. Politische Unterschiede, Grenz- und Sprachen fragen konnten an diesem Grundsätze nichts ändern. Das Gefühl der Glaubenszugchörigkeit war das Einigende für Jbte Kinder Israels. Von diesem Ideale haben wir uns im Laufe der Zeit immer weiter entfernt. Es ist schon so weit gefommen, daß Juden erster unid zweiter Güte systematisiert werden. In die Kategorie der letzteren setzte man die .Ostjuden. Früher war sogar dieser Begriff unbekannt. Seme Entstehung ist das ungewollte Verschulden der Nationalisten und datiert seit der 'Kriegszeit, seit der Menscheninslatimr aus Galizien. Noch hatten unsere Glaubensbrüder keine Differenzierung vorgenommen, das jüdische Wien den Unglücklichen Mitgefühl Md Beistand nicht versagt. Um. jene Zeit setzte .auch das Elend der.bodenständigen Judenheit ein und ihr drängte sich die BeobachUmg auf, daß es Unterschiede zwischen dein „Fremden" gebe, daß auch bei diesen eine soziale Gliederung in Reiche und Arme vorkomme. Wie sollte dieser Unterschied . nicht den haßgeschärften Augen der Judenfeinde noch mehr ausfallen. So wurde von diesen zuerst das Wort von den Oftjuden geprägt und' daran das Begehren geknüpft, sich der Fremden wie immer möglich zu entledigen. Wer nicht nur die Antisemiten, auch die Nationalisten schadeten der Sache und den Leuten, indem sie sich auf einem besonderen Standpunkt festleigten. Hier konnte man des Spruches eingedenk seist: Gott sckchtze mich vor meinen Freunden! Hatten die Antisemiten das Wort „Ostjuden" > geprägt, so erfanden dieNcmvnalen ihre Asstmilanten und

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