Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 6 (18.3.1921)
- Date
- 1921-03-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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D i e Wahrheit Sette 17 Nr. H außerordentlich starker Teilnahme vom Trauerhause, 2. Betz., ' Pazmauitengasie 19, statt und 'dann -bewegte sich der imposante Zug al's' Zeichen besonderer Ehvung für die Verblichene am Tempel gebäude vorbei. An der Spitze des überaus großen Konduktes sah man hinter den: leidtragenden Gatten den Gesamtvorstand des Tempelvereines .Mit dem Präsidium, bestehend aus den Herren Obmann Nat A. Wenger, Obmannstellvertreter S. Ad l e r und O. Schrämet. Rabbiner Dr. S. Funk hielt der Verblichenen inl Tranerhause, wie auch am Zentrialfriedhofe einen zu aller Herzerr -gehenden Nachruf, in welchen! er sie als musterhafte Gattin, liebevolle Verwandte und Wohltäterin würdigte. Am offenen Grabe nahm der schmerzgebeugte Gatte mit ergreifenden Worten von seiner treuen Lebensgefährtin Abschied, wobei kein Auge tränenleer blieb. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor G i b l i ch m a n n.. 1. Kantor Stift stimmte im Namen der Leidtragenden ein ergreifendes Gl mvle rachamim an. — Sonntag, den 6. d. M. wurde Frau Anna Beer, Ehegattin des BüvgerschuldirEtors Herrn Markus Beer, ''unter zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. Die Dahingeschiödene, einer alten mährischen Patrizierfamilie entstammend, war wegen ihrer seltenen Herzensgute und Wohltätigkeit in weiten Kreisen hochgechrt und geachtet: sie war eine Esches Chajil in. wahrem Sinne des Wortes. Nach Absingung der üblichen Tranergesänge von Herrn erstem Kantor M a t y a s mit Chorbegleitung hielt Herr Rabbiner Dr. Grunwald der Verblichenen einen tiefempfundenen Nachrufs, in dem er die tngendh asten Eigenschaften dieser edlen Frau treffend schilderte. Hierauf widmete Herr Albert L ö w, Obmann des humanitären Vereines der Holleschauer, der Verstorbenen namens ihrer Heimatstadt Holleschau und namens des Vereines, in dem Herr Direktor Beer seit vielen Jahren als Borftandsmitglied segensreich wirkt, warme Worte des Abschiedes. Am offenen Grabe nahm auch der tiefgebeugte Gatte in bewegten Worten Abschied von seiner treuen Lebensgefährtin, mit der er 43 Jahre in glücklicher Ehe lebte. Möge diese Jscho Chaschuvo sanft ruhen! — Am 2. März dieses Jahres verschied in Baden bei Wien Herr Albert Deutsch nach kurzem, schewerem Leiden im 82. Lebensjahre. Im Jahre 1863 aus Mattersdovs nach Baden über- ' sibdelt, nahm derselbe an der Gründung der Badener jüdischen Gemeinde regen Anteil, in welcher er auch viele Jahre als Tempelvorsteher den echt altjüdischen Geist bewährte, von dem er von seiner frühesten Jugend an bis zu seinem letzten Atemzuge durchdrungen war.' Er war stets morgens und abends der erste Tempelbesucher, versäumte nie die belehrenden Vorträge. Seine sieben Söhne, die alle draußen im pulsierenden Leben der menschlichen Gesellschaft ihre Stellung haben, bekunden auch in derselben die echt jüdische traditionelle Gesinnung, mir der ihnen der Verewigte stets «als Beispiel voranlenchtete, darunter der allseits beliebte und hochgeschätzte Herr .Dr. Samuel Deutsch, Kultusausschußmitglied des Badener Gomeindevorstandes, und Herr Moritz Deutsch, städtischer Gememderat. Auch sein Schwiegersohn, Herr Jakob Schön, Obmann des jüdischen Volksrates ln Ung.-Brod, erfreut sich des besten Rufes. Am Grabe sprachen Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Samuel Ehrenfeld, Herr Rabbirmtsassessor Tausfig. Auch sein treuer und langjähriger Freund Herr Rabbinerstellvertveter S. U n g e r hielt dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf. Der Leichnam des Verstorbenen wurde nach Mattersdorf überführt urrd daselbst^, neben seiner Gattin und seinen Eltern beigesetzt. E - . ' Im hohen Alter von 85 Jahren ist am 23. Februar der Synagogenvorstand der „Emunas Awesim"", Herr Philipp Hofbauer, Bruder der gleich ihm wegen ihres thoratreuen, wohlgefälligen Wandels bekannten Herren Bernhard und Moritz Hofbauer, ans dem Leven geschieden. Im Sinne seines stets bescheidenen. Wirkens hat sich der Verewigte letztwillig jede offizielle Trauerrede bei seinem Leichenbegängnisse verbeten. Es wurde deshalb nur' mtt wenigen, aber herzlichen Worten der Bedeutung des Hingeschiedenen gedacht. Bon der. allgenreinen Achtung, der sich der Verewigte erfreute, gab die große Trauerversammlung Kunde, die am 25. Februar dem Toten das letzte Geleite gab. Von Seite der Kultusgemeinde waren erschienen das Mitglied des Knltusvorstandes Herr Jakob P i n k a s und Herr Amtsleiter W. Freistadt, ferner Ehrwürden Herr Rabbiner S. Fürst, der gesamte Bethausvorstand von Fünfhaus und der der dortigen Chewra Kadischa, dann alle Vorstandskollegen von der „Storchenschule",-Vertreter des Tempel- und Schulvereitres in der Stumpergasie und viele andere Delegierte von Bethans- und Wohltätigkeitsvereiuen. Eine sehr zahlreiche Menge umgab das Trauerhaus, in dem die erste Trwuerzeremonie stattfand. Dort ergriff als erster der Bruder des Verstorbenen, Herr Bernhard H o f b a n e r, tiefbewegt das Wort und beklagte das Hinscheiden des Trefflichen. Hierauf zeigte Herr -Rabbiner F l e s ch, der Neffe des ins bessere Jenseits Dahingegangenen, wie Philipp Hofbauer bis zum letzten Atemzuge als wahrhaft frommer Jude gelobt habe. Für den verwaisten Bethausvorstand sprach Dr. U n t e r b e r g den Dank für die Verdienste des Führers aus und versprach, treu dem letzten Willen und den Traditionen Hosbauers den Verein sichren zu wollen. Ans dem neuen. Friedhose, wohin der Trauerzng dann geleitet wurde, ergriff Herr Moritz F e l s e n b u r g, der jüngere Freund und Weggenosie des Entschlafenen^ das Wort, um gleich David den Hingang des Freundes Jonathau-Hosbauer zu beklagen und den Mann zu rühmen, der in der großen Stadt Snfcr-Wien ein aufrechter Jude geblieben. Dr. S. Unterberg. Der Tod halt in der letzten Zeit furchtbare Ernte unter den älteren Wiener Journalisten. Nach Wrnternitz und Wilhelm ist Montag früh der langjährige Redakteur des „Neuen Wiener Tagblatt", Herr Bernhard Münz, nach einer wenige Tage währenden Krankheit gestorben. Bernhard Münz, der seit ungefähr vierzig Jahren im Redaktionsverband des „Neuen Wiener Tagblatt" tätig gewesen, stand im Alter von 63 Jahren. Er war ein Journalist der alten Wiener Schule im besten Sinne dieses Wortes insoserne, als er in allen Sätteln journalistischer Tätigkeit gerecht war. Es gibt kaum eine Rubrik des „Neuen Wiener Tagblatt" in der der nunmehr Verblichene nicht mitgearbeitet hätte. In den letzten zwei Dezennien waren es vornehmlich Fragen der auswärtigen Politik, die er in seinem Blatte behandelte und in dieser seiner Tätigkeit kamen ihm seine gründliche Sachkenntnis, vereint mit vortrefflichen persönlichen Beziehungen und einem stnaenden Gedächtnis zu Hilfe. Ein jüdischer Künstler im Elend. Für beit trefflichen Künstler Max R o t t wurden uns zur Linderung seiner augenblicklichen Not von edlen Spendern nachstehende-Beträge überwiesen. Bernhard Goldstern 1000 K., N. Kusznier 300 K., Julius Riesz, Rudolf Lux, Dr. M. St., B. Weisz, Armenrat, je 200 K.; Wiener Theatercaf6, Edmund Werner, Oskar Schranvek, I. Schonherz, M. Neufeld, I. Hermann, je 100 K., Max Reich 50 K. Weitere hochherzige Spenden für den geistig umnachteten braven Menschen werden im Interesse der guten Sache erwünscht.