Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1921-03-18 · Heft 6 (18.3.1921) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 6 (18.3.1921)
Date
1921-03-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3062972-3063903-3063909--11224-3078615
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 6 D i e Wahrheit Seite IS Mk. 1.50. Der rührige Drerländerverlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine historisch-politische Bücherei herauszugeben und ist dieser Aufgabe sicher zur Zufriedenheit des Lesers gerecht geworden. Denn erstens zeigt der Inhalt - der kleinen Bändchen Verständnis bei der Auswahl und zweitens wird man es heute bei den hohen Bücherpreisen nur begrüßen, wenn einem Gelegenheit geboten wird, wahre „Dokumente der Menschlichkeit" — wenn auch nur auszugsweise die wichtigsten Stellen — um weniges Geld kennen zu lernen. I. St. Raoul Auernheimer: Maskenball. Novellen im Kostüm. Verlag von Egon Fleische! & Co., Berlin W. Preis K 9.—. Unter dem Titel „Maskenball" vereinigt Auernheimer sechs launig erfundene Stilnovellen, die uns den Dichter von einer neuen Seite zeigen. Der Gegenwart abgewandt, wenn auch nicht ganz ohne Anzüglichkeit, erzählt er diesmal Geschichten, die das Gemeinsame haben, daß sie sich auf historischem Hintergrund abspielen und die, ob sie nun „Dnbois und der Kaiser" — eine literarische Kviegsgowinnersatire aus dem napoleonischem Zeitalter — oder „Gräfin Rosalie" — ein wehmütiges, galantes Histörchen aus der Rokokozeit — heißen; ob sie, wie „Herr von Goethe und der Hund", 'die tragikomische Episode von Goethes Entlassung als Dheaterdirektor in eine freie dichterische Form bringen, oder wie „Der glücklich verheiratete Moliöre", uns die Geschichte von Molares Ehe in ironischer Spiegelung zeigen; ob sie im „Wachs des Odysseus" das Zeitalter Homers oder in „Eugenie oder das Solserinorot" das biedermeierische Wren beschwören — - immer die gleiche künstlerische Absicht verfolgen, mit dem Besonderen einer „unerhörten Begebenheit" auch die Atmosphäre einer bestimmten Epoche wiederzugeben. Hierin, in dieser Beschränkung des Novellistischen mit dem Kulturhistorischen, mag der eigentliche Reiz dieser heiteren Erzählungen gelegen sein, deren Ironie zuweilen an Anatole France denken läßt. Auch in rein sprachlicher Beziehung ist dem neuen Buche Auernheimers ein besonderes Aroma eigen, dessen Lnftspielgeist, Menschenkenntnis und Humor es -im übrigen seinen früheren als gleichwertig anreihen. Der Leser wird die ihm verlrurnten Züge des Verfassers lauch in diesen maskenballartigen Verkleidungen rasch erkennen und chm -auf fernen ironischen Fahrten ins alte romantische Land vielleicht um so lieber folgen, als er sich dadurch einer leidigen Gegenwart entrückt fühlt. „Führer durch das Schrifttum des deutschen,Sozialismus" von E. Drahn, wisienschaftli cher Hilfsarbeiter an der Revolutionsfammlung der Preußischen Staatsbibliothek, früher Leiter des Archivs der Sozialistischen Partei Deutschlands. Zweite, vermehrte und verbesserte Auslage, '75 Seiten. Preis Mk. 4.25 mit 20 Prozent Teuerungszuschlag. Verlag für Sozialwisienschast, G. m. b. H., Berlin 8W. 68, 1920. Die trotz ihrer greifbaren Mängel innerhalb eines halben Jahves vergriffene, bei Presse und Käufern günstig beurteilte erste Auflage des „Führers" ist, der häufigen Nachfrage entsprechend, von neuem bearbeitet worden. Das Buch ist nützlich für jeden am öffentlichen Leben Interessierten. Mer Literatur der sozialistischen Gedankenwelt über irgend eine Kultursrage sucht, findet hier schnell das Gewünschte. Dem gegenüber der ersten Auflage um das Doppelte vermchrten bibliographischen Text, dessen Titel jetzt -auch die Seitenzahlen der Werke angeben, ist ein Autorenverzeichnis zur leichteren Orientierung 'beigegjeben. Vermischtes Mistelbach. Heute wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der zu den besten und beliebtesten Bürgern unserer Stadt gehörte, Herr Religwnslehrer und Kultusbeamte Leopold Regner, der im 54. Jahre seines gottgefälligen Lebens verschied. Einer frommen und hochgeachteten Beamtenfamilie entstammend, hatte er sich in seiner Jugend dem Talmudstudium gewidmet und betätigte sich dann Jahrzehnte hindurch im Lehramte zur vollen Zufriedenheit unserer Gemeindemitglieder. Als guter Jude und edler Mensch genoß er die Hochachtung und Verehrung der wertesten Kreise. Diese kam auch bei seinem Leichenbegängnisse durch die ungemein große Beteiligung der besten Kreise zum Ausdrucke. Nicht nur die jüdische Bevölkerung war vollzählig, sondern auch die angesehensten katholischen Bürger mit der Geistlichkeit an der Spitze waren erschienen, um von dem geliebten Toten Abschied zu nehmen und Herr Rabbiner Dr. T ag licht aus Wien gab in schönen Worten dem tiefen Schmerze Ausdruck, den der' frühe Tod des Verewigten der Gemeinde bereitete. Mit Wehmut nahmen alle von dem frischen Hügel Abschied, der sich über einen edlen, guten Menschen wölbte. Sie hatten das Gefühl, daß sie seinesgleichen nicht sobald wieder sehen werden. Ehre seinen: Andenken. Koscheres Pferdefleisch. Aus Polen wird der Fall gemeldet, daß man einen jüdffchen Fleischhauer dabei erwischte, wie er für seine koschere Fleischbank einen Posten Roßfleisch in Empfang nahm. Wie sich ergab, hatte er diese Ware nicht so sehr für seine Privatkunden, als viel mehr für eine Koscherwurstsabrik geführt. Es wäre empfehlenswert,. auch in die Geheimniffe so mancher Wiener Koscherwurstfabrik ein wenig rituell hineinzuleuchten. Der Allgemeine Krankenunterstützungsverein „Nächstenliebe", Wien, 2. Bez., Praterstraße 50, veranstaltet am 24. März d. I. in den Sälen des Hotels „P o st" eine A k a d e m i e mit anschließender T a n z u n t e r- Haltung. Das Reinerträgnis dieser Veranstaltung fließt je zur Hälfte den Wohlsahrtseinrichtungen!des Vereines und dem Tempelbaufonds des 2. Bezirkes zu. Diese Veranstaltung ist unseres Wissens die erste, welche sich auch des notleidenden Tempelbaues erinnert, und 'wäre daher derselben ein besonders günstiger Erfolg zu wünschen. Konzert Margulies. (23. Februar 1921.) In den Giselasälen im 21. Bezirk war jüngst Herr Oberkantor Margulies als Konzertsänger zu hören. Sein geschmackvoll erlesenes Programm bot neben Liedern von Rückauß Rubinftein, Hildach und Leoncavallo berühmte Glanzaricu aus der „Jüdin", aus Puccinis „Manon", die traumhaft schöne Romanze aus den „Perlenfischern", dann natürlich auch den sehnsuchtsvollen und tränenglänzenden Liebes- und Todosgesang des gefangenen Ccrvaradoffi. Mit außer ordentlicher Noblesse weiß Oberkantor Margulies sein«:: geschmeidigen, bald lyrisch, 'bald stolz dramatisch aufleuchtenden Tenor die höchsten Wirkungen abzugewinnen. Sein wundervolles Piano machte die obenerwähnte Romanze von Bizet zum malerischen Stimmmrgsbild voll zitternder Schönheit der Tropensternennacht, -sein flüssiges Logato ließ ihn besonders in den Arien des lebensfrohen Herzogs von Mantua und der Schmelz seines weichen, ein - schmeichelnd und zartflehend klingenden Timbros in der Arie des Rudvlfo der ,Boheme", Piecen, bei dem er bei dem Beifall tobenden Publikum, besonders bei dessen * &!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.