Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 6 (18.3.1921)
- Date
- 1921-03-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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&ette 14 S G is Wahrheit - , Nr . 6 „Rabü^ urrd „Rabbinats-KanzleidirEor" verliehen habe. Er begrüßte 'die derart ausgezeichneten Rabbiner, deren Verdienste er in einer längeren Ansprache würdigte. Die Rabbiner dankten in schwungvollenErwiderungen, in denen sie auch für ihre künftige Tätigkeit ein feierliches Gelöbnis ablegten. Ansprachen des Tempelvorftehers Leopold I. R o s e n b e r g, Viktor S o m o g y i s und Dr. Ludwig Fischers beschlossen die innige Feier. Negerjude«. „Haavez" berichtet: Bekanntlich gibt es in Dahome (Ostasrika) einen jüdischen Stamm mit schvarzer Hautfarbe. Ern Mitglied dieses Stammes, der in der englischen Armee in Erez Israel diente, hielt in London einen Vortrag über die Juden Dahomes. - Sie bilden einen ganz unabhängigen und selbständigen Stamm, sind glücklich und zufrieden, kennen den Entwicklungsgang des Judentums nicht, aber auch nicht die Unzukömmlichkeiten, die das Judentum in den nreiften Ländern seines Aufenthaltes im Laufe der Zeiten getroffen haben. Das Judentum des Stammes ist nach Ansicht des Redners ein Judentum der Bibel und nicht des Talmuds. Der Stamm hat ein Beth-Hamikdasch, in welchem Dreropfer dargebracht werden, mit einem Hohenpriester und sieben Priesterfamilien, die die Führer 'des Volkes in religiösen und sittlichen Fragen sind. Ihre Gesetzesvorschristen haben sie aus den Wänden des Heiligtums ausgeschrieben. Die Thora haben sie in altertümlicher hebräischer Schrift auf Pergamentrollen geschrieben. v Der Stamm besitzt kein anderes jüdisches Buch als die fünf Bücher Moses. Hingegen lesen sie ab und zu Zeitungen. Stadtratswahl in Eger. 'Für die cm 27. Februar stattgefundene Stadtratswahl stellte die Egerer Judenschuft Herrn Jur.-Dr. Wois Fischer, der auch die Ehrenstelle des zweiten Kultusvorstehers in der Gemeinde begleitet, als eigenen Kandidaten aus. Es ist dies ein Novum im Wesen des neuzeitlichen Kahallebens. Es herrschte wohl ein gewisser Pessimismus in Bezug des Erfolges, zumal sämtliche politische Parteien für ihre Mandatare fieberhafte Agitation entfalteten. Desto mehr ist man von dem -ausschlaggebenden Wahlersolg zugunsten des Herrn Dr. Fischer, der ein Uebermaß von Stimmen auswies, überrascht. Es ist einwandfrei erwiesen, daß auch eine ansehnliche Zahl von Nichtjuden ihre Stimmen zugunsten des jüdischen Mandates abgaben. Dnß bei dem Wettbewerb von Seite der verschobenen Parteien und angesichts der allseitig fieberhaft eifrig betriebenen Wahlagitation Dr. Fischer siegreich hervorging, und zwar mit einer sehr bedeutenden Stimmenmehrheit, der zum Teil auch Nichtjuden »angehörten, ist ans den Umstand beruhend, -daß Dr. Fischer, abgesehen von der Sympathie und Wertschätzung, die er bei allen Mitbürgern genießt, im Vorhinein erklärte, sich aus kein nationales Programm festzulegen, sondern allen Parteien gerecht zu werden. Erhöhung der fortlaufenden Bargeldunterstützung durch die Wiener Abteilung des American Joint Distribution Committee. Für die im Bezüge der fortlaufenden Bargeldunterstützung bei der Wiener Wteilung des American Joint Distribution Committee stehenden Personen wurden die täglichen Aushilfen erhöht. Es erhalten demnach: Alleinstchende Personen, welche 'für unmündige Kinder zu sorgen halben, Invalide, vollständig Erwerbsunfähige und schließlich Personen über 70 Jahre täglich 20 Kronen für das Familienoberhaupt und 8 Kronen für jedes FoamliLNMltglich. Personen im Alter zwischen 60 und 70 Jahve erhalten täglich 15 Kronen für das Familienoberhaupt, 'beziehungsweise 6 -Kronen für jedes Familienmitglied. Bfflffl Literatur gflig Constantm Brunner: Memscheleth sadon. Letztes Wort über den Judenhaß und die Juden. Verlag E. Berger & Co., Berlin-W. 62. — Ein Brunnersches Buch. Brunnevisch der. Inhalt, Brunnerisch vor allem die Sprache. Da ist jeder Satz ein Schwertstreich. Schon der Titel „Memschelefch sadon" klingt wie ein wilder Kampfruf. Und dieser Nus wird immer stärker, immer schriller.. „Wir haben das Größte angerichtet," ruft erden Feinden seines Volkes zu. „Die Geschichte hört nicht auf euch; sie sagt von uns: Ich Harke Mutter, ich freue mich ihrer Kraft und fteue mich' Hrer Propheten, welche den Trotz ihrer Kraft' haben und auftommen wie Sturm aus dem Meere, daß das Land erschrickt, als sollte es den Fluten gleich dahingewälzt werden." Brunner hat den Glauben an die Zukunft der Menschheit, an die Verwirklichung der jüdischen Ideale verloren. „Unsere Lchre von der Gerechtigkeit, Heiligkeit, Brüderlichkeit und Liebe paßt nicht aus die Menschheit: die Natur der Menschheit läßt ihr solche Geschichte nicht zu. Die Welt ist und bleibt ungerecht. Satan ist der Fürst dieser Erde, der immer umhergeht, wie ein brüllender Löwe. Er will darum von Liebe nichts wissen, nicht von Liebe und nicht von Brüderlichkeit, und gibt den blutgierigen Feinden seines Volkes den Rat, den der Koran den Feinden Mohammeds erteilt: „Wen es ärgert, daß Mohammed nicht zu Fall zu bringen, der hänge sich an den ersten Balken seines Hauses, und er wird baU> spüren, daß sein Zorn sich legt." Die blutigen Ereignisse der letzten Jahve, die Rauchwolken der brennenden Judenhäuser -und Heiligtümer haben seinen Himmel in Nacht und Nebel gchüllt. Er sieht nicht mehr die Sterne der Hoffnung, die dem gläubigen Juden die schwarze Nacht erhellen. Dieser glaubt noch immer an seinen Wunderring und spricht in trüben Zeiten mit dem Freunde Mendelssohns: „Geh' deinen unmerklichen Schritt, ewige Vorsehung! Nur laß mich an dir nichr verzweifeln. Laß mich an dir nicht verzweifeln, wenn selbst deine Schritte mir scheinen sollten, zurückzugehen!" Dr. F. Ministerkrisen. Ein Purimspnel ans Austro-Persieus Vergangenheit in drei Akten. Von Kurt Grunwald. Veriag von Sänger & Friedberg, 1921. Fra n.kfur t a. M. Mk. 3.50 und Zuschlag. Der jugendliche Autor hat hier in humoristischer Weise versucht, die Geschichte des Achaschwerosch und der Esther zu modernisieren, und dieser Versuch ist ihm aufs beste gelungen. Manchen monarchistischen Größenwahns und Unfähigkeit, die Seitenhieb gibt es da auf eine überwundene Periode. Wahl der emgeftreuLen Musikstücke zeigt 'künstlerischen Geschmack und die Charakterisierung einiger Personen, besonders des „Premierministers" Haman, ist wunderbar gelungen. Von dem jungen Dichter ist noch das Beste zu erwarten. O. H. Die Erfüllung aller Wünsche. Von Orison Sweti Marden. Gebunden 16 Mark („Lebensbücher", Verlag I. Engelhorns Nachf. in Stuttgart). — Der Titel des letzten Kapitels, „Gott, unser Teilhaber", ist für den Geist des ganzen Buches bezeichnend. Kraft un!d Freude strömen dem zu, der sich selbst die Quelle alles Glückes und Gelingens, die Stärke in Gott, erhält. Die überaus Volkstümliche Darstellung wird dem Buche die Einbürgerung in den verschiedensten Kreisen erleichtern. G. Dokumente der Menschlichkeit. Dreiländerv erlag München—Wien—Zürich. Preis des einzelnen Bundes