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Die Wahrheit · 1921-03-18 · Heft 6 (18.3.1921) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 6 (18.3.1921)
Date
1921-03-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 6 Seite 13 D r e Wahrheit ManM und freisinnigen Geistlichen. Einer der überzeugtesten, hervorragendsten Rufer und Streiter rcm die Wüvde und Sicherheit des Vaterlandes war der hochgemute Debrezener Bischof Defider Balthazar, der mit flammenden Protestworten den erwachenden Ungarn ihre Verfehlungen und schweren Sünden vor Angen hielt und zur Umkehr mahnte.' Unerschrocken verteidigte Bischof Balthazar die Rechte der schuldlos angefeinideten Inden, was chm den grimmen Haß seiner Wiedersacher zuzog. Da ihm die Unholde nicht persönlich an den Leib rücken konnten, glaubten sie, in der sichtbaren Kirche feinen vornehmsten Vertreter treffen zu können und ihm eine schwere Kränkung zu bereiten. Der Grausame ist immer auch feig und geht nach solcher Wesensart vor. Daß all der Schmutz, die ekelhaften Zeugen der Niedertracht, schließlich auf den, der sie verübt, zurückfallen, können Menschen tiefer Verkommenheit sich nie zum Bewußtsein bringen. Ebensowenig, daß kotbeschmutzte Hände nie das Rad des Fortschrittes und der Aufklärung nach rückwärts drehen konnten. Deshalb ist es unsere festbegründete Meinung, daß die wahrhafte Erhebung aus dem Sumpf, das wahrhafte Erwachen des in Ohnmacht und Hilflosigkeit versunkenen Ungarn nur durch die echte, reine Menscheirseele, wie sie der edelgesinnte Bischof und seine gleichgesinnten Amtsbrüder predigen, geschehen wird. ' Arisches Reinemachen. Unter dieser Ueberschrrft wird in Nr. 5 der „Wahrheit" vom 3. März 1921 von der Einführung des sogenannten Arierparagraphen beim Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein, Sektion Anstria, gesprochen und den jüdischen Mitgliedern dieses Vereines und anderer Touriftenvereine mit gleichen Grundsätzen der Rat gegeben, ähnlich, wie seinerzeit jüdische Turner, anstatt als geduldete EindrinAinge in den. Vereinen zu bleiben, sofort wuszntreten und einen selbständigen Verein mit gleichen Zielen zu gründen. Wir erhalten nun hiezu folgende Zuschrift: So naheliegend dieses Vorgehen ist, so spricht dagegen ein wichtiger Umstand, wie die Erfahrung in ähnlichen Fällen bereits lchrte. Hiedurch verzichten die jüdischen Mitglieder >auf ihre durch jahrelange Einzahlungen und Mitarbeit wohlerworbenen Rechte auf das Vereinsvermögen und sichen vor der schwierigen Aufgabe der Gründung eines neuen Vereines, ohne über hinreichende Mittel zu verfügen. Deshalb liegt kein Anlaß, zu einem solchen Vorgehen vor. Im Gegenteil, es würde ein bequemes Mittel sein, auch bei anderen Vereinen jüdische Mitglieder des Anteiles am Vereinsv erwögen zu berauben und es würde zur Nachahmung herausfordern. Es ist richtiger, im Vereine zu verbleiben, um in einem späteren Zeitpunkte gleichzeitig mit allen denjenigen, die den Arierparagraphen nicht anerkennen, auszutreten und hiebei alle vermögeusrechtlichen Ansprüche an Vereinsvermögen, Hüttenbesitz, Bücherei usw. — gegebenenfalls mit Zuhilfenahme der Gerichte -- geltend zu machen und aus dieser Grundlage einen neuen Verein zu gründen. Die Einführung des Arierparagraphen soll angeblich unter anderem den Zweck haben, zu verhindern, daß in den Vereinshütten Zechgelage stattfinden, Üeppigkeit und Luxus sich breit mache. Es ist richtig, daß solche beklagenswerte Erscheinungen lauf den Hütten wahrznneh men find. Das Mittel der Abwehr liegt aber nicht ln der Aufnahme eines Arierparagraphen, sondern darin, daß die Touriftenvereine von ihrem Hausrechte ans den Hütten Gebrauch machen und Ordnung und Zucht wisderherMen. Dr. Weinberg. Bon Nah «nd Fern Antisemitentag. Knapp vor Schluß der vorliegenden Nummer können wir nur in aller Kürze registrieren, -daß der so sorgfältig vorbereitete, mit einem großen Apparat der Hetzpropaganda herbeigernsene allgemeine Antisemitenrag.in Wien jenen Abschluß gesunden hat, der seines Anfangs und seines ganzen Wesens würdig erschien. Nach den üblichen, bei allen ähnlichen Veranstaltungen vorgebrachten Schmäh- und Schimpfreden gegen die Inden im allgemeinen, setzten die würdigen Veranstalter dadurch das Siegel unter ihre Worte, daß der ausgestachelte Pöbel das Finale mit lärmenden Ausschreitungen in den Straßen beging. Ein anderes Ergebnis dieser großangelegten Veranstaltung ist nicht zu verzeichnen, aber es ist immerhin genügend ein Symptom unserer Zustände, daß an demselben Tage, wo österreichische Staatsmänner vor den Machthabern der Welt Hilfe und Mitleid erbitten, solche Gefühle in der Hauptstadt des Reiches, wie es scheint, herrschend geworden sind. Wir werdhen übrigens aus den Zwischenfall, denn nur als solchen werten wir ihn, noch mit den entsprechenden Glossen znrückkommen. Der Streit der Orthodoxen mit Dr. Weizmann. Professor Dr. Haan beschwert sich im „Handelsblaad", daß Dr.' Weizmann nichts von seinen Versprechungen znm Schutz der Orthodoxen in Palästina wahr gemacht hat. Was den ganzen Einfluß von Pros. Weizmann bettisst in Sachen der Küchen und Sabbadschändnng, so hat er nichts getan, rein absolut nichts. In keinen von seinen vielen Reden und Interviews hat er ein Wort von diesen Dingen erwähnt. Ebensowenig in einem Interview mit einem Redakteur des „Haarez", worin er doch über seine Eindrücke in Holland gesprochen hat. Wohl aber sprach er fortwährend von der Notwendigkeit des Unterrichts. Einer Versammlung von Achad-Haamiften in Jaffa wurde beigewohnt. In Haifa sprach er über Immigration, Landbau und nationale Erziehung, als die drei Grundlagen des Jischnhs. Als Weizmann und Stt Alfred von denk jernsalemitifchen Stadttat der Juden empfangen wurde, wurden durch die Rabbinen Kuk, Mett und Fischmann Ansprachen q$i sie gehalten. Rabbiner Kuk nannte die beiden Herren „Friedensengel, Diener des Allerhöchsten". Vor allem gilt das für Stt Alfred Mond, der Samstags mit einem Auto durch Jerusalem fährt. Rabbiner Mett beklagte sich darüber, daß die zionistische Organisation kein Land kaust, daß die „arbeitsfreudigen Chaluzim" unter solchen schweren und bitteren Umständen leben müssen, daß der Unterricht, der die Grundlage des Lebens sei, so schlecht vorwärts gehe, daß das Hilfswerk aufzuhören drohe, daß die Araber wieder bedrohlich werden, daß Kinder nach ihm mit Steinen geworfen haben. Schließlich wird Weizmann zum Vorwurf gemacht, daß er in Jerusalem auch nicht eine der orchodoxen Anstalten besuchte. Ehrung der Pester Rabbiner. Die Zeremoniensektion der Pester-Gemeinde hielt jüngst unter dem Vorsitze ihres Leiters, des Präsesstellvertreters Dr. Alexander Lederer, eine Festsitzung ab, der sämtliche Mitglieder der Sektion und des Rabbinates vollzählig beiwohnten. In einer schwungvollen Ansprache teilte hier Dr. Lederer mit, daß der Gemeindevorstand den Rabbinern Dr. Jul. Fischer, Dr. Simom H e v e s i und Dr. Elias A d l er den Tttel „Oberrabbiner", dem Rabbiner Moses F e l d m a n n den Titel „Präses des Dreierkollegiums des Rabbinats" und dem Hilfsseelsorger Dr. Siegmund Großmann den Titel

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