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Die Wahrheit · 1921-03-18 · Heft 6 (18.3.1921) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 6 (18.3.1921)
Date
1921-03-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 DieW oh rhei t Seile » Ohl Gr, meine lieben Kadisch-Juden, Jomkipur- und Maskir-N'schomausbritder; M Gr in den KonzerGausnnd Sophiensälen, beim Schwarzenberg und Pallenberg, beim dummen und blöden Kerl, in Schönbrnnn und nicht meh-r in Sanerbrnnn, -im Tabarin und im imitierten Alt- Wien vom nächtlichen Freudenlärm so betäubt seid, daß das Jammergeschrei eurer eilenden und bedrückten Brüder zu euch nicht dringen kann; ich schicke euch eine E i nl ad u n g ins Haus! So viele Bälle, Redouten und Nachtlokale überschwemmt und überschüttet ihr mit euren jüdischen Millionen. Folget auch, ich bitte euch um Gottes Barmherzigkeit willen, auch dieser Einladung. Besuchet ein einzig esmal die „Armen- und E l e n d s - Redout e" e u rer j ft d i s ch e n G l a u b e n s b r ü d e r! Ein oinzigesmal geht hinaus nach Kcvrsermühlen, in Zwischenbrücken, wo am Allerheiligenplatz unzählige eile er Brüder in sinsteren Kellerhöhlen darben und frieren und hungern. Ihr werdet Juden linder sehen, die Las Lachen verlernt haben, weil ihr, mit eurem übermäßigen Lächert, es ihnen genommen habet. Sie gehen barfuß und nackt herum, nicht wie eure Weiber und Töchter am Lumpenbäll, uin ihre nackten Leiber zu zeigen, sondern weil sie nichts znm Anziehen haben. Einmal gehet hin aus den großen Elendsball, der sich über die ganze lustige WienerstM erstreckt, in die Bäuerlegasse, Karajangasse und der Schiffgasse und sch et euch die Krauten und Siechen an, diekeinen Arzt konsultieren, keine Arzneimittel, beschaffen können, weil sie die paar Kronen dafür nicht haben, aber auch keine Träne zum Weinen mehr, weil bei ihnen die Tränenquelle schon längst ausgetrocknet ist. Ein einzigesmal sehet euch an die Verzweiflung, die bei unzähligen | armen jüdischen Familien herrscht, indem sie nicht wissen, | von wo 200 Kronen für einen Kilo Mazos hernehmen, um wenigstens das bevorstehende Osterfest nach jüdischem Brauch feiern zu können, wahrend ihr für einen Logensitz zur Opernredoute mit Leichtigkeit 20.000 Kronen bezahlt. Folget doch, n-ur dies eine Mal meiner Einladung und ich hoffe, ja, ich bim davon überzeugt, euer jüdisches Gesicht, das von Apachen, Bösenbuben und anderem Lumpengesindel in einen Scheintod geschlagen wurde, wird wieder in euch erwachen. Im Angesicht dieses großen Elends werdet chr es wieder erlernen, Mitleid zu euren armen und bedürftigen Brüdern zu bekunden. Das bevorstehende Purimfest wird wieder' ein Fest der Reichert und Annen sein und eine Fremde, eine jiidische Freude wird herrschen wie m\)t am Puckm. Wien, arn zweiten Adär. Einblick in das Wirken des Joint. Die Vorwürfe, welche gegen die Wiener Mteilung des American Joint Distribution Comittee von Fall zu Fall austauchten, hatten uns zur Befassung mit diesen veranlaßt Wir sind hiebei mit der gebotenen Vorsicht vorgegangen, warerr immer bestrebt, die verdiente Würdigung der großzügigen Körperschaft zu zollen, gaben lediglich — veranlaßt durch Angaben von Parteien, die wir nicht zu kontrollieren in der Lage waren, — der Meinung Ausdruck, daß eine Abstellung der besprochenen Mängel in der Verwaltung angezeigt sei. Umsomehr freut es uns, feststellen zu können, und wir wollen damit irr Erfüllung der publizistischen Pflicht nicht zurückhalten, daß wir irrtümlich informiert waren. Es war uns überaus angenehm, Nicht genügt's ihm, seinen Feind zu töten, Dessen ganzem Volke schwört er Rache. „König! In dem Perserreiche", spricht er, „Lebt ein kleines unscheinbares Völkchen, Welches Hohn lacht deinen Staatsgesetzen, Die den andern Völkern hehr und heilig! Judensöhne nennt man die Barbaren! Ihr Gesetz verstößt 'gen jede Sitte,. Gegen Recht und Rechtlichkeit des Lebens, Mcht ist wert, daß du noch dieser Horde Ferner gönnest Luft iu deinem Reiche! Schenke mir die Gunst, es auszurotten!" . . . Und nun wird das V.olk ihm preisgegeben, Bricht die Kraft, der Mut jäh dem Tyrannen, Sieh', der Haß verwandelt sich in Feigheit, Aberglaube ftiißt an seinen Gliedern! Und er zählt die Tage, zählt und würfelt, Fragt die Hexenmeister, Sternendeuter, Bis die Zahlt der „vierzehn" ihm hervvrspringt, Bierzehrtter des Mar, ward gesagt ihm, Sei ein Tag geschaffen für den Pogrom! .... Alt und morsch ist die Figur des Haman, Doch des Persers Schule findet Schüler! Immer wieder tauchen ans Gestalten, Die der Fratze Hamans täuschend ähnlich, Ihre weiten Rachen speien Geiser, Ihre Zungen gleichen scharfen Schwertern! Und sie schleudern Bomben in die Massen: „Israel ist schuld an allem Unglück! Kommt herbei und helfi sie ausznrotten, Daß auf ewig werd' verlöscht Gr Name!" Doch der alte Gott nicht schläft, noch schlummert Und sein Bund, den er mit uns geschlossert, Unverbrüchlich ist für alle Zeiten! Ewiglich verwehen und vergehen / Unsre Feinde wie die Spreu im Winde! •— Laßt uns darum jetzt begehen den Purim Als ein Frühlingsfest der frohen Hoffnung, So mag fernerhin uns Gott auch schützen Wider alle bösen, feigen Hamans! Purint werde uns zum Fest der Hoffnung: Laßt uns jubeln an dem Fest der Hoffnung!

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