Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 6 (18.3.1921)
- Date
- 1921-03-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Gerte 6 D i e Wahrheit Nr. 6 daß das Sekretariat der Wiener Abteilung des A. I. D. C. anstatt unseren Darlegungen mit -einer Berichtigung entgegenzutreten, die ReidaWvon gelegentlich -einer Pressekonferenz eingeladen hat, sich mit dem gesamten Hilfswerke des A. I. D. C., Abteilung Wien, bekanntzumachen, damit fie selbst zur Ueberzeugung gelange, ob die erhobenen Bor- Würfe gegen die so verdienstvoll wirkende Institution begründet sind. Nach eingehenden Informationen im Zentralbürv und nach im Laufe von langen Tagen vorgenommenen Besichtigungen der Betriebe in der Berggasse, am Efteplatz, in den Küchen und sonstigen Wohlfahrtsansta'lten Äes A.^J. D. C., Abteilung Wien, gelangten wir zur festen Ueberzeugung, daß die Beanstandungen unbegründet und kaum auf das Verhalten der in der Verwaltung Tätigen zurückzuführen sind. Bei einem so riesenhaften Betriebe sind wohl Rekriminationen unvermeidlich, insbesondere wenn man die Psychologie eines großen Teiles der Parteien in Betracht zieht. Wir konnten beispielsweise in der LebensmiÄelunb Bekleidungssektion des A. I. D.,C., Mtei'lung Wien, am Esteplatz, wo täglich Taufende von Bedürftigen beteilt weiden,' trotz aller Vorsicht und Großzügigkeit der Verwaltung, Unkorrektheiten seitens der Parteien wahrnehmen, welchen den Referenten dieser Stelle zu besonderen Maßnahmen zwingen. Die gerechtfertigte Unnachsichtigkeii bringt einen lauten Einspruch der, Betroffenen mit sich, - welche dann den Vorfall in einem ganz anderen Sinne in der Stadt kolportieren. Auch konnten wir trotz stundenlanger Beobachtung kaum eine schleppende und langwierige Partoienabfertigung wahrnchmen, vielmehr ist eine möglich rasche, entgegenkommende Erledigung das Regelmäßige. Wie jedoch Gerüchte entstehen, kann aus folgender Episode ersehen werden: Unser Gewährsmann, der im Zentralbürv voWrechen wollte, wartete im Vorzimmer, da zur Zeit eine wichtige Sitzung stattfand. Na>ch -unserem Gewährsmann kamen mehrere Parteien. Kaum hatten fie einige Minuten gewartet, wobei ihnen der Diener mikteilte, daß die Sitzung bald zu Ende ist und daß es nicht lange dauern wird, bis sie an die Reihe kommen werden, wurden sie ungeduldig und bchaupideten, daß sie Tage und Stunden verlieren, und zogen den Diener zur Rechenschaft. ' Im Zentralbüro herrscht musterhafte Ordnung. Wir haben uns dort mit einem Betriebe bekannt gemacht, der vielleicht in der Größe seiner Anlage,, in der GenauigKeit, in der Art, wie von dort die Fäden in das -weitverzweigte Fürsorgenetz ansgehen und letzten Endes zurücklaufen, nicht nur in unserer Stadt und nicht nur im Judentum einzig in seiner Art dastcht. Im Mittelpunkt der fieberhaft angestrengten Arbeit, welche täglich bis in die späte Nacht währt, steht Herr Direktor Leon Wechsler an der Spitze eines Stabes erprobter Mitarbeiter, der sich bemüht, -der ebenso schweren als verantwortungsvollen Ausgabe in allen Einzelheiten glicht W werden. ' Man muß sich mit dem grandiosen, weitverzweigten Apparat aus eigener Anschauung bekannt gemacht haben, um sich auch nur einen Begriff machen zu können, daß beim besten Willen dennoch Fehler unterlaufen müssen. Dabei ist noch in Betracht zu ziehen, daß vor Beginn der Tätigkeit, während der Organisierung Tausende von Gesuchen bereits Vorlagen, zu deren Aufarbeitung lange - Wochen selbstverständlich nötig waren. Jrrtümer dürften Vorkommen, sie können aber kaum der Verwaltung zum Vorwurfe gemacht werden, müssen vielmehr aufs Schuldkonto der leider nicht immer korrekt vorgehenden Bewerber gesetzt werden, wodurch vielleicht mitunter Unschuldige für Schuldige gebüßt haben. * Die Sekretäre der Abteilung Wien des A. I. D. C., die Herren Dr. Edmund Scherzer und Di'. Paul' Sokal, die Referenten im Zentralbüro, die Herren Dr. S. Hecht und Dr. Lazar Melles, in der Sektion für fortlaufende Unterstützungen, Dr. Abraham Kraut- Ham m e r, in der Sektion Krankenfürsorge, Dr. Hermann Chajes, in der Lebensmittel- und. Bekleidungssektion Ing. S. Bar al l, sowie alle anderen Beamten der Wiener Abteilung des A. I. D. C. geben der Sache ihr Bestes. Insbesondere ist es jedoch Herrn Direktor Leon Wechsler, der in seiner Arbeit ganz aufgeht, zu danken, wenn die Zentrale^ in New-Nork der Wiener Abteilung des A. I. D. C. stets 'bereitwilligst solche Mittel yx Verfügung stellt. Der Aufbau, die Organisierung und die feinstdurchdachte Gliederung der Wiener Hilfsarbeit ist sein Werk, das er fortwährend bewacht, vervollkommnet und vergrößert. Auf eines möchten wir noch Hinweisen: Wir haben oft, vernommen, daß die Hilfe des A. I. D. C. mir gewissen Gnrppen und Richtungen, insbesondere nur Ostjuden, zugute kommt. Wir konnten uns auch in dieser Beziehung -auf Grund der Einsichtnahme in Protokolle und Berichte überzeugen, daß im Sinne der genauesten Weisungen der Zentrale in New-Dork die Hilfsmittel d>es A. I. D. C. au s s ch li e ßlich für Kriegsbes chädigte bestimmt sind. Unter diese Kategorie fällt vor allein ein großer Teil der aus dem Osten geflüchteten Kriegsopfer, die durch den Krieg von ihrer Heimat vertrieben- und in -den meisten Fällen uni ihr Hab und Gut, sowie um chre Erwerbsmöglichkeit gebracht worden sind... Nichtsdestoweniger konnten wir in der statistischen Gruppe seststellen, daß dank eben den Bemühungen der Leitung der Wiener Ab- ‘ teilung des A. I. D. C. fast.. 30 Prozent Wiener Juden der fortlaufenden Unterstützung teilhaftig sind, daß aber die Wohlfahrtsaktionen für den notleidenden Mittelstand, wie z. B. die Mittelstandsküchen, die Dollarpakete, sowie die Aktionen für unterernährte Kinder, insbesondere die Milchtrinkhallen zum bedeutend überwiegenden Teile -eben der Wiener Bevölkerung zugute kommen. Wir konnten feststellen, daß die Leitung lediglich aus die Erfüllung der Ausgabe des A. I. D. C. auf die Linderung der Not bedacht ist, -daß ihr alle Notleidenden, ohne Rücksicht auf