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Die Wahrheit · 1921-03-18 · Heft 6 (18.3.1921) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 6 (18.3.1921)
Date
1921-03-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Die Wahrheit Nr. 6 Einst am Purim. Von Josef Grob. Einst am Purim, als es noch keine Israeliten und keine Philosemiten gab, keine Vorschriktler und Rückschrittler, Zionisten und Sozialisten, keine Assimilanten und Orthodoxen.. Einst am Purim, als noch alle Inden nichts anderes als Juden waren und das lustigste jüdische Fest „Purim" hieß, da war es -aber auch lustig. Am Abend des 14. Adars saß jede jüdische Familie um den Tisch. Masken, jüdische „Verstellte", kamen und gingen bis spät in die Nacht hinein. Man lachte, unterhielt und belustigte sich. Man freute sich und es erweckte den Anschein, daß man sich einzig und! allein darüber freute, daß man Jude ist. Dieses echt jüdisch lustige Fest, sch Mt uns Jud en v on -heute ganz verloren gegangen zu sM. Nicht etwa, daß die heutigen Juden lustig zu sM verlernt hätten. Bewahre! Nur müssen es erst „böse Buben" sein, die mittels Peitschenhieben im jüdischen Mädchen, das auch nicht wenig schlimm zu fein scheint, Lustigkeit Hervorrufen. Apachen, die für den Kaufpreis von schweren Millionen jüdischen Geldes, den Juden die Erlaubnis erteilen, sich mit ihnen unterhalten zu dürfen. Caligaris oder Chuliganis müssen es erst sein, die durch ihr wüstes Treiben in den Juden von heute Freudegesühle erwecken. Ach, wie sind sie zu bedauern, die viel beneideten, armen reichen Juden von heute, die am Sonntag, Montag, Dienstag und allen anderen Tage der Woche, alle länderen Wochen des Monates u. s. f., nichts anderes kennen, als Lust und Freude. Juden, die aus dem wüsten Freudentaumel gar nicht herauskommen, der jüdischen Freude aber, des echt jüdischen Lustigseins, ganz verlustig geworden sind. Wohl sind noch Juden vorhanden, die nur <ant jüdischen Trauertagen sich ihres Judentums erinnern. Der Jude von heute geht vielleicht noch ab und zu in den Tempel, für sein verlorenes liebstes Wesen M KMschgebet zu verrichten, schlagt sich reumütig am Jomkipur für die begangenen Sünden während des Jahres ans die Brust; verliert einige Tränen bei der Seelenandacht über die Hingegangenen. Das Datum aber des einzig jüdischen Freudenfestes ist ihm ganz aus dem Gedächtnisse 'geschwunden. Er tanzt: kaligarisch, cholerisch, apachisch, nur nicht jüdisch. Er tut sich wohl, für teures Geld natürlich, beim Hopfner, Sacher, beim Rockenbauer in Grinzing, beim Haselfutter in Penzing, nur nicht bei seinem eigenen Familientisch zu Hause. Er freut sich am Sonntag, am Montag, am Faschingdienstag und amt Aschermittwoch, ja, selbst am Tischo-b'ow bei einer Spätsommer-Veranstaltung, nur nicht am Purim. Oh! wie geschwächt ist euer Gedächtnis geworden, ihr lustigen Inden von heute, die Hr, in eurem ununterbrochenen großen Freudentaumel vergessen habet, daß es noch andere Inden gibt, die sich nie mchr freuen können, weil ihre Brüder es verlernt haben, sich jüdisch zu freuen. Emst am Purim; als die begüterten jüdischen Familien beim Purimmahl saßen, vergaß man auch der Armen nicht. Ein Haufen Kupfermünzen und Silbergulden lagen am Tische und jeder Arme wurde beschenkt, mit Speise und Trank bewirtet und ein Paket Puriulgebäck mit nach Hause gegeben. Vielen verschämten Armen wurde in diskreter und delikater Weise ein Schlachnwnaus, ein Purimgeschenk ins Haus übermittelt. Purim war einst ein Freudenfest für Reiche und noch mehr für Arme. Und heute . . . .? SS«' Purim — ein Fest der Koffnung! Von Armin Wilkowitsch, Eger. Auf den Mastern barst das Eis in Schollen Nach des langen, bangen Winters-Schauern, Nach den fest- und freudenlosen Tagen . . . Und da stürmte in die Ghettomauern, Gleich dem Künder überfroher Botschaft, Viel beschellt herein der lnst'ge Purim! — Mag's noch schneien, hageln oder wettern, Bon den Bergen her schon lacht der Frühling, Daß im Tal vor Wonne alles jubelt . . . Hoffen, Hoffen zieht auf samtnen Sohlen, — Hoffen — jene Blume unseres Volkes! Ja, der Purim, Purim war gekommen! Fremde nannten Hn auch Judensasching — Unser Wirtsvolk gähnt vor Katzenjammer, Labt sich an dem salzgetrankten Hering — Nach den vieldurchschwarmten Winternachten Und da kommen wir >auch nachgehumpelt Mit den Masken und den Narrenschellen . . . D'rum galt mir der vielbesungene Purim Nie als Fest nach echtem jüd'schen Sinne! Unsre Esther, Mes Heiden Gattin, Ihr Gemahl, ein geistesschwacher Herrscher, Mordechaj, der weilen soll im Lehrhans, Er befaßt sich nur mit Hofes Schranzen, Dadurch geht verloren seine Würde! Er verwickelt in den Streit sich unnütz . . . Das sind Mm biblischen Gestalten! Nicht ein Abraham und auch kein Moses, Ja, da lob ich mir schon den Makkabi, Der beseelt von Mut und Gottvertrauen! Dann wird nicht genannt in der Megilla Unsres alten, guten Gottes Name. Lebenstreu gezeichnet ist nur Haman, ' Der Minister, der vor Ehrfurcht zappelt Und vor Größenwahn nur schnaubt und fiebert. Seines Hasses Welle kennt nicht Grenzen, SMe Zornesader droht zu bersten, . SM Verleumden strotzt vor blut'gen Farben, 1 Die noch röter sind als besten Purpur.

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