Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 5 (3.3.1921)
- Date
- 1921-03-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Die Wahrheit \ . Ar. L bäum. Für die „Concordia" sprach President Dr. W e ng r a f. Er hob, wie bereits erwähnt, die hohen beruflichen Tugenden des Verewigten hervor. Der Präsident des Verbandes der Wiener Zeitunaskorrespondenzen Alfred Pappe n h ei m überbrachte.namens der engeren Kollegenschaft die letzten Grüße dem verstorbenen Ehrenmitgliede. Es sprach noch namens der Künstlergemeinschaft Erwin P c n d l. Dann wurde der Sarg zur letzten Ruhestätte geleitet. Unter den zahlreich eingelangten Beileidskundgebungm befand sich ein Kondolenzschreiben des Bundesprästdenten Dr. Hainisch, in dem es heißt: „Anläßlich des Heimganges Ihres Herrn Vaters, des so hoch angesehenen und verdienten Journalisten, spreche ich Ihnen und Ihren Angehörigen meine wärmste Teilnahme aus." Ferner kondolierten Bundeskanzler Dr. Mayr, Vizekanzler Breisky, Polizeipräsident Schober, Generalkonsul v. Vivenot, namens des Konvents der Barmherzigen Brüder Prior W a w e r d a und zahlreiche Korporationen. Hilfsaktion der „Jntercollegiale Menorah-Assoeiation" Rew-Aork für Mische Hochschüler. Eine der wichtigsten Aufgaben des derzeitigen jüdischen Lebens ist die Hilfstätigkeit für notleidende jüdische Hochschüler. Der Krieg und die politischen Ereignisse im Osten führten dazu, daß die Hochschulen in Wien, Prag, teilweise Bratislava und Brunn Afylstätten für den größten Teil der studierenden jüdischen Jugend aus dem Osten geworden sind. Es liegt im Interesse der Juden der ganzen Welt, diesen einigen tausend Hochschülern nach Kräften beizustehen. Das American Joint Distribution Committee, Abteilung Wien, hat in richtiger Erkenntnis der Sachlage im Juni 1919 eine großzügige Hilfsaktion für Hochschüler eingeleitet. Seit ungchahr zwei Jahren werden tausend Hochschüler auf Kosten des AJDC. in der Mensa Academica ausgefpeist, Hunderte von Hochschülern werden mit Kleidern beteilt, die Bibliotheken der Fachvereinigungen erhielten Sub-. veuiionen für Einkauf von Büchern und sonstigen Studienbchelfen, die Mensa Academica wird mit Lebensmitteln beliefert und mit periodischen Subventionen unterstützt. Seit einer gewissen Zeit jedoch war vorauszusehen, daß das AJDC. nicht in der Lage sein wird, seine Hilfstätigkeit im bisherigen Ausmaße fortzufetzen und daß die Studentenfürfovge unter anderem mit Rücksicht aus die diesbezüglichen in Amerika herrschenden allgemeinen Anschauungen erheblichen Einschränkungen unterworfen werden dürfte. Von der Sorge geleitet, dem Entstehen einer Lücke in dieser so wichtigen Hilfstätigkeit vorzubeugen, hat Herr Regionaldirektor Leon Wechsler bereits im August 1920 beim damaligen GeneraldirEor für Europa, Herrn Dr. Julius Goldman, insbesondere jedoch bei feiner Tochter, Fräulein Dr. Hetty Goldman, das Einleiten einer besonderen Sammlung in Amerika für die notleidenden jüdischen Hvchfchüler angeregt. Dank den Bemühungen des Herrn und Fräuleins Dr. Goldman, sowie des Herrn Prof. Dr. Felix Frankfurter aus New-Iork hat die „Jntercollegiale Studentenorganis a t i o n M e n o r a h" Sammlungen für einen Studentennnterstütznngsfonds eingeleitet, die bereits befriedigende Resultate ergeben hüben und weiter fortgesetzt werden. Herr Regionaldirektor Leon Wechfter wurde ermächtigt, in Wien, Prag, Budapest sowie anderen in Betracht kommenden Städten aus Vertretern der Professoren, Studenten und Mitgliedern des AJDC. Verteilungskomitees zu gründen und im Einvernehmen mit Fräulem Hedwig Gellner aus Prag und Herrn Dr. Ernö Deutsch aus Budapest einen Verteilungsschlüssel unter den drei Staaten zu bestimmen. 'Bei den zwischen Direktor Wechsler, Fräulein (Kellner und Dr. Deutsch in Wien stattgesundenen Besprechungen würde vereinbart, daß von den derzeit zur Verfügung stehenden Menorah-Sammlungen drei Sechstel auf Wien, zwei Sechstel?aus die Tschecho-Slowakei (Prag, Brünn, Bratislava) und ein Sechstel auf Budapest entfallen. Am 5. Februar fand in Wien die konstituierende Sitzung des Wiener Menorah-Komitees statt, dem folgende Herren angehören: Vom AJDC., Abteilung Wien: Oberrabbiner Prof. Dr. P. H. Ehajes, Dr. Arthur Kuranda, Dr. Karl Ornstein, Abgeordneter Ing. Robert Stricker, RegionaldirÄtor Leon Wechfter, Dr. Schaft Hecht. Die Universitätsprofessoren: Dr. Ludwig Braun, Dr. S. Ehrmann,' Dr. Salomon Frankfurter, Dr. Bernhard Geiger, Dr. Sigmund Kornfeld, Dr. Heinrich Neumann. Die Hochschüler: Dr. jur. und stud. med. Otto Gersuny, Dr. jur. und stud. Phil. Moses Landau, cand. jur. Sacul Öfterer, cand. jur. et rer. com. Leo Steinig. Nach einer Debatte über die Richtliniender Menorahaktion in Wien und über die von der „Jntercalle-giat-en Mo-norah-Aßociation" aus Amerika zugekommenen Weisungen, wurde ein Präsidium gewählt, welches aus den Herren: Oberrabbiner Prof. Dr. S. H. Ehajes, Hofrat Dr. Salomon Frankfurter, Prof. Dr. Heinrich Neumann und Direktor Leon Wechsler besteht. Mit den Funktionen -eines Schriftführers wurde Herr oand. jur. S. Öfterer betraut. Erklärung. Wir erhalten folgende Zuschrift: Zu der in Nummer 3 Ihres geschätzten Blattes erschienenen Notiz „Pauschalverdächtigung" erlaube ich mir die Einwendung, daß im Sinne jener Zeilen die „falsche Meinung durchgreifen könnte, die Flüchtlingsvabbiner im allgemeinen würden sich zur Unterstützung einer unrechtmäßigen Handlungsweise hergeben. Ich setzte voraus, daß Ihnen, geehrter Herr Redakteur, eine solche Auffassung ferne gelegen und deshalb nicht anstchen werden, eine nachttägliche Korrektur an dem Inhalte der erwähnten Notiz vorzunehmen. A.L. Nachwort der Redaktion. Im Anschluß an diese Zeilen freut es uns, erklären zu können, daß wir die Meinung des Herrn Einsenders vollkommen rechtfertigen und es uns gänzlich ferne gelegen ist, den hochverehrten Stand der wirklichen Flüchtlingsrabbiner irgendwie zu kränken, umsoweniger als uns die meisten derselben persönlich bekannt sind und wir Ihrem Wirken und Charakter' nur die verdiente Hochachtung entgegenbringen können. Wir hatten „s oge n a n n t e" unter der Flagge von Flüchtlingsrabbinern aufttetenden Personen im Sinne, die allerdings zu Klagen Anlaß gegeben haben, wie der Herr Einsender wohl selbst wißen wird. - Der 70. Geburtstag eines Lehrerveteranen. Lchren heißt unterrichten und erziehen. Das bedeutet -wiederum Wißen und Fertigkeiten b eibringen und veredelnd durch die eigene Persönlichkeit, durch den überlieferten Unterrichtsstoff und durch dessen Verwertung auf die Umbildung des Denkens aus die Schüler wirken. Es gibt keinen Berus, der erhabenere Aufgaben hat als der des Lchrers und Erziehers. Er soll aus dem Kinde Menschen formen, die Gutem nachgehen, Schönes wollen und Erhabenes anstreben. In die Hand des Lehrers ist die Umbildung der Menschheit gelegt. Die Lchrer dafür fähig zu machen, soll die höchste Aufgabe des Staates sein und -ans ihnen Volkscrzieher zu machen, ist die - schönste Zielsetzung der neuen Schulreform. Daß der Lchrstand an die Stelle des Wchrstandes tritt, daß er die Kultur des Volkes vom Militarismus zur Menschenwürde, zur beseelten Gesellschaft führe, das ist das hehre Ziel des Lehrstandes. Wir stehen am Anfang dieser Entwicklung und wohl uns, wenn wtt die sichere Grundlegung hiefür sehen und erleben. Lchrer vom n'cht vollsinnigen Kindern zu sein, verlangt aber noch besondere Eigenschaften. Geduld, Liebe, Hingabe, Fleiß und