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Die Wahrheit · 1921-03-03 · Heft 5 (3.3.1921) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 5 (3.3.1921)
Date
1921-03-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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1 Nr. 5 Die Wahrheit Seite 9 Balsour eine große Enttäuschung gebracht hat und daß in dessen eigenem Lande die schärfste Kritik an der nationalen Heimstätte der Juden leinsetzt. Das maßgebendste englischjüdische Blatt „I ewish C h r o n i c l e" hat für den Inhalt des Mandatsentwurfes die folgenden scharfen Tadelsworte: Dieselben alten, vagen, dubiosen Worte, welche alles und nichts bedeuten können, dieselbe Atmosphäre des Zweifels, der Konfusion und der widersprechenden Gedanken, dasselbe irritierende Mysterium, dasselbe alte Blindekuhspiel. Glaubt die "Regierung wirklich, daß ein intelligentes^ Volk ihrem Appell um Mitarbeit unter solcher: Umständen entsprechen wird? Offen gesagt, das ist nicht ehrenhaft, es ist kein rechtschaffener Handel. Das jüdische Volk ist erhabener Opfer fähig für ein großes Ideal. Aber es darf nicht von Sorge erfüllt sein, ob ihm nicht Lea beschert wird, nachdem es gedient hat im Glauben, daß seine Braut eure Rahel sein wird. Lloyd George soll doch kein moderner Laban sein wollen! Das jüdische Volk erhält durch dieses Mandat nicht ein Land, sondern einen D u n st, den Dunst der letzten drei Jahre, und es ist seine Pflicht, es abzulehnen, sich weiter narren zu lassen, zu fordern, daß es nicht ewig mit der „Jewish national Home" mystifiziert werde, und daß ihm ein einfaches Programm gegeben werde, ein solches einfaches Programm, das der einfache Mann verstehen kann. — In der Tat würde das Mandat nach seinem ganzen Inhalte das politische, religiöse und wirtschaftliche Leben auf schwankende Basis stellen, und wem: es wahr sein sollte, wie uns aus Jerusalem geschrieben wird, daß England, um über das Palästinaproblem hinwegzukommen, einen Staat mit jüdisch-arabischer Parität schaffen will, dann wäre der Kalamitäten und Verwirrungen kein Ende. Die freimütigen Worte des „I e w i s ch C r o n i o l e" geben die richtige Stimmung sowie das unbefangene Urteil oller wieder, die je Gelegenheit hatten sich über die verworrenen Zustände im heiligen Lande durch Augenschein zu überzeugen. Rabbiner Dr. Abraham Mols Schmied!., s. A. Geboren 27. Jänner 1821 (24. Schewat 5581) zu E i b e ns ch i tz (Mähren). Gestorben 7. November 1913 (7. Marcheschwan 5674) zu Wien. Zum 100. Geburtstage. Wer könnte je vergessen Dein, Der Segen bracht' hienieden? Auf jung und alt Du wirktest ein, Tratst stets ein für den Frieden. " - i „Sansinnim"*) schufst und lehrtest Dl, Mit immergrünen „Zw'eigen", Nie gönnt'st im Leben Du Dir Ruh — Vor Dir wir heut uns beugen. Und wandern hin zum „Guten Ort", Wo Du getröstet immer, Bei uns Du lebst auch weiter "fort In ew'gen Licht und Schimmer. Moritz A n t s ch e r l, Wien. *) „Sansinnim", ein belehrendes Familienbuch für alle Wochenabschnitte der Thora. Bo« Nah und Ferm Regierungsrat Ignaz Wilhelm. Sonntag, den 20. v. M. wurde Regierungsrat Ignaz Wilhelm unter außerordentlich großem Gefolge teilnehmender Trauergäste zu Grabe getragen. Die wohlverdienten Ehrungen, die Ignaz Wilhelm in seiner mehr als ein Halbjahrhundert umfassenden Tätigkeit erfahren hat, setzten sich noch an seinem Grabe fort als sichtbarer Ausdruck der Sympathien für einen Mann, der ohne Uebertreibung zu den Zierden seines Standes gehörte. Von all den schönen, wohlgesetzten und wirkungsvollen Reden-, die an seinem Bahre gehalten wurden, hat keMe das Charakterbild des Verewigten so scharf und treu wiedergegeben, wie der Nachruf des Conccrdia-Präsidenten Dr. Wengraf, der nicht nur den Fleiß, die Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, mit welcher der Dahingeschiedene von früher Jugend bis zum späten Alter im Dienste der Presse tätig war, hervorhob, sondern auch betonte, daß Wilhelm noch im hohen Alter mit zitternder Hand fortarbeiten mußte. Darin erblickte der Redner eine schwere Anklage gegen die sozialen Verhältnisse dieses Berufes. Das ist wohl richtig, aber dieselben Morte sind auch ein glänzendes Ehrendiplom für den Hingeschiedenen, dem sein selbstgewählter Beruf nicht wie so manchem glücklichen Kollegen eine melkende Kuh war, sondern ein steiniges Feld, dem er mit unsäglicher Mühe und rastlosen: Fleiß das kärgliche Brot abgewann. Die treuen, unermüdlichen Dienste, die Regierungsrat Wilhelm so vielen Behörden, Aemtern und Korporationen gewidmet, fanden ihre Anerkennung in der unabsehbaren Menge der Vertreter aus diesen Kreisen, die dem trefflichen Manne das letzte Geleite gaben. Wir sind außerstande, Me die Namen der Trauergäste zu verzeichnen und beschränken uns daraus, feftzustellen, daß sowohl Regierung wie Verwaltungsstellen, die Gemeinde Wien, Industrie, Handel, Kunst und Gewerbe mit ihren ersten Repräsentanten vertreten waren. Die israelitische Kultusgemeinde entsandt--, ihren Präsidenten Professor Generalstabsarzt P : ck, Vizepräsidenten Dr. Desider Friedmann sowie dw Sekretäre Dr. Adler und Fuchsgelb. Für den Journalisten- und Schriftstellerverein „Concordia" erschien Präsident Dr. Wengras, Vizepräsident Dr. Leiter und Vorstandsmitglied S k r e i n; für die deutschösterreichische Schriststellergenossenschaft Präsident P r o s l und Vizepräsident M i ch e u, für den Pensionssonds der „Concordia" Obmann Regen, für den Verband der Wiener Zeitungskorrespondenzen Präsident Alfred P a p p e n h e i m, für den Verband der auswärtigen Presse Präsident Leo S a l k i n d und Dr. Lippe, für das Syndikat der Zeitungskorrespondenten VorstandsmitgliedH e r z o g.Nach dem vomOberkantorH.May er owitsch mit verstärktem Chor überaus ergreifend vorgetragenen Traverchoral hielt Rabbiner Dr. S ch w a r z die Gedenkrede, in der er den Charakter und die Persönlichkeit des Verblichenen würdigte. Er war der Typus unb zugleich das Vorbild eines Journalisten, das Muster treuester Pflichterfüllung, der Hingabe der eigenen Persönlichkeit an die Gesamtheit. Er gedachte auch Wilhelms als einer: vortrefflichen Juden, der tu ferner 20jährigen Eigenschaft als Vorstand des Bethausvereines des 9. Bezirkes „Beth Hatfilah" höchst Ersprießliches leistete. Im Namen dieses Vereines sprach Obmann Dr. S ch n e p ergreifende Abschiedsworte. Für den Bethausvorstand sprach D. E. Münz und namens der „Benai Brich" Dr. Grün-

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