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Die Wahrheit · 1921-03-03 · Heft 5 (3.3.1921) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 5 (3.3.1921)
Date
1921-03-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Hie Wahrheit ._ Är. 8 ftaitb ist ja, wie bereits gesagt, ein rassenreiner uud hat die Führung sowie den Einfluß aus das große Ganze. , Daß wir mit unseren Anschauungen nicht vereinzelt dastehen, soll durch eine Berufung auf ein Watt demonstriert werden, das gewiß nicht in dem RUse steht, einer demagogischen Richtung zu dienen, sondern sich bei jedem! Anlasse -in sozialen und politischen Dingen stets gern ans der mittleren Linie bewegt. Das „N. Wr. Tagblatt" schreibt zu dieser Angelegenheit, sogar an leitender Stelle: „Die Versicherung, daß man die „anständige, bodenständige Judenschaft" nicht aus dem Verein hinausdrangen wolle, hätte wenig genützt. Gerade die Inden mit Selbstachtung und Eh r-- ge fühl hätten die Annahme einer solchen statutarischen Bestimmung mit dem -freiwilligen Austritte beantwortet." Und weiter: „Der Arierparagraph ist gefallen, aber seine Anreger werden vielleicht trotzdem erreichen, was sie nach ihren Worten gar nicht angestrebt haben, nämlich die HinausÄrängung der „n i ch ta r i s ch e n" Mi t g I i e d e r. Denn der Paragraph hat wohl nicht die erforderliche qualifizierte, wohl aber eine starke einfache Mehrheit gefunden, und mit derselben Mehrheit ist eine auf das Programm des Rafsenantisemitismus eingef ch w o r n e V e r e i n s I e i t u n g gewählt worden. Es kann geschehen, daß diese Tatsache vielen „bodenständigen, anständigen" Juden, dre man nicht ans dem Verein hinaus ekeln will, ja daß sie gerade den eh r lieb enden und selbstbewußten unter den Juden genügt, um sie zum Austritt zu veranlassen. Die „unerwünschten" Elemente scheren sich den Kuckuck um die Beschlüße der Sektion „Austria", -ihnen liegen andere Schüße im Kopf, und das Ergebnis k ann s ei n, d aß d i e Sek t io n v iel e brauchbare Kraste, einen starken finanziellen Rückhalt v e r I i e r t und daß wieder einmall ein Gebiet, auf dem bisher nur sachliche Hingabe und tendenziöse Freude am Erhabenen gewaltet hat, urplötzlich durch politische Gehässigkeiten zerstört wird. Weil wir eben gar keine anderen Sorgen haben." * Es gibt aber auch andere, geistige Touristen, die sich zum Gipfel der Bildung und Kultur, zu den Sonnenhöhen des Wissens und der Erkenntnis emporringen wollen, und als solche mästen wir vor allem unsere akademische Jugend, die Besucher der Hochschule, ansprechen. Es ist eine Erscheinung der Zeit, daß auch in diesen Kreisen; die sich früher nur mit 'einfachen Verbänden und Korps begnügten, -das nachrevokMonäre Prinzip der Kammern Wurzel gefaßt hat, und so werden wir denn im Jahre des Heils 1921 'auch mit Hochschulkannnern beglückt, in welchen sich ebenfalls das System des arischen Reinewachens behauptet hat. Schon einige Tage vorher wurde, in den führenden Blättern des Antisemitismus mit Hochdruck darauf hingearbeitet, daß die christlichen Studenten geschloßen wie ein -Mann die Hochschulen vom jüdischen Einfluß befreien mögen und in diesem Sinne auch die Wahl vornehme. Es ist nun so gekommen, wie es allgenrein erwartet wurde. Die -früheren Gegensätze zwischen deutschnationaler und chrisMchsozi-aler akademischer Jugend wurden für diesen Fall 'ausgeglichen und mit aller Wucht warf sich die geschlossene Phalanx gegen das kleine Häuflein der jüdischen und sozialdemokratischen Studenten, die selbstverständlich dem wuchtigen Angriff unterliegen mußten. Die HochschUlkammern sind also „rein" ittt>b die Führung der deutschen Studenten an der altehrwürdigen Alma Mater in sicheren Händen. Ob diese Reinigung auch die erhofften Ideale' als! Früchte 'zeitigen wird', steht dahin. Aus der heutigen Studenteiffchaft werden in wenigen Jahren unsere Staatsbeamten, Richter, Hoch- Feuilleton Die Schöpfung der Menschen. „Und Gott sprach: Wir wollen einen Menschen en schaffen! (1. B. Mos. 26,1.) Er sprach das zu den Engeln/ und wir sollen daraus lernen, wenn wir etwas Wichtiges unternehmen, nicht selbstgefällig und hochmütig sei,:,, sondern uns mit anderen zu 'beraten, auch wenn diese anderen uns «au Rang und Alter nicht gleichstehen. Die Engel aber waren zum Teil gegen-die Erschaffung des Menschen. Die einen sagten, er. werde Lug und Trug ersinnen, und da sei es bester, er werde überhaupt nicht erschaffen. Andere entgegneten, Gott möge Bernhard Knttner: „Jüdische Sagen und Legenden ftzr jung UNd alt." (5. Bändchen.) I. Kauffmann, Verlag Frankfurt am Main/ .ihn dennoch erschaffen, denn er werde Gerechtigkeit und Nächstenliebe üben. Wieder anders sagten, es fei bester, den Menschen nicht zu erschaffen, denn er werde streitsüchtig fein und keinen Frieden halten. Daraus sprach' Gott: „Ihr tut dem Menschen doch Unrecht. In euch, wohnt mir Verstand und Trieb zum 'Guten, und euch bleibt jede Versuchung fern; was Wunder, wenn ihr schuldlos bleibt! Im Menschen «auf der Erde aber wohnt der Trieb zum Bösen, und Versuchungen aller Art treten an ihn heran. Widersteht er dennoch und wird ein frommer Mensch!, so steht er höher als ihr Engel.' — Ihr saget ferner, der Mensch werde Streit und Zank haben und so zu sündhaftem Wandel kommen. Nun, ich werde ihn sterben tasten, damit er sich vor dem Tode fürchte, sich nicht überhebe und fromm und friedlich lebe; seine Seele über werde ich wieder zu mir nehmen." „Und Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde" (ebenda). Nachdem er Sonne, Mond und Sterne,' Tiere

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