Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 5 (3.3.1921)
- Date
- 1921-03-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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■afe&Äw-oj: Fernruf WWeMeressen- 4Ä-2-16 ' krkv^rcsl0«^o^lm§nr^7iori Mir» 2., Kaiser Jafrfstratzr IS Wien, 3. März 1921 XXXVII. Jahrgang Nummer 5 Arisches Reinemachen. - Weil es den schon lange von allen guten Geistern verlassenen Deutschösterreichern gar so herrlich geht, weil ihrer BvdenschLtze und Jndustrieerzeugniffe kein Ende ist, ihre Staatskassen von Gold übersließen, mit einem Wort, weil.wir des Glückes zu viel genießen, glauben wir mit dem Heidenkönig Polykrates bas Schicksal dadurch versöhnen zu muffen, daß wir das Köstliche, was wir noch besitzen, zum Opfer bringen, und das ist der geringe Rest an Achtung, den wir noch in der gesitteten Welt genießen. Es ist förmlich darauf angelegt, dieses Ziel mit allen Kräften zu erreichen. Es dreht sich bei uns manchmal nicht darum, ob wir von heute auf morgen den täglichen Biffen Brot haben werden, ob uns die Siegermächte, unter dem Titel eines Kredits, einen Bettelgroschen zur Fristung des kärglichen nackten Lebens reichen werden, es dreht sich für den „wahrhaften Oesterreticher", alles um die Frage, daß vom ihm im Auslände um jeden Preis gesprochen werde. Speziell der Wiener kann seine alte Tradition, vor allem eine „Hetz" haben zu müffen, nicht verraten, und kaum daß sich die hochgehenden Wogen der „Reigen"geschichte besänftigt haben, zückte der Arierparagraph des Alpenvereines, in den Vordergrund. Eine ganz außerordentliche Spannung und Aufregung, die sich glücklicherweise am 23. v. M. entladen hat, erregte alle Gemüter und hielt ifett Atem der Oeffentlichbeit tagelang zurück. Heil und Sieg! Es ist gelungen, der Arierparagraph ist zwar nicht gefallen, >aber die „Oesterreichische Alpenverüinseiktion Austria" hat in der denkwürdigen Versammlung in der Volkshalle des Rathauses, wenn auch nicht den Paragraphen, so doch ihr Prinzip gerettet und einen rassenrdinen Vorstand an die Spitze gestellt. Lange und heftige Debatten von beiden Seiten sind diesem Ergebnis vorangegangen und wir wollen keine Raumverschwendung treiben und all die Worte, die zu dieser Sache pro und kontra gesprochen worden, nicht einmal auszugsweise, wiedergeben. Aber nicht unbesprochen darf die falsche Aufsaffung bleiben, welche sich an dieses Ereignis und alles, was Hm vvranging und nachfolgte, in einem Teile der Oesfentlichkeit geknüpft hat. Uns interessiert selbstverständlich ganz besonders der Standpunkt, welchen die Wortführer der unmWelbar betroffenen Partei, nämlich die jüdischen Mitglieder, des Alpenvereins, zum Ausdruck brachten. Ihnen scheint es schon ein großer Gewinn, daß der Arierparagraph als solcher gefallen ist und daß man den Juden gnädigst gestattet, im Alpenverein weiters verbleiben und sich nach Herzenslust von dieser alpinen Gesellschaft -Wurzen zu lassen. Bon mancher Seite wurde auch die Ansicht vertreten, daß die Arier des Alpenvereines mit den bodenständigen österreichischen Juden keine Feindschaft haben wollen und sich eine solche nur gegen die Oftjudcn richte, deren etwaige Aufnahme mit aller Entschiedenheit abgelehnt wurde. Ern führendes Organ derselben hat den Juden überhaupt empfohlen, -den Schauplatz dieser aufregenden Kämpfe nicht zu verlassen und -auf dem Rechtsstandpunkt zu verharren. Das ist nun eine Ansichtssache, über die sich streiten läßt, und es mußte erst die Frage entschieden werden, ob es mit der Manneswürde aller Nichtarier, ohne Unterschied der Parteistellnng, vereinbar wäre, als Fremdlinge und gewissermaßen bloß Geduldete diesem Verein noch weiter anzugehören. Die Touristik ist ein Sport wie jeder andere und wir möchten da eine kleine Erinnerung aus nicht gar ferner Zeit zum besten geben. Bekanntlich war auch in der österreichischen Turnerschaft allmählich ein so starkes Bewußtsein der arischen Elemente erwacht, daß sie aus jede mögliche Weise den jüdischen Turnbrüdern das Beisammensein verleideten und verekelten. Damals war man :roch nicht von jener Kompromißlust erfüllt, die sich heute bemerkbar macht und einige temparaimentvolle, ehrliebende Führer der jüdischen Turnerschaft vollzogen kurz entschloffen Hren Austritt und gründeten den Verein Hakoah, der sich in der gesamten Sportwelt §es besten Rufes und der höchsten Wertschätzung erfreut. Es wäre deshalb die Frage nicht kurzerhand abzuweisen, ob das, was üet ] jüdischen Turnerschaft möglich gewesen, den Angehörigen der jüdischen Touristik nicht erreichbar wäre; ob sich die in Rede stehenden Gemaßregelten nicht zu einem ahn-- lichen Entschlüsse aufraffen können, statt weiterhin als geduldete Eindringlinge betrachtet und behandelt zu werden. Denn darüber darf inan sich wohl keinem Zweifel hingeben, daß die „Austria"' — nomen est amen —. ihren jüdischen Mitgliedern von Fall zu Fall gsvisse Demütigungen, vielleicht auch physische und moralische Anrempelungen nicht ersparen wird, denn der Bereinsvor-