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Die Wahrheit · 1921-02-17 · Heft 4 (17.2.1921) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 4 (17.2.1921)
Date
1921-02-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Die Wah rh ei t Nr. 4 W. Jrritz: Der Geist des Judentums und sein Einfluß auf die kulturhistorische Entwicklung der Menschheit. Frankfurt a. M. 1920, I. Kauffmann. Mk. 5.— und 50 Prozent. In frischen Farben ftettt der Verfasser ein Bild der ku'lturgeschichtlichen Bedeutung des Judentums vor unsere Augen, das uns unwillkürlich mit der Begeisterung für seinen Stamm rntb Glauben ansteckt, die ihm den Plan dieses Werkes -eingegeben hat. Die Schlichtheit des Empfindens und der Ueberzeugung, die aus jeder Zeile sprechen, würden ihre Wirkung tun, auch wenn chnen nicht ein solcher hinreißender Schwung der Darstellung zu Gebote stände. Mit Spannung sehen wir der Fortsetzung dieses Bändchens entgegen, das den ersten Teil eines größeren Unternehmens bildet. G. Moskau 1920. TagebuchLIatter von Dr. Alfons Gotdschmidt. Ernst Rowohlt Verlag, Berlin W. 35. Preis geh. M. 11, geb. M. 16. Ueber Sowjetrußlcürd ist in letzter Zeit viel geschrieben worden, pro und kontra. Alles nur Auf- . Zeichnungen, Augenblicksbilder, die nur allzuoft tendenziös gefärbt werden. Viel zu wenig Wer die volkswirtschaftlich bedeutsame Umtvandlung, die sich im Osten vollzieht. Auch das hier vorliegende Buch des Mitgliedes der deutschen Delegation in Moskau ist eine „Anekdotenaneinanderrevhung, eine Tagebuchleichtheit, eine Erholung und kein Schwitzbad". Diese kleinen Zeichnungen sollen aber, wie im Borwort behauptet wird, Arabesken zu einer wissenschaftlichen Arbeit („Die Wirtschaftsorganrsation Sowjetrußlands") sein, >aus die man aus^-oberwälhnten Gründen nur neugierig seiin kann. Der Verfasser fand in Rußland alles rosig und Was nicht gerade am besten bestellt ist, w ird damit entschuldigt, daß ja das meiste noch in den Kinderschuhen stecke. Man könnte es für Absicht halten, aber Dr. Goldschmidt betont bei mehreren Gelegenheiten: „Ich sage nur, Was ich sah. Ich mich das Wiederholen, sonst hält man mich für einen Tendenzhalunken!" Beachtenswert ist der skckte Stil des Verfassers, der — wie schon aus den beiden hier gebrachten Proben hervorgeht — humoristisch gefärbt ist und an manchen «Stellen, besonders bei Erwähnung von Personen feindlicher Lager, ziemlich ausfällig wird. O. H. Ernstes und Heiteres aus dem jüdischen Leben. Erinnerungen, Erzählungen, Kulturbilder und Hnnwresken von Bergingenieur L. Rosenthal. Gustav Engel, Verlagsbuchhandlung, Leipzig, Talstraße 15. Gebunden Mk. 16.—. Der Verfasser dieses fesselnden Buches ist kein Neuling auf literarischem Gebiet. Dir Erfolge seiner früher erschienenen Bücher sowie die Anerkennung, die feine zahlreichen Arbeiten in den verschiedensten Zeitschriften und Zeitungen gesunden haben, ermutigen zur Herausgabe dieser Sammlung von Schilderungen aus seiner Jugendzeit. Auch dem Antisemitismus unserer Zeit ist ein eigenes Kapitel gewidmet, das wir mit gütiger Erlaubnis des Verfassers und des Verlages in Leipzig zu bringen Gelegenheit nchmen werden. Den hauptsächlichsten Inhalt des Buches bilden die heiteren Geschichten aus dem jüdischen Volksleben. Diese jüdischen Geschichten werden ihren Weg machen — sie zwingen jeden .in ihren Bann, denn ihr Verfasser besitzt neben der Gabe lebenstreuer Schilderung in reichstem Maße das, was nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: G e m ü t u n d H u m o r. I. Hememarm: Zeitfragen im Lichte jüdischer Lebensarrfchauung. Frankfurt a. M., 1921, I. Kauffmann. Mk. 9.50 —Ein feiner Geist, dem, wie man'auf 'den ersten Blick erkennt, die reichsten und reinsten Quellen jüdischen Wissens und Empfindens ebenso wie die der klassischen und' modernen Bildung fließen, behandelt in diesen Vorträgen vom jüdischen Gesichtspunkt aus Zeitsragen, wie Militarismus oder Pazifismus, Gottesgnadentum oder Volkssonveränität, die soziale Frage, die- Frauenfrage, Erziehungsfragen. Das Buch muß nicht allein aus jüdische Leser, sondern auch in weiterem Kreise seine gute, aufklärende Wirkung ausüben. Viele Bemerkungen überraschen durch die Neuartigkeit der Betrachtung altbekannter Tatsachen. So der Hinweis, 'daß eine Auffassung des Priesters als eines höheren Wesens dem Judentum ganz fremd ist, da ja der Hohepriester am Bersöhnnngstage, bevor er zur Entsühnung der Gemeinde schritt, das Opfer für seine eigenen Sünden darzubringen hatte. Das ganze wird getragen von dem seelischen Gleichgewicht, das der Harmonie göttlicher Weisheit, dem Urquell unseres religiösen Schrifttums, entspricht. G.. Die Weisen von Zion. Das Buch der Fälschungen. An dem Tag gebracht von Otto F r ied r i ch, Verlag und Druck von Friedrich Meyer & Co., Lübeck, Preis Mk. 1.20. Das von den Antisemiten so oft zur Agitation benützte Machwerk — angeblich ein Extrakt aus den Verhandlungen aus dem 1. Zionistenkongresse, der doch öffentlich, in Basel tagte — werden hier von einem Nichftuden als grobe literarische Fälschung nachgewiesen. Wie der Verfasser sehr übersichtlich an Hand von Gegenüberstellungen anfzeigt, leiten die „Geheimnisse der Weisen von Zion", die „Gottfried zur Beek" (Federname für Hauptmann a. D. Müller von Hansen, im Verlag „Vorposten", Charlottenburg) herausgab, ihren Ursprung auf eine Schrift „Ein Rabbiner über die Gojim" zurück, aber auch diese stimnrt merkwrdig mit einem Kapitel aus dem Romane „Gaeta—Warschau—Düppel" des inzwischen verstorbenen konservativen Schriftstellers Go'edsche übereiin. Die „Geheimnisse" stellen sich als erfundene Spitzelberichte des russischen „Gekehrten" S. Nrlus heraus. Für alle diese mit Sorgfalt gesammelten Aufklärungen sind wir fern Verfasser nur zu Dank verpflichtet, denn wieder einmal wurde bewiesen, daß die antisemitischen Hetzen meistens auf Lügen aufgebaut sind. I. St. Auer, Dr. Paul v., Das Pariser Völkerbundabkommen. Vorgeschichte, Text, Kritik und Kommentar. Gr. 8°, 64 S., K 12.—, Mk. 6.— (zuzüglich 20 Prozent Teuerungszuschlag). Manz, Wien. Die Arbeit macht uns mit dem Völkerbundproblem im 'allgemeinen und mit der Entstehungsgeschichte beß Pariser Abkommens im besonderen -vollkommen vertraut. An der Hand des Textes lernen wir die Verfügungen des Abkommens kennen, wobei ein lehrreicher Kommentar und eine treffende Kritik uns zur Verfügung stehen, die auch vom Standpunkte der Revision des Vertrages und der Fortbildung des Völkerrechtes von Interesse sind. Ein separates Kapitel bespricht den Stand der -zwischenstaatlichen Ovganisaton vor dem Kriege und ein zweites die Vorgeschichte, bezichuNgsweise Entstehung des Völkerbundes. Der Autor nennt den in Paris geschaffenen Völkerbund bite organisierte Sicherung der unerträglichen Friedensbediiugungen; eine Zwangsjacke, die wähl die Besiegten anziehen müssen, die sie aber ihrer Freiheit und Entwicklungsmöglichkeit beraubt. Dev Autor hofft, daß gelegentlich einer baldigen Revision des Abkommens der wirkliche -Bund der Völker errichtet wird. Dann wird der Völkerbund der mächtigste Faktor der WeltpoMk werden und daher müßte jedermann das Völkerbundabkommen kennen. Die vorliegende Schrift ist ein Buch über das -interessanteste und aktuellste Problem, von dessen Lösung die Zukunft der ganzen Menschheit abhängt.

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