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Die Wahrheit · 1921-02-17 · Heft 4 (17.2.1921) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 4 (17.2.1921)
Date
1921-02-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 4 Die Wahrheit Seite 13 sUWMM Vermischtes ^WSMs Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer, alter Männer. Am 2. d. M. fand im Sitziulgssaale der israelitischen. Kultusgerneinde^die ordentliche Generalversammlung dieses rührigen, segensreich wirkenden Vereines ,unter lebhafter Teilnahme seiner Mitglieder, Gönner und Förderer statt. Der umsichtige, stets rührige, verdienstliche Präsident, Kultusvorstcher Herr Isidor Schwarz, begrüßte die Erschienenen, insbesondere S. Ehrlvürden Dr. Max Grün w -a l d und Herrn Knltusvorfteher D o h a n als Vertreter der Gemeinde und führte im Verlaus seiner Rede aus: Der Krieg und die noch fortbe- 'stehenden Nachwirkungen haben das Interesse für Wohlfahrts-Generalversanrmlmrgen ftn MgenMn'en ßnrückg-y-' stellt, auf Ersparung der damit verbundenen beträchtlichen Kosten verwiesen, so daß alle Eingänge ifreu Zwecken und Zielen des Vereines ausschließlich dienen. Mit di-eser kürzen Begründung für den Wegfall der sonst üblichen Abhaltung von Generalversammlungen imd Ausschickung von Berichten erlauben wir uns den Gebarungsanswe.s Ihrer freundlichen Aufruerksanlkeit zu empfehlen und soll es. uns für ausgötvendete Mühe imd Fürsorge eine Genugtuung fein, Ihre Zustimmung zu finden. Im Rahruen -unserer -auch mtf die nächste Zukunft bedacht geironnneneu Verhältnisse sind wir unseren greisen Schützlingen! mit regelmäßiger und temporärer iBarunterstützung noch mehr vor Eintritt der rauhen Winterszeit mit Schuhen und Kleidern zu Hilfe gefommeii, deren Aufbringung zu erschwinglichen Preisen für uns eine begreifliche Sorge bildete. Wir bitten unsere Gönner, unser eifrigstes Bestreben für die Verlängerung des Daseins und Erhellung des Lebensabends unserer greisen Glaubensbrüder teilnehmend zu fördern. — Nach einem vorn Schriftführer Alois Theumann erstatteten Tätigkeitsbericht erfolgte die Verlesung des Kassenberichtes durch den Kassenverwalter Gustav Plan e r, der allgemein beifällig aufgenommen wurde. Kultusvorstcher D o h a n dankte im Namen der Gemeinde dem Verein imd seinen Präsidenten, welch letzterer das ihm zuerteilte Lob dem wackern Kassier znerkannt wissen wollte. Dieser seinerseits bemerkte, daß ein Hauptverdienst nur di>e Erfolge des Vereines eineni Teil der. Mitglieder, namentlich den Herren .Karl Fuchs imd Julius Berger gebühre, die sich mit aller Hingebung den Aufgäben des Vereines widmen. Nach einem kurzen Berichte des Revisors Emil B en i s ch wurde der Vereinsleitung das Absolntvrmm erteilt, itvoran sich die per Akklamation erfolgten Wahlen schloffen. Nach Erledigung der Tagesordnung hielt Herr Rabbiner Dr. Max G r u nw a l d einen äußerst beifällig aufgenommenen Vortrag, worin er die historische Entwicklung und Geschichte der Ehrung und Unterstützung alter Männer schilderte. Barmizwahseier. Samstag den 12. d. M. fand im Pazmanitentempel die Barmizwahseier des Fritz Kriß, Sohn des Herrn Joses -Kriß und seiner Gattin Eäcilie statt. Irr feiner Ansprache mahnte Herr Rabbiner Doktor 'S. Fun k den Konfirm-anden, der die Haftorah mit deutlicher Betonurrg rezitierte, das hervorragende Beispiel seiner Elternnachznähmen. Anläßlich der -im Anschluß an den Gottesdienst statt-gefnndenen Faniilienfeier hielt der junge Kriß eine der Bedeutung des Täges entsprechende gehaltvolle Rede, die bei allen Anwesenden liefen -Eindruck machte und auf die -Se. Ehrwürden 'S. F n n k erwiderte. Bethausverem Tefillath Jeschuron, 2. Bz., Sebastian- Kneippg-asse 14. Für das verstorbene überaus -verdienstvolle Vorstandsmitglied und Obmannftellvevtreter Herrn Sieginund Star k, hielt -der öberwähnte Verein am 9. Februar eine Trauerandacht ab. Diese umfaßte nach dem Mincha-Gebet, Psalnr 49, Mennchoh nechaunoh, Schiwissi, El mvle rachominr und wurde von Oberkantor Josef Giblichmann mit Chor vorgetragen. Die Trauerrede hielt S. Ehrwürden Dr. S. Frmk. Mit einem Nachrufe des Schriftstellers L. A l t h o l z fand die Trauerfeier ihren Abschluß. Ein Barmizwah-Vorfaü. Jeder ehrlich jüdisch, tolerant und menschlich denkende Jude muß -den Vorgang verdammen, der sich in einer streng frommen, durch ihre humanen und edlen Institutionen ausgezeichneten Gemeinde bei Wien abgespielt hat. Es war Donnerstag früh, ein Tag, an welchem im Tempel von drei Personenaus der Tora gelesen wird. Zwei Väter, deren Söhne an diesem Tage den 13. Geburtstag hatten, wollten mit Absicht an diesem und nicht am folgenden Sabbat die Barmizwah feiern, was sie schon acht Tage vorher beim Vorstände gemeldet hatten. Die Kohanirn, -die sollst als erste zur Tora gerufen werden, haben, gerne heute diesen. Kindern zu Liebe auf ihre Ehre Verzichter. Freudestrahlend kommen die Väter mit den Söhnen schon sehr frühe, noch lange ehe der Gottesdienst beginnt, in den Tempel. Ebenso — trotz des schlechten Wetters — auch die Mütter und andere Verwandte, um der Feierlichkeit beizuwohnen. Da kommt ein seit kurzer Zeit zugereister Herr in den Tempel, der tvohl in dem Rufe eines großen Talmudi-ften und frommen Mannes steht, den aber in dieser Stunde der Geist der jüdischen Menschenliebe anscheinend ganz verließ, und meldet, lmß .*v Jahrzeit hat und -als Kosten zur Tora gerufen werden will. Jedes Ersuchen und Bitten des Vorstandes, er möge zugunsten der Kinder von- -der Atiah absehen, war umsonst. Die Leute im Tempel versicherten ihm, daß sie ihnl ein neues Minjan zusammenstellen wollen, alles vergebens, er muß, sagte er, am Jahrzeittage beim offiziellen Beten eine Alicch haben, und verzichtet, gestützt auf feinen Prrefterrang, um keinen Preis auf dieselbe. Trotzdem er schon am Samstag vorher eine solche hatte oder am Samstag nachher aufgerusen werden konnte, abgesehen von den vielen hundert Segnungen, die er -als Kosten während des ganzen Jahres über die Tora spricht. Nun, da keiner dieser beiden Knaben ein Lewi war, so mußte einer derselben, selbstverständlich der ärmere, der sich schon so lange auf diesen Moment gefreut, mit Trauer und schmerzdnrchwühltem Herzen rrnverrichteter Sache heimgehen. Er wird ewig -an diesen seinen Barllrizwah-Tag denken und Erinnerungen des Schmerzes werden stets die Fäden sein, die ihn rnit dem Judentume verbinden. Es ist zweifelhaft, ob das Seelenheil des Vaters durch die Segenssprüche des Jahrzeit abhaltenden Sohnes unter solchen Umständen gefördert wird. Arnold Singer, Baden bei- Wien. Kranken-, Witwen- und Waisen-Nnterstütznngsverem „Selbsthilfe." Anläßlich des am Mittwoch, den 2. Februar 1921 im Hotel Bayrischer Hof ftattgesundenen 30jährigen Gründungsfestes fand eine Akademie statt, um deren Gelingen sich Herr Heinrich Glaser als artistischer Leiter überaus verdient gemacht -hat. Die Mnsikkapelle unter dem Dirigenten I. Geige r, Konzertmeister des Carl- Theaters, bot Vorzügliches, desgleichen die mitwirkenden einzelner Knnstkräfte. Herr M. T i m y m als Obmaun des Vereines, hielt eine mit stürmischem Beifall aufgenommene, formvollendete Festrede. Der gut besuchte Festabend lieferte denr wohltätigen .Zwecke des humanitären Vereines ein erfreulich schönes Ergebnis.

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