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Die Wahrheit · 1921-02-17 · Heft 4 (17.2.1921) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 4 (17.2.1921)
Date
1921-02-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 4 Die Wahrheit ihn -die StÄdtgemeiude Baden zu ihrem Bürger. Als et am 1Z. Novencher v. I. mit seiner Gattin Julie das Fest der' goLenen Hochzeit feierte, erwies ihm die Knltusgerneinde besondere Ehrungen und errichtete aus diesem Anlässe eine Woh'Üätigkeitsstiftnng, «die den Namen Moriz und Julie Leitner trägt. Er hinterläßt eine Witwe, Frau Julie Leitner, Ehrenpräsidentin des israelitischen Fr-anenwöhWtigkeitsvereines, eine feinsinnige, gebildete Dame, die sich an Men Wohltätigkeitsaktionen mit gütigem Herzen und hilfsbereiter Hand beteiligt, ihr zur Seite stHen die Kinder und Schwiegerkinder Artur Leitner, Vorstand der Filiale Wien-Rennweg der Bank- und Wechfelftubenaktiengesellschaft Merkur, Frau Melanie, verehelichte Groß, Frau Marianne, verehelichte Dr. Pollatschek. In ihrenr Schmerze möge ihnen die Mg-emeine Anteilnahme reichen Trost bieten. Das Leichenbegängnis fand Dienstag, den 1. Februar d. I. unter großer BeteilWing statt. Die Kultusgemeinde Wien ervts-andte Herrn Dr. Adler, dilejvn^e von Wiener-Neustadt den Vorsteherstellvertreter Herrn Aron Weiß, 'für die Stadtgemeinde Baden kam Herr Bizebürgerm-eister SBrufatti', von der BkAirkshauptrmiannschaft Herr Rechnungsra-t Freiwillig. Die Kinder der Re'ligivnsschulen und viele andere Abordnungen gaben dem Verewigten das letzte Geleite zu dem von der Ku'ltusg-emeinde gewidmeten Ehrengrabe. Oberrabbiner Reich hielt eine tiefempfundene Trauerrede, ebenso der Freund undlangjährige verdienstvolle Mitarbeiter in der Gemeindesärbe Herr Anton Schneider. Einen besonders herzlichen Nachruf und Danksagung widmete dem Toten Herr Dr. Samuel Rapp-aport namens seiner engeren Landsleute. Die uralten rituellen Gesänge, vom Oberkantor Kreutstein und dem Ehor weihevoll, ergreifend und tröstend vovgetragen, geleiteten den Toten zur vollverdienten ewigen Ruhe. Me Feier -es 100. Geburtstages des Rabbiner Doktor Adolf Schmiedls. Am Freitag, den 4. d. M., hatte sich im türkischen Tempel eine stattliche Schar pietätvoller Audachtiger, darunter die Kultusvorsteher D o h a n und Schwarz, Sekretär Fuchsgelb, eingesunden, um der Gedächtnisfeier für den seligen Rabbiner Dr. S ch m i e d l berzuwohnen. Leider fand der würdige Anlaß nicht jene Teilnahme, die dem Andenken des edlen Hingeschiedenen gebührt hätte und man sah viele, die nicht anwesend waren. Am bedauerlichsten war, daß unter jenen, die durch ihre Abwesenheit glänzten, auch der Tempelvorstand sich befand, der die erste Pflicht gehabt hätte sich einzufinden. Weder für ihn, noch für die anderen Ferngebliebenen konnte die Ausflucht gebraucht werden, daß sie von der Vermrstaltung dieser Feier keine Kenntnis hatten, da ja eine diesbezügliche Notiz rechtzeitig im redaktionellen Teile der meisten Tagesblätter erschienen war. Die Veranstaltung fand trotzdem eine würdige und erhebende Ausdrucksweise. Dr. Max Grün Wald, Schmiedls Nachfolger im Amte, würdigte den Gefeierten in einer warmen, von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Gedenkrede, in der er unter anderem folgendes ausführte: „Dr. Schmiedls Leben bestätigt den Aussprrrch unserer alten Weisen: „Die Laufbahn der Gerechten beginnt mit Prüfungen, sie endet in gaüfibot," das Wort des Dichters: „Was manin der Jugend wünscht, hat man im Alter die Fülle." Wonach Dr. Schmiedl in jüngeren Jahren sich sehnte, spricht aus einem schriftlich erhaltenen Bekenntnis aus jener Zeit. Sein Herzenswunsch war es, in einer Gemeind'e zu wirken, die durch geschichtlichen Ruf, durch Intelligenz und ausg^eichnete Jnftiürte hevvorrage. Lange mußte er warten, das 70. Lebensjahr überschreiten, bis er dieses Ziel in der Wiener Kultusgemeinde erreichte, Hier fand' er seine volle Befriedigung, nmg>eben von einer Verehrung,!die, außer seinen glänzenden Leistungen als Kanzelredner, auch seiner Greisentv-ürde galt. Auf der Höhe seinen Erfolge blieb er bis Mm letzten Atemzuge. Zufrieden beschloß er seine Tage. Erspart blieben ihm die -beiden Katastrophen des Weltkrieges und des Tempelbrandes. Wenn unsere alten Lehrer den Tod eines Gerechten mit dem Tempelbrande dergleichen, so trifft dieser Vergleich ganz besonders bei Dr. Schmied! zu, dessen Wirken den Ausgaben entspricht, die dem Gotteshause zugewiesen sind. Und wie die Stätte seines 'letzten Wirkens, des Leopoldstäd'ter Tempel, nunmehr die schwere, kritische Zeit nach dem Brande Überstunden hat und sichaus seinen Trümmern neu erhebt, so wird auch das Andenken Dr. Schmiedls die gegenwärtige Zerstreuung seiner Gemeinde überdauern und' sie wieder zusammeNsühren an den heiligen Ort an dem seiner stets gedacht werden wird in Liebe und Dankbarkeit. H. Die Gründung der Gesamtorganisation der deutschen Juden. Wie die „Allgemeine Zeitung des Judentums" in ihrer Ausgabe vom 4. d. M. meldet, wird der 23. Jänner 1921 in der Geischichte der dentschien Juden als ein bedeutungsvoller historischer Gedenktag vermerkt bleiben. Was seit einem halben Jahrhundert von den Edelsten und Besten der deutschen Glaubensgemeinschaft erstrebt wurde, ist an diesem Tage in Erfüllung gegangen, ein erfreuliches Ereignis geworden: die Ges-amtor-ganis-ation, mit deren Begründung -für die deutsche Judenheit eine neue Epoche beginnt. Der neue Bund, ans dem einheitlichen Willen der Gesamtheit hervorgegangen, wivd dazu berufen fein, alle Wünsche und Hoffnungen, Sorgen und Pläne, die uns als Inden' und Staatsbürger bewegen, zum Ausdruck zu bringen. Als -autoritatwer Träger des E inh eitsgedantens wird es feine Hauptaufgabe -sein, der Zerklüftung im Innern einen Damm entgegenzulsetzen und unser Recht nach außen intensiver, -als es bisher möglich war, zu vertreten. Dem D. I. G. B., beziehungsweise seinem um das Zustandekommen der Gesamtorganisativn hochverdienten Vorsttzenden, Professor Kal is cher, sowie Herrn Dr. Jsmär Freund, -aus dessen Bechassungsentwurs der neue Bund am 15. Gemeindetage errichtet wurde, ist die jüdische Gesamtheit zu innigem Dank verpflichtet. Die einstimmig zur Annahme ^gelangte Verfassung des Bundes, strikte befolgt, bildet ein Werk, das eine gedeihliche Fortentwicklung des deutschen Judentums verbürgt und es -auch in dieser überaus traurigen Zeit mit -berechtigter Hoffnung -auf eine bessere Züku-nift erfüllt. Wir werden in der nächsten Nummer unseres Blattes auf diese Angelegenheit ausführlich znrückkommen. Wolf Pappenheims Palästinarerfe. Einem lange gehegten sehnlichsten Wunsche, Erez Israel zu sehen, Folge leistend, hat Herr Kultusvorsteher Wolf Pappenheim sich entschlossen, die Agudasdelegation nach Palästinazu führe n Dieser Entschluß war rasch gefaßt und ebenso rasch ausgeführt. Herr Pappenheim führt eine Gruppe von Männern-, welche aus eigener Erfahrung die wirtschaftlichen Verhältnisse in Erez Israel studieren wollen. In einer Vollsitzung des Agudaausschusses, in welcher Herr- Wolf Pappenheim über seine Reise referierte und verschiedene Anregungen entgegennahm, richtet Herr Th umim ein äußerst eindrucksvolles Abschiedswort an den ab reisenden Präsidenten und drückte die Hoffnung aus, daß diese Reise für das glaubenstreue Judentum in Erez Israel von bleibender Bedeutung sein werde. Bei der Abreise hat sich ein zahlreiches Publikum eingefunden, das' -dem verehrten greisen Führer lebhafte Ovationen bereitete. Im

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