Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 4 (17.2.1921)
- Date
- 1921-02-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7 Nr. 4 D i e W a h rh e 11 Kgschruth des Oeles auszirschließen, wurde überdies «das Gutachten des eingangs erwähnten privaten Laboratoriums, welches Anlaß zu den beunruhigenden Gerüchten gegeben hat, befr Allgemeinen Untersuchungsanftalt für Lebensmi-ttÄ und dem in thoratveuen Kreisen großes Ansehen genießenden Herrn Dr. Chemr Siögmund Silber-- stein zur Ueberprüfuug vorgelegt. Die uns zugekommenen Entscheidungen lauten übereinstimmend dahin, daß das Gutachten einer 'Kritik nicht standhalten kann und vollständig haltlos ist. Bei dieser Sachlage hat das Rabbrnat der israelitischen Kultusgemeinde Wien das Oel vollkommen einwandfrei anerkannt und den bezüglichen Hechschcvr öffentlich vevlautbart. Wir fügen hinzu, daß das eingangs erwähnte private Laboratorium sich veranlaßt gesehen hat, in einem an uns gerichteten Schreiben zu erklären, daß es sein, auf eine bloß oberflächliche Analyse gestütztes, Gutachten zurückzieht. Dies bringen wir zwecks Aufklärung der in Betracht kommenden Kreise zur Kenntnis. Das Gutachten des Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde Wieri folgt anbei mit. Für Ihre Freundlichkeit im Voraus verbindlichst dankend, zeichnen wir hochachtungsvoll. „Joint Distribution Committieie,“ Dr. Scherzer. Diese Erklärung ist umso verläßlicher und vertrauenswürdiger, als die Direktion des „I oin t" außerdem, unserem Redakteur in rückhaltloser Weise ein reiches Material zur Unterstützung für die Richtigkeit der gemachten Angaben' vorgeleigt hat. Es gebührt dafür dem Joint die vollste Anerkennung, weil er durch sein Vorgehen der großen Zahl armer Juden den weiteren Bezug dieses Oels ermöglicht hat und auch die rituellen Speiseanstalten dem vollen Vertrauen ihrer Besucher erschließt. Zu diesem hochinteressanten Falle liegt auch ein wichtiges Gutachten des Herrn Dr. S i l b e r st e i n in Wien an das Rabbinat der israelitischen Kultusgemeinde vor, worin Herr Dr. Silber st ein feststM, daß das vom Joint in Verkehr gebrachte Speiseöl aus mehrfachen Gründen keinen tierischen Zusatz enthalten könne. Zunächst aus dem ökonomischen Grunde, weil die Beimischung von tierischem Fett sich weit kostspieliger gestalten würde 'Nls die Lieferung des reinen billigen. Speiseöls, das ein Produkt des sogenannten Kottonöls ist und wohl die Eigenschaft besitzt, bei höheren Temperaturen eine Trübung zu erfahren. Dieser Umstand eben — das heißt der bloße Augenschein — konnte leicht zu dem Verdacht führen, daß eine rituell verbotene Beimischung von tierischem Fett vorgenommen wurde. Herr Dr. Silberstein tadelte scharf, daß sich eine chemische Anstalt gefunden habe, die ahne gründliche wissenschaftliche Untersuchung, auf bloßer S i n n e s w a h r n e h m u n g (!) das sonderbare Gutachten abgegeben. Es werden sodann einige chemische Formeln bekanntgegeben, welche den Befund der erwähnten Versuchsanstalt als falsch, unschlüssig und laienhaft darstel'len. Im Gegensatz dazu wird auf die Analyse der erstklassigen staatlichen Allgemeinen UNtersuchungsanftalt für Lebensmittel, sowie auf weitere Analysen von ersten Fachleuten auf dem Gebiete der Oel- und Fettchemie aufmerksam gemacht, die vollkommen einwandfrei konstatieren, daß nach dem einzigen maßgebenden Verfahren, das sie bei der Untersuchung angewendet hatten, eine Beimengung tierischer Fette zu diesem Oel gänzlich ausgeschlossen erscheint. Auf Grund der Vorhalte der letztangegebenen, über jeden Zweifel erhabenen Gutachten sah sich die vorgenannte Wareuprüftmgsanstalt in der Spitalgasse 31 zu einem schmählichen Rückzuge und Widerruf durch das nachstehende Schreiben an das Joint Distribution Comittee gezwungen. Das betreffende Schreiben lautet: Wien, 28. Jänner 1921. Die uns seinerzeit seitens des Herrn Rabbiner D. F r e n k e l und des Herrn B r a n t w e i n e r zur Verfügung gestellten Oelproben waren zu gering, .als daß eine genaue, der Wichtigkeit des Falles entsprechende Analyse hätte vorgenommen werden können. Unser Gutachten hat sich daher wesentlich aus die Geschmacksprobe stützen müssen. Nachdem inzwischen die uns Vorgelegen Befunde der allgemeinen Untersuchungsanstalt für Lebensmittel und der Staatsgewerbeschule, Wien, welche sich auf eine größere Menge von Untevsuchungsmaterial und infolgedessen auf exakte wissenschaftliche Methoden stützen, ergeben haben, daß das gegenständliche Oel reines Pflanzenöl ohne Beimengung irgendwelcher tierischer Fette ist, so erklären wir, daß wir unsere auf die eingangs erwähnten Oele bezüglichen Befunde Nr. 11556 nicht aufrechterhalten können und.diese Proben keine tierischen Fette, als insbesondere Schweine- und Gänsefett, enthalten, was ja erklärlich ist, da unser Befund nur aus eine Sinneswahrnehm u n g, jene aber aus exakte wissenschastliche Methoden basieren. Hochachtungsvoll Autorisierte Warenprüfungsanstatt Dr. Huertl. Es ist wahrhaft unverantwortlich, wenn eine sogenannte autorisierte Warenprüfungsanstalt in einer höchst oberflächlichen und, wir müssen nochmals betonen, leichbfertitzen Weise ihren Obliegenheiten im gegebenen Falle entspricht, und sehr bezeichnend, daß sie ihren Befund nur auf Grund einer Sinneswahrnehmuntz und nicht nach fachlicher, wissenschaftlicher Methode hinausgegeben hat. Durch dieses Verfahren hat sie einen Schaden angerichtet, von dem sich der bedenkenlose Untersucher allerdings keine Vorstellung machen konnte, die aber immerhin zu höchst bedauerlichen Folgen und Aufregungen unmittelbare Veranlassung war. Wir wollen hoffen, daß etwaige letzte Bedenken bei der orthodoxen Judenschast durch die vom Rabbinate der Kultusgemeinde zu dieser Artgelegenheit hinausgegeböne Vröffentlichung restlos beseitigt werden. H.