Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 4 (17.2.1921)
- Date
- 1921-02-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wx. 4 Die W a bisher nicht gelungen war, — seiner Prachtstimme, seinem eisernen Willen und seiner Unermüdlichkeit iü der Verfolgung des vorgefaßten Zieles verdankt zum größten Teile der moderne Gottesdienst seine Entwicklung und seinen gegenwärtigen hohen Starck. Worin nun mag die Ursache dieser außerordentlichen Wirkung golden sein? Nach der Anmerkung zum Lehrsätze 11 des dritten Teiles der Ethik Spinozas sind Lust und Unlust Hauptesfekte, die im Menschen durch verschiedene Ursachen erregt werden können. So erregt die Musik z. B. in dem Herzen des Schwermütigen Lust, des Trauernden Unlust, wahrend sie beim Tauben keine Wirkung zu üben vermag. Sulzer hatte nun eine außergewöhnlich schöne, klangvolle, technisch wunderbar ausgebildete, hohe Baritonstimme; meisterhaft beherrschte er das Bel Canto, die Improvisation und Interpretation und rief; mit -diesen Gaben in. den Herzen seiner Zuhörer höchste Andacht bei gleichzeitigem Lustgefühle hervor, die weit über den Gottesdienst hinaus in ihnen nachwirkten. Er wurde aber auch von seinen Zeitgenossen demgemäß hochgeschätzt und diese Wertung Manifestierte sich sowohl in der persönlichen Achtung, die sie Hm entgegenbrachten, als auch in der Hm gewährten, sorgenfreien materiellen Stellung. Schon aus dieser kurzen Darstellung liegt klar zutage,, daß der Gottesdienst und diie gottesdienstlichen Funktionen stets im Mittelpunkte des ganzen jüdischen Lebens standen, in den es in Leid und Freud eiin- und aus-, mündete. Der Kantor ist Träger des Gottesdienstes, somit in dieser Funktion justus possessor. Es gebührte ihm sonach bei analoger Anwendung des jus canonicum sogar ein jus potiiis, gesHveige denn, daß von einer Schmälerung seiner Hm zustehenden Rechte gesprochen werden könnte. Den Männern aber, die den neuen Vorstand in die Agenden der Kultusgemeinde einführen, rufe ich zu: „Ihr sollt Recht üben bei Gericht, Du sollst nicht vorziehen den Geringen und Armen, nicht verschonen den Großen, mit Gerechtigkeit sollst Du behandeln Deinen Nächsten!" Die Koscherölfrage des Joint. In Nummer 1 unseres Blattes haben wir aus Seite 8 eine Mitteilung veröffentlicht, welche gegen die rituelle Reinheit des von „Joint Distribution Committee“ in Wien zur Verteilung gebrachte Speiseöles schwere Bedenken aussprach. Wir haben keinen Anstand genommen, diese Mitteilung zu veröffentlichen, nach dem sie uns von so vollkommen vertrauenswürdiger Seite wie Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner S. Fürst zur Kenntnis gebracht wurde. Wir muffen jedoch in loyaler Weise erklären, daß Herr Rabbiner S. Fürst in dieser Sache bona kicke gehandelt hat und nur seiner Pflicht und Verantwortlichkeit entsprochen hat, in dem er auf Grund eines Gutachtens der hrheit „Autorisierten Warenprüfungsa nst a l t" (9. Bez., Spitalgasse 39) das Verbrauchsgebot des in Rede steheNderl Oeles ertasten hat. Er konnte nicht voraiussctzeu, daß jenes Gutachten, auf das er sich stützte und das sogar iit zwei Ausführungen erstattet wurde, vollkommen unsachgemäß, um nicht zu sagen leichtfertig war, wie später durch einen Widerruf derselben Anstalt (siehe weiter unten) außer Zweifel steht. Wir erhalten nun zu dieser Angelegenheit von Seite des „Joint" die nachstehende Erklärung: Sohr geehrte Redaktion! Wir ersuchen hvflichst in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes an geeigneter Stelle nachstehende Mitteilung zu Veröffentlichung bringen zu wollen: In der letzten Zeit sind gegen die Kaschrnth des uns vor zirka zehn Monaten aus Amerika gesandten, zur Abgabe an die notleidende jüdische Bevölkerung, bedürftige Kranke und gemeinnützige, rituell geführte, Küchenbetriebe verwendeten Oeles Bedenken erhoben worden. — Die bezüglichen Gerüchte stützten sich auf ein Gutachten eines privaten Laboratoriums, wonach das Oel angeblich kein reines Pflanzenfett ist, sondern tierische Bestandteile enthält. ' iiHSviSVS. Trotzdem wir seinerzeit einen Hechschar der bekannten amerikanischen Rabbiner Dr. Philipp Klein und L.Z. Margolies erhalten haben, wonach das gegenständliche Oel nicht nur koscher, sondern auch passahkoscher -ist, trotzdem ferner über unsere neuerliche Anfrage seitens der genanntere Rabbiner die Auskunft erteilt wurde, daß jedes einzelne zur Versendung an uns gelangte Faß einer genauen Analyse unterzogen worden ist, obwohl wir seitdem keinanderes Oel erhalten und verwendet haben und trotzdem schließlich infolge der besonderen Bezeichnung unserer Oe!lfäffer eine Verwechslung ausgeschloffen ist, haben wir uns zufolge der erwähnten Gerüchte veranlaßt gesehen, sine Klärung hevbeizuführen. Wir haben dahier eine Analyse des bei uns in Verwendung stehenden Oeles durch die staatliche Allgemeine Untersuchungsaustalt für Lebensmittel veranlaßt und hat die genaue, -aus exakte wissenschaftliche Methoden gestützte, Untersuchung ergeben, d!aß unser Oel reines Pflanzenfett, ohne Beimengung irgendwelcher tierischer Bestandteile, enthält. — Dasselbe Ergebnis haben die aus Veranlassung anderer Küchenbetriebe durch dieselbe Anstalt, sowie das chemisch mikroskopische Laboratorium des Prof. Dr. Zolles, und die seitens des Rabbinates der israelitischen Kultusgemeind'e, Wien, bei der Staatsgewerbüschule veranlaßten, unter Anwendung eines speziellen (sogenannten Bömerscheu) Verfahrens vorgenommenen Analyse gezeitigt. — Sämtliche Proben wurden von den Zuständigen rituellen Ausschern, die letztere persönlich von seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Meier Meyersohn entnommen und den Leitern der erwähnten Institute übergeben. Obwohl die BesuNde der hervorragendsten Laboratorien vollkommen aüsreichten, um jeden Zweifel an der