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Die Wahrheit · 1921-02-03 · Heft 3 (3.2.1921) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 3 (3.2.1921)
Date
1921-02-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 D i e 2L* jij» r h e i t Seite 5 Generals gehorcht. Ms ob ein Befehl eines Generals, der in. grober Weise sich gegen die versassu ngsnräßige Regierung auflehnte, noch als ein-'gültiger Befehl anznschen wäre! Gönz besonderes Gewicht leigt dos israelitische Recht daraus, daß man die «Hauptvevbrechen des Götzelldien'stes und des Mordes nicht begehen darf, selbst dann nicht, wenn es bei Todesstrafe angedroht wird. Hier at-fo kommen ztvei Gesichtspunkte m Betracht. Zunächst ist ein Befehl, der nnch zu einem solchen Kapitalverbrechen zwingen will, ohneweiters null und' nichtig; ferner aber darf ich nnch mein Vergehen nicht etwa damit entschuldigen, daß ich sage: hätte ich mich dessengeweigert, so hätte es mir den Kopf gekostet. Weigere dich, .auch wenn es dir den Kops .kostet, denn der Herr befiehlt es dir — dies ist der heroische Standpunkt, den das Me Recht hu Gegensatz zu unseren modernen Strafgesetzbüchern einnimmt. Darum werden (6 Dan. 3. 16) jene drei jüdischen Edelknaben gerühmt, die sich lieber in einen Feine rosen werfen ließen, ehe sie vor dem goldenien Bilde des. Königs Nebukadnezar sündige Gebete verrichteten; wird Daniel (Dan. 6, 10) gepriesen., der sich lieber in eine Löwengrnbe werfen ließ, ehe er aus Geheiß des Darms seinein Gotte untreu wurde. Und von sieben Brüdern berichtet uns die Helderrgeschichte der Makkabäer, die lieber den'Martertod erlitten, ehe sie aus Befehl Mltiochus Epiphanes Schweinefleisch zu sich nahmen. Nimmt nicht Speis', awch Trank zu sich, Weint und schluchzt und krampst die Hände, Ranft das Haar sich fürchterlich!" . . . Daraus mit gemess'nem. Schritte Sich der Manu zur .Frau begibt: „Teures Weib, o hör' die Bitte Deines Gatten, der dich UM: Komm' mit mir und lausch' dem Spruch — Daß nicht Sabbat werd' entweiht — Trost gewährt das Andachtsbnch, Gottes Hilf' ist nicht mehr weit! ..." Und die Frau folgt dem Gemahle, Trocknet sich das Äugenpaar Und sie nippt aus dem Pokale, Als getan der Kiddusch' war. Seht, sie stillt die blanken Teller, Spricht oft Mut den Gästen zu, Ihre Stimme klingt itiun heller —: - Kommt der Sabbat, kommt die Ruh! Fromme Lieder -bald erklingen, Wie es ziemt am Sabba'tmahl, Dust'ge Schüsiel Mägde bringen, Jeder nimmt nach ifreter Wahl ... Bald war Mahl und Spruch zu Ende, Wünsche tauscht Mau für die Nacht . . . Und die Gäste für die Spende Hatten ihren Dank gebracht . . . Ausgebrannt sind längst die Kerzen, .Finster ist's im Schlafgemach, » So ist die jüdische Geschichte reich an großen Taten, deren Helden lieber den Tod erlitten, ehe sie dem Gebote der Religion 'untreu wurden. Aber die jüdische Religion war viel zu 'lebensfreudig, als daß man diese Grundgedanken nun rücksichtslos aus jeden Einzel fall ausgedehnt hätte. Man suchte vielmehr angemessene Unterscheidungen zu finden; insbesondere wurden ja alle diese Fragen immer wieder praktisch, als die Römer den Juden die Ausübung aller Religionshand langen streng verboten. Damals wurde in denr Dachzimmer eines Nitsa zu Lvdda folgender Synodalbeschlnß gefaßt (Talm. Synhedrin 74 a. Joreh Deal) 175): Nur wenn das Verbrechen des Götzendienstes, der Blutschande und des Mordes in Frage steht, muß man sich weigern und selbst den Tod ertragen, bei anderen Verbrechen aber muß die Lehre: „Beobachtet meine Satzungen und meine Rechte, die der Mensch tut, daß er dadurch lebt", juristisch interpretiert, „daß er dadurch lebt, 'aber nicht, daß er dadurch stirbt!" so ausgelegt werden: der Mensch soll die Satzungen nur insoweit beobachten, als er bei ihrer Beobachtung am Leben bleibt, dort aber endet der Gehorsam, wo der Mensch um eben dieser Satzungen willen den Tod .erleiden mußte. So suchte das israelitische Recht die Anforderungen der Ethik und der Religion mit den Bedürfnissen des praktischen Lebens zu vereinen. Berlin W. 35. Rechtsanwalt Dr. Ernst Emil Schweitzer. Alles schläft. — Der Eltern Herzen, Sie allein mtr, ach, sind wach ... Doch bald hell wird's in denr Raume Wie von jenem. Mvsisschein. Seh'n di. Eltern es im Traume? . . . Eine Fürstin facht zieht ehr! Ja, ein Weib mit gold'ner Krone Leise rrun betritt den Raum, Schreitet zu dem kranken Sohne, Küßt ihn, 'sanft . . . man hört es kaum . . . Hält ein Fläschchen iu der Rechten, Derr Pokal irr linker Haud . . . Als ob ihre Hände brächten Heilung, von dem Herrn gesandt! Ihre Haare glänzen sonnig, Leicht gebräunt das Angesicht, Ihre Lippen lächeln wonnig, Ihre Augen — Sternenlicht . . . Aus der Kranke tut die Augen, Niest dann kräftig siebenmal, Seine Lippen durstig saugen Aus der Fürstin Goldpvkal. Hell und heller wird's im Zimmer, Golden blitzt die schöne Krön', Ans der Zacken Demantschimmer Licht fließt lauf den kranken Sohn . . . Und die Eltern staunend schauen Dank tränst aus dem Mund des Paars: Wer gelohnt das Gottvertrauen? — Friedenskön'gin Sabbat wars!

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