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Die Wahrheit · 1921-02-03 · Heft 3 (3.2.1921) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 3 (3.2.1921)
Date
1921-02-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Die Wahrheit Nr. 3 Sj Der Judenstaat. Von Theodor Hermen. Der nachstehende Aufsatz ist der Feder eines' überzeugten, für das Wohl feiner Glaubensgenossen warm empfindenden Juden entflossen und entstanden, als der zionistische Gedanke in Rußland mit Hochdruck propagiert wurde und den Verfasser zur Entgegnung veranlaßte. Man wird nicht verkennen, daß diesen Ausführungen eine gewisse Weltfremdheit und Gegenwartsunkenntnis anhastet, wie sie durch die lange Abgeschlossenbeit des Kriegsgefangenenlebens sich als Naturnotwendigkeit -ergibt. Aus dergleichen Ursache aber vertieft sich im besseren Menschen die Kraft des Empfindens und der Gedankenschärfe. Um solcher Vorzüge wegen, die hier wohltuend ansprechen, wird der Leser dem Verfasser gerne folgen, auch wenn kein unbedingtes Eingehen auf manches rein Ideologische möglich ist. „ll./IV. 1919. Dr. Moritz Jästvow, Professor der semitischen 'Sprache -an der Pennsylvanier Universität, hielt einen Vortrag über dos Thema „Der Zionismus und' das neue Jerusalem", worunter er unter anderem sagt: Der orthodoxe Jude glaubt noch' immer, daß sein Volt „Zion" 'bewohnen wird, und' er bet-öt darum, aber dies ist einbloßes Sentiment. Die jüdischen Gelehrten wissen, daß die biblischen Weissagungen nur Allegorien sind' und nicht nach dem Buchstaben genommen werden müssen. Heute gibt es in Wirklichkeit kein jüdisches Volk und''die Jutzen^müssen sich mit dieser Tatsache ausföhnen. Der Jude in Amerika ist Amerikaner, der in England Engländer, in Frankreich Franzose. Es gibt keine wirkliche jüdischnationale Idee und.sie zu pflögen ist absurd. Bon politischer Seite ist der Zionismus mehr berechtigt als von der Seite des Gefühls, aber auch hier sehr wdnig. Es ist mehr als zweifelhaft, daß sich Palästina als jüdischer Staat erfolgreich bewahren wird. In Palästina leben mehr Christen und Mohammedaner als Inden. Wie könnte also dort ein wirklicher jüdischer Staat errichtet werden? Man denkt daran, daß viele Juden dorchin übevsiedeln werden. Ich Meiste daran, aber wenn dies auch geschähe, müßten sie die jetzige Bevölkerung heran sdrängen, um für sich Platz zu halben, und welche politische Gerechtigkeit und Moral läge darin?" Als dies in einer tendenziösen tschecho-slowakischen Propagandaschrift erschien, mag immerhin politisch Trumpf ausgespielt worden sein. Wenn der Jude in England oder in Deutschland «auch niemals Rassenengländer oder -Deutscher, sondern bloß bis zu einem gewissen Grade Kulturengländer oder -Deutscher, auch bis zu diesem Grade Nationalengländer oder -Deutscher sein kann, wenn es auch sonstwo in der Politik keine Gerechtigkeit oder Moral gibt, so liegen den vorhin erwähnten Ausführungen dennoch tiefe Wahrheiten zu-grUnbe. Ich möchte mich an das, was ans Borhergesagtem Wahres spricht, machen und die aus ihm entspringender Momente näher ins Auge fassen. Nach mehr als tiausendsährigem Tod sollen da vorsintflutliche Ideale und Gefühle von Neuem dem Prinzipe nach auferstehen und aus dem Grabe geschart werden. Was damals im Begriffe des jüdischen Staates lag, war ähnlich der Essenz, die uns aus den heutigen ohnehin schon ein wenig zivilsierten Islam- und Büddhastaaten anspricht, aber weder was dem Wesen der damaligen Juden antzepaßt war, muß den heutigen Inden möglich und 'daseinsberechtigt erscheinen, noch muß in einem eigenen Staate mit den modernsten Allüren zu leben, den heutigen Juden tunlich, zweckmäßiger oder idealer zu sein Vorkommen. . Die Golnsfrage der Juden hat sie zu ganz eigenartigen Wesen gemacht. Zu AllerMöglichkeitsmenschen. Und diese hat sie, wie die Burianfchen und' Calabreserschen Theorien es aufstellen, mit anderen als gewöhnlichen Zielen und mit höheren als bloß nationalen Idealen ausgestattet. Hat Eigenschaften, Triebe, Grundsätze, Gefühle ' und Theorien in ihnen gepflanzt u.nid' gezeitigt, wie sie in ihren Mannigfaltigkeiten oder mehr noch in ihren Svnderbarkeittzn einzig als .volkscharakteristische Zeichen dastehen. Sie zu überschau, bedeutet im' Sande anfbanen zu wollen. Und' wer oder was will tausendjährige Wurzeln' ausreißen? Nebst dem, was aus ihrer tragischen- Lage und der schlimmen Situation Schlimmes entwucherte, wuchsen gleichzeitig tausend' schöne, -edle Ranken und Blüten aus -dem kostbarsten Safte mMschheitsbedeutenden Jndenblutes empor. Nebst der Habgier, Verschlagienheit, Kriecherei und dem Parasitenleben -um verzweifelt ringende, dem Juden schwer gemachten, durch eine tragische Geschichte ihm so eigenartig an'fgezwüngene Selbst erhaltnng entstanden die erhabensten Gefühle patriarchalischen familiären Zusammenschlusses, der Sinn der Wohltätigkeit, geistige Impulse, Toleranz im höchsten Ausmaß und' vor allem ein weitausholender, universell um sich greifender, mit tausend Gefahren und unbedachten Angriffen kämpfender reiner Kosmopolitism-us. Die letztere Eigenschaft ist geradezu typisch ftir die Juden geworden und ich darf dreist behaupten, daß d!ort, wo in einem Juden nationale, ich möchte sagen übernationale, also durchaus nicht ,Heimatliche" Motive vorherrschen, diese internationalen Ideen hechgehalten werden. Und wenn er in Bezug auf speziell die -letzteren besonders in dem Grade eines Chauvinismus und der Gewalt dies tut, er, der Jude mit dem ihm angeborenen Zug alles Vorsichtigen,, Scheuen, ja Feigen und Passiven in politischen faktischen Handlungen, so kann dies nur jenes Element in ihm 'bedeuten, das er durch seine Assimilation vonseiner spezifisch gefärbten Umgebung erworben hat. Ein jüdischer Staat also kann in der Tat nur auf rein politischer, das herßt varstandesgemäßer, nie aber auf -einer Basis des Gefühls aufgckant werden. Das dürfte der Kr-ebsschad'chr dieses neuen Staates werben. Seine Bedeutung — werden wir überhaupt einmal vor einer solchen stehen -— wird in. den Uimstärsiden liegen, wie weit der Judenstaat im Gelungenseitt der „großen s

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