Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3 (3.2.1921)
- Date
- 1921-02-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. Z Die Wahrheit Moderne Probleme im Talmudischen Rechte. Kriegsverbreche« und Monarchistenputsch. Es ist zuweilen ein großes Ergötzen, sich in >den Geist vergangener Zeiten zu versetzen und zu s>chen, wie unsere Ahnen schon vor Jahrhunderten und Aberjährhunderten sich aufs intensivste und aufs tiefgründigste mit Problemen beschäftigten, die auch uns heute als besonders bedeutungsvoll erscheinen. Da nehmet! wir einmal die Frage der Kriegsverbrechen. Ich will mich hier nicht damit beschäftigen, ob es nach altem Recht überhaupt solche Kriegsverbrechen gab: man weiß, daß der Gedanke des Völkerrechts nur ein Ergebnis der neueren nnd treuesten Zeit ist; im Alterum gab nur Ansätze zu einem Völkerrecht (zum Beispiel Schutz der Gesandten). Mich interessiert hier vor allen Dingen eine andere Frage, welche für Deutschland heute besonders wichtig erscheint. Unter denen, die aus die Auslieserungslistc durch die Entente gesetzt worden sind, gibt es viele, - die sich damit entschuldigen, daß sie die ihnen zur Last gelegten Taten aus Beseht ihrer Vorgesetzten getan haben. Ist nun jemand, der auf Befehl eine Straftat begeht, deshalb von der Verantwortung frei? Hier -handelt es sich um ein strafrechtliches Problem von außerordentlicher Bedeutung. Die Frage interessiert in Deutschland zudem noch aus einem anderen Gesichtspunkte. Bei dom Kappschen Monarchistenpntsche haben Tausende von Soldaten Bei- Golwertrauen. Bon Armin W i l k o w itsch, Eger. Motto: SSSiF-u,-..« Golwertrauen. Bon Armin W i l k o w itsch, Eger. Motto: Er vertraute dem Herrn, Da ward's ihm zur Gnade. I. B. M. Kap. 15. V. 6. Lieblich klingt »aus allen Wegen Mir des Schlvme Levi's Sang: „Komm, o Freund, der Braut entgegen, Jauchzen will ich 'beim Empfang!" Dieses Lied in zchn der Strophen Singt und sagt von Frend und Leid, Bon dem Bangen, von dem Hoffen Israels seit grauer Zeit. , Heute in dem Tempel fangen Chor und Chasan diesen Reim . . . Sehnend klang dessen heiß' Verlangen Und die Gäb' war Honigseim. Kindern ward gereicht der Becher ... Man verbeugte sich zum Schluß ... Noch vernahm man Kaddischsprecher, Dann erscholl der Sabbatgruß! Aus den gottgeweihten Hallen Kommt ein frommer Beter heim; Spricht den Sabbatgruß zu allen, Hilfe zum Hochverrat geleistet. Sie verteidigten sich damit, daß sie nur das taten, was ihnen ihre Vorgesetzten 'befahlen. Genügt diese Verantwortangd Lassen wir hier einmal das Deutsche außer Betracht und fvagen wir uns, wie unsere Ahnen solch schwierige Fälle beurteilten. Will man Parallelen ziehen, so kann man bis Mts die Bibel zurückgchen. Ich will nur an einen Fall erinnern, den jedes Kind aus der Schule kennt. Die Gattin Potiphars wollte Joses zur Sünde verleiten. Josef war Sklave, mußte er nicht gehorchend Aber eine genauere Betrachtung zeigt bald, daß Josef nicht nur nicht verpflichtet war, der' Frau des Potiphar zu gehorchen, sondern daß er im Gegenteil verpflichtet war, ihr den Gchorsam zu verweigern. Josef stand zunächst in einem Dienstverhältnis zit Potiphar. Also mußte er diesem unbedingt gehorchen. Hieraus aber ergab sich ohneweiters, daß er in Abwesenheit Potiphars der Ehefrau seines Gebieters den Gehörsan: schuldete. Aber dieser Gehorsam hatte offensichtlich eine Grenze, nämlich da, wo die Herrin dem Sklaven etwas gebot, was in klarer und freventlicher Weise das Interesse des Gebieters verletzte; solchem mißbräuchlichen Befehl durfte der Sklave nicht Folge leisten. Das ist der klare Standpunkt der Bibel, das ist der Standpunkt, den jeder Sextaner ohneweiters begreift. Heute aber, nach Jahrtausenden, gibt es hohe Offiziere, die sich mit vollem Bewußtsein der Kapp-Regierung unterordneteu und die jetzt in aller Ruhe erklären, sie hätten ja gar nichts begangen, sie hätten nur dem Befehl ihres Singt dazu manch frommen Reim. Avei der Gäste mit sind kommen, Aermlich ihre Kleidung ist, Auch sie sprechen mit dem Frommen, Was er aus dem Siddur liest: „Friede euch, ihr Engelscharen, Die ihr brachtet Sabbatruh! Friede euch, ihr Unsichtbaren, Schließt dem Leid mein Haustor zu! ... . Und bedeckt mit weißen Linnen Steht der große, runde Tisch, Drauf Pokale — und darinnen Perlt der gold'ne Wein noch frisch.. Schöngeslocht'ne Sabbatbrote Sind umflort mit buntem Tuch, Das gestickt — nach alter Mode — Trägt -den Sabbatweihespruch. Und in Leuchtern Kerzen slammen, Deren Schein umfließt den Saal . . . „Sind wir alle schon beisammen, Ist vollständig schon die Zahl?" Fragt der Hausherr das Gesinde, Ehe er den Kiddusch spricht. „Herr, die Hausfrau mit dem Kinde Kommen heut' zum Mahle nicht! Denn erkrankt ist jäh das «SiHnchen, Liegt gebadet fast im Schweiß Und die Mutter weint: „Mein Kränchen! Ach, wie brennt die Stirndir heiß!" Also ruft sie ohne Ende,