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Die Wahrheit · 1921-02-03 · Heft 3 (3.2.1921) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 3 (3.2.1921)
Date
1921-02-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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s Orthodoxie und Nationale. Zwischen biefett beiden Parteien liegt eine unüberbrückbare Klnst, die ein gedeihliches Nebeneinander leben der Jubelt in Palästina fast unmöglich macht. Obwohl allerorten in beträchtlicher Minderheit, maßen sich die Jüdischnationalen Herrenrechte an, die sie durch List oder offene Gewalt geltend machen. Besonders aufreizend ist die rücksichtslose Unart, wodurch sie die Empfindungen der gesetzestreu en Jaden verletzen. Aus einem Bericht nt der vorigen Nummer der „Wahrheit" hat man erfahren, welche Entrüstung 'die Sabbatentltveihung durch die Jüdischnationalen anläßlich des Küchenbetriebes für die C-Hakrzim verursachte. Die Sache ist sogar schon dent Dr. W e i zmann zu bunt geworden, der in einer Aussprache mit dem Amsterdamer Oberrabbiner A. S. O nd e r zw i j her versicherte, daß er bei seiner nächsten Anwesenheit in Palästina die Angelegestheit untersuchen mtd üiuftig. ähnliche Fälle zu verhindern wissen werde, denn der Sabbat sei als offizieller Ruhetag /für die Inden anerkannt. Der Vorsatz Dr. Weizmanns ist gewiß aufrichtig, aber es fragt sich, ob ihm nicht mittlerweile die Sache über den Kops gewachsen ist. ' Die treulose, hinterhältige Taktik zur Machterlangung der JüdischUationalen illustriert eine Meldung aus Litauen, wo erfreulicherweise die Jndensrage 'keine blutige, sondern eine durchaus rlchige Lösung gesunden hat. Juden und Landbevölkevlmg leben dort im bestell Einvernehmen, so daß in denl kleinen Randstaate Rußlands Dr. R a hmt l o w i c z zum Vizeminister für Handel lind Gewerbe ernannt wurde und seinen Bemühungen die Errungenschaff der Aubollomie für die litauischen Juden gelang. Obwohl Dr. Rahmilowicz der streng orthodoxen Richtung angehört, war er doch bereit, dem leidenschaftlichen Zionisten Dr. Sola w e i! das Portefeuille eines Ministers' für jüdische Angelegenheiten 51t verschaffen. Wie lohnte nun dieser solche vornehme Gesinnung? Mit allen Aeußerungen schnöden Undanks. Zum^Präsidenten des ins Leben gerufenen Nationalrates wurde nicht im Sinne des Majoritätsrechtes dev wohlverdiente Dr. Rahmilowicz, sondern auf Betreiben Solaweiks dessen Freund und ' Gesinnungsgenosse Dr. R 0 s e n b a u m gervählt. Nicht einmal den Posten eines zweiten Sekretärs im Nationalrat haben die Zionisten deil Orthodoxen bewilligt. . Numnchr im Besitze der fettenbeit Stellen, nützen die Jüdischnationalen ihre Hoheitsrechte gegen die Orthodoxie, die in allen Belangen benachteiligt wind, so daß ihr Exodus nur eine Frage kurzer Zeit ist. Wir haben hier eine neue Anwendung der Fabel vom mitleidigen Maulwurf, der -dent Igel in seiner Behausung Unterstand bot und auf die Beschwerde wegen der Verletzungen durch das Stacheltier die Antwort erhielt: „Wem's ilicht paßt, der ziehe aus! Ich für meinen Teil finde es hier ganz an* genehm!" Zum Schlüsse sei noch eine höchst bemerkenslverte Tatsache vermerkt: Dr. Max Nord au, .ehedem begeisterter Parteigänger der Zionisten, ist angewidert von den Ausschreitungen dieser Genossenschaft. Er machte gegenüber einem Besucher folgende Aeußerungen, die im New Aorker „Morgen-Journal" vom 28. Dezember wiedergegeben werden: Ein zionistischer Führer brüstete sich vor mir damit, daß er ant Jom Kippur m Jerusalem mit der Zigarre im Munde vor einer mit Betenden besetzten Synagoge vorbeiging. Ich kann diesem Menschen nicht in die Augen schauen! Er-ist ein Verbrecher gegen das Heiligtunr eines alten, großen und idealen Volkes. Ich, der Verfasser der „Konventionellen Lügen", sage es euch, wenn jemand auf dent Tempelberg den Sabbat entweiht, er ist des Todes schuldig, weil er nicht einen Menschen töten wollte, sondern — die Seele eines ganzen Volkes! Ich machte die -Bemerkung — erzählt der Besucher daß es sich dem jetzt zu neuem Leben erwachten religiösen Judentum keineswegs darnnt handle, von den Zionisten die Erlaubnis zur Ausübltug der Religionsgesetze m Erez Jisroel zu erhallten, sondern um die Möglichkeil, dort ein religiös-jüdisches Gemeinwesen zu errichten, das auch auf das Judentum in der Diaspora befruchtend wirken sollte. Ich legte meine persönliche Auffassung dar. wonach die Religion und besonders die jüdische nicht bloß eine individuelle, sondern eine soziale Erscheinung ist. Die Thora enthält mehr soziale Gebote als indwimielle. Es ist deshalb meines Erachtend .s größte Unrecht, die Thora aus dem Leben hinauszud'ängen, sie in das Beshamidrasch zu bannen und als Privatsache zu erklären. Nordau erwiderte darauf, daß die neuesten Soziologen iil der gleichen Weise wie ich die Religion und speziell die jüdische als soziale Erscheinung betrachten. Die Orthodoxie habe sicher recht, die Thora in das Lebenszentrnm der jüdischen Gesamtheit hineinzustellen. Zum Schluffe versicherte Nordau, er glaube, das religöse Judentum werde rlicht besiegt werden. MMaMWHcktzjrNfür Fernruf 42 216 REDAKTION u ADMINISTRATION Wien 2.» Kaiser Iosefüraße 13 Wien, 3. Februar 1931 Nummer 3 XXXVll. Jahrgang

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