Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 2 (20.1.1921)
- Date
- 1921-01-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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nimmt, daß er sie zu Pflegeparteien gibt und sie dort von seinen Damen in bezug auf Pflege, Ernährung, Kleidung -und Erziehung beaufsichtigen und für alles' sorgen läßt. Sein Ziel ist aber die Errichtung von Heimen für diese Kindern und die Ausschließung der Koftfrauen. Das erste Heim ist eben dieses Mädchenheim, das drei Jahre am Esteplatz geewsen ist und nun nach Hackiug kam. Es find darin nur schulpflichtige Kinder üntergebracht. Für Säuglinge sorgt in vorbildlicher Weise die Vizepräsidentin des Vereines, Frau Meta Blum, und -sie scheint mit ihrer Liebe, Klugheit und Sorgfalt das Problem gelöst zu haben, wie Säuglinge aufgezogen und 'kräftig gemacht werden, wenn ihnen auch die Mutter fehlt. Auch Frau Gisela Zirner, welche das Ludwig Zwioback-Kindecheim in Purkersdorf erhält, gehört der Leitung dieses Frauenvereines an. Am 9. d. M. war also die Eröffnung und Einweihung des Hackinger Kinderheims. Als Gäste waren neben sehr zahlreichen und ansehnlichen Damen und Herren aus allen Wiener Bezirken und den Vertretern der anderen Wiener jüdischen Frauenvereine, wie „Weibliche Fürsorge" (Frau Hermine Kadisch), „Kurfürsorge" (Frau Dr. Stein), „Zukunft" (Frau Ungar) unter anderem erschienen: Professor Dr. Julius Tand ler für den Bürgermeister, die Präsidenten der Kultusgemeinde Professor Dr. Pick und Baurat Kempler mit ihren Gattinnen, der Vertreter des Staatsamtes für soziale Verwaltung, - Bezirkshauptmann Dr. Kvcevar, der VorstanÄftellvevtreiter des 13. Bezirkes Zwatfchek, die' Herren Sekretäre der Kultusgemeinde Dr. Adler und Emrl Engel,, Amtsleiter Rudolf Kraus, Oberoffizial Ungar, Sekretär Dr. Löwy von der Zentralstelle, für jüdische soziale Fürsorge. Frau Laura Kr ende r ge r begrüßte die-Gäste und führte nach dem Danke für die große Stiftung, die Frau Kamilla Cohn zur Erinnerung an ihren Gatten Salo Cohn, den bekannten, leider schon dahiugegangeneu Wohltäter, gegeben und an die Gründer das Wort des bekannten Pädagogen Förster an, daß den Frauen Liebe un!d Güte zueigen sei, welche die Quölle alles Guten bilden, indem sie mn diesem Leitsatz die Aufgaben und ferneren Absichten des Vereines, insbesondere für das neue Heim darlegte. Herr Rabbiner Doktor Moritz Lewin, der sich durch die F'lüchtlingsfürsorge in Ntkolsbuvg als eine starke Persönlichkeit erwiesen hatte, Wechte das Heim ein, indem er den universalen Charakter jüdischer Wohlfahrt 'hervorhob. Ein Zögling sprach den „Weihegruß" der Kinder, der das Versprechen enthielt, selbst an der Fortbildung zu guten, tüchtigen, Menschen zu arbeiten. Unter Leitung des Fräulein Hanucch Jacob sangen die Zöglinge Lieder und führten einen Reigen auf. Fräulein Jacob fand viele Anerkennung. Hieranf wurde das Heim besichtigt. Dem Danke für di>e Tätigkeit des Vereines ga!b Herr Präsident Professor Dr. Pick irr schwungvollen Worten Ausdruck. — Am Nachmittag gab die Vorstandsdame Frau Mathilde Cohn den Mädchen eine Jause und Frau Jda Winter half dabei. Möge das neue Heim, dessen Rechtssachen in zuvorkommendster Weise Herr- Rechtsanwalt Dr. Emil Winter geführthat, ein Segen sein für viele Mädchen! ', Vierzigjähriges Bühnenjubiläum. Samstag den 15. d. feierte das beliebte Mitglied des Deutschen Volkstheaters Theodor Weiß sein vierzigjähriges Whnenjubiläum. Zu diesem frohen Anlässe hatten sich die hervorragendsten Künstler nuferer Stadt chdie Damen Elizza, Witt und die Herren Altmeister Blas>el, Reimers, Thimig (Vater und Sohn), Treumann, sowie die Herren Grünfeld und Lehar) vereinigt, um in einer Aufführung des noch immer unverwüstlichen Lustspieles „Die Journalisten" dem Jubilar Gelegenheit zu geben, in einer feiner besten Rollen, dem Piepenbrink, vor das Publikum zu treten. Daß dieses bei der Festvorftellnng dem trefflichen Schauspieler znjubelte und so den Dank für dessen unermüdliches Wirken dokumentierte, ist selbstverständlich. Auch ans dem Kreise der Kollegen wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil. Wir schließen uns den Glückwünschen umso bereitwilliger an, als Meister Weiß, desien wohltätiges Herz weichin bekannt ist, stets, so oft an ihn der Ruf ergcht, seine bedeutende Kunst in dörr Dienst jüdisch-humanitärer Veranstaltungen . stellt und so zu ihren Gelingen beiträgt. Die große Enttäuschung. Während die zionistischen Parteiblätter in gewohnter Werfe betreffs der palästinensischen Answanderungs- und Koloniifationssrage sehr hoffnungsvoll und zuversichtlich ihre Meinungen aussprechen, werden sie durch die Tatsachen des Gegenteils überführt, wie wir bereits an anderer Stelle dieser Nummer nachgewiesen. Nun erfahren wir, daß Israel Z a n g w i l l unter dem Titel „Das nicht befreite Jerusalem" in einem noch fulminanteren Artikel des „Jewish Chronicle" zu dieser Frage das Wort ergriffen hat. Zangwill leitet seine vernichtende Kritik damit ein: Die gesamte Judenschaft wurde durch die sogenannte „Balfour-Deklaration" und die Beschlüsse von San Remo betrogen. Der kreisende Berg gebar eine Maus, der Löwe Inda erlitt eine Schmach. Was ich befürchtet habe, ist eingetrossen. Die Judenheit hat keinerlei Rechte bekommen, die wirtschaftlichen Verhältnisse im heiligen Lande Palästina sind schrecklich, die Inden sind zwischen Hammer und Amboß geraten, weder frei, noch leibeigen und wissen nicht einmal ihre Zugehörigkeit in staatlicher Beziehung. Sie haben ihre Erstgeburt verkauft, aber ohne auch nur einen Teller Linsen dafür zu bekommen. Nach alldem haben wir von Palästina nichts zu erwarten. Danksagung. Den oerehrlichen Gemeinden, Vereinen, Gönnern und Kollegen, welche mich ans Anlaß meiner beendeten 40j ah eigen Amtstätigkeit als Oberkantor der türkisch-israelitischen Gemeinde mit ehrenvollen Zuschriften bedachten, gestatte ich Mir auf diesem Wege den wärmsten Dank auszndrücken. Oborkantor Jakob Bauer. Das neue preußische Austrittsgesetz. Das neue Gesetz über den Austritt aus der Landeskirche und den Synagogengernemden, von uns bereits erwähnt, hat nunmehr endlich die Zustimmung der preußischen Landesregierung gefunden. Zur gefälligen Kenntnisnahme. Durch den Poststreik haben wir Einsendungen und Briefe verspätet erhalten und bitten, diesen Umstand als Entschuldigung dafür zu nehmen, daß manche der geschätzten Mitteilungen in der vorliegenden Nummer nicht mehr ausgenommen werden konnten. - Isr. Synagogen-Verein „BETH ISRAEL“ WIEN II.. LEOPOLDSGASSE Nr. 29. Es wird hiemit bekannt gemacht, daß beim Synagogen-Verein „Beth Israel“,11., Leopoldsg. 29, eine Masesanmeldestelle errichtet wurde. Die Anmeldungen werden täglich von 5—7 Uhr abends, Sonntag von 10—12 Uhr vormittags entgegengenommen.