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Die Wahrheit · 1921-01-20 · Heft 2 (20.1.1921) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 2 (20.1.1921)
Date
1921-01-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Die Wahrh eik Nr. 2 Der Mchenbeschimpfung, aber ebenso leidenschastlicher Feind Des Geldzahlens ast nnd er diesen NKHweis nicht gelten lassen wölkte, Leim Landgericht München Klage aufZcchlung des ausgesetzten Preises. Nach Durchführung der Beweisaufnahme, in der der Kläger ein Verzeichnis von weiteren fünfzig jüdischen Familien aus anderen Gemeinden vorlegte, die bis zu sieben und acht Söhne im Felde hatten und von denen einige sogar den Verlust von drei Söhnen zu beklagen haben, erkannte der Beklagte den erbrachten Nachweis an und zahlte an den Kläger den aUsgefetzten Preis von 1000 Mark. *Dr. Freund überwies semerfeits den Betrag au jüdische Organisationen für gemeinnützige Zwecke. Die gu-t (national) deutsche Mogelei des ehrbaren Herrn Dietrich Eckart beleuchtet deutlich die Wesensart dieses und ihm gleichgesinnter Helden. Eine Wahrheit, die zu bestreiten auch „Treudeutschen" schwer fallen wird. Zum Streik der Religionslehrer. Seit kurzer Zeit ereignete sich zum zweiten Male, daß die von der Kultusgemeinde Wien angestellten und.besoldeten Religionslehrer in den Streik getreten sind. Während es sich Ende vorigen Jahres um eine ausschließliche Gehaltsforderung handelte, spielen diesmal außer dem Geldpunkte auch schwer zu überbrückeNde prinzipielle Gegensätze mit. Der Kultusvorstand vertritt den Standpunkt, daß es ihm unmöglich sei, , nach dem Muster der Kommune Wien ein Abkommen mit den Lehrern zu treffen, weil durchs eine bindende Verpflichtung in diesem Sinne der Kultnsgömeinde auch für die ZrMnft unabsehbare und kaum inögliche materielle Opfer erwachsen könnten, dagegen rnacht die Organisation der Religionslehrer dem KultusvorstaNd den Vorwurf, daß seinerzeit er selbst die jetzigen Schwierigkeiten veranlaßt habe, weil er es ablehnte, die Religionslehrer im Rahmen der kommunalen Lehrerschaft zu belassen. Es wird dem VorstmA der weitere Vorwurf gemacht, daß es sich zu jener Zeit um eine Machtsrage gchandÄt hat. Des weiteren klagt die Organisation darüber, daß ihr eine unmittelbare Verständigung, beziehungsweise Beilegung des Streiks durch das schroffe, abweisende Verhalten einiger Beamten unmöglich gemacht werde. Bei der Verworrenheit dieser Streitfrage können wir heute, solange die Situation nicht restlos geklärt ist, weder für die eine, noch die andere Partei eintreten, stehen jedoch auf dem Standpunkt, daß für die Sünden der Vergangenheit im Schoße des Kultusvorstandes die Gegenwart weder verantwortlich ist, noch 'büßen darf. Das eine aber muß der Wahrheit gemäß erklärt werden, daß keine andere Konfession es sich würde bieten lassen, daß die unschuldige Jugend unter dem entstandenen Zwist zu leiden habe. Mit Recht wird bei jedenr Anlässe betont, daß die Zukunft des Judentums in der religiösen Erziehung der Kinder verankert sei. Es ist nun genmß sehr bedauerlich, wenn die Kinder beobachten müssen, daß diese große bedeutungsvolle Frage von dem Belieben der zuständigen Lehrerschaft abhängig gemacht wird. Das Bedauerlichste aber scheint uns, daß die Eltern der vom Religionsunterricht ansgeschaltÄen Kinder die ganze Sache mit einer unbegreiflichen Gleichgültigkeit hinnehmen. Der Grund hief-ür mag vielleicht in der Tatsache liegen, Daß der gegenwärtige Religionsunterricht nicht seinem Zwecke und seiner eigentlichen Bestimmung entspricht, ein Kapitel, das demnächst zur Erörterung kommen soll. Es. sind uns zu diesem Gegenstände bereits mehrfach ans Elternkreisen Klagen uw) Beschwerden zugekommen, die leider der Berechtigung nicht entbehren. Die Neukonstituierung des Kultttsvorstandos. Nach laugen Verhandlungen kam endlich die Arbeitsgemeinschaft zwischen Jüdischnationalen und Nichtjüdischnationalen in der Kultusgemeinde zustande. Die Jüdischnativna>len werden mit der Majorität arbeiten und haben die Stelle des ersten Vizepräsidenten und drei Stellen im Vertrcker- Ikollegium mit ihren Leuten besetzt und auch in die Kommissionen und Delegationen ihre Parteigenossen entsendet. Sie haben nur eine Bedingung gestellt, daß nämlich beide Vizepräsidenten gleichen Rang, d. h. daß beide gleiche Rechte und Pflichten haben. Die Majorität bestimmt aber beim Fehlen des Präsidenten, wer ihn ersetzt. Sonst wurden keine Bedingungen gestellt. Am Donnerstag, den 13. d. M. trat die Arbeitsgemeinschaft, die für die Jüdischnationalen nur von besonderem Werke? sein kann, in Kraft. Vizepräsident wurde Rechtsanwalt Dr. Desider Friedmann. Das Präsidium besteht also aus folgenden Herren: Generalstabsarzt Universitätsprofessor Dr. Alois Pick als Präsident und die Herren Banrat Wilhelm K e m p l e r und Rechtsattwalt Dr. Desider Friedmann als Vizepräsidenten. Das Vertreterkollegium bilden jetzt neben den Präsidenten die Herren Rechtsanwälte Dr. Leo Land a u und Dr. Josef T i ch o, Weinhändler Siegmiund Kaüders, Börsenrat Ignaz Glück, Privatier Wolf P a p p e n h e i m und' die JüdischnMonalen Stuatsbahnvat Ingenieur Robert Stricker, Rechtsanwalt und Gemeinderat Dr. Leopold P l a s ch k e s und Regierungsrat Rudolf Taussig. Es sind also im elfköpfigen Vertreterkollegium 4 Rechtsanwälte, zwei Techniker, 1 ArA, 1 Kaufmann, 1 Bankmamt, 1 Privater"' nnd 1 Beamter (Taussig). Die Bildung der Kommissionen werden wir nächstens bekannt geben. Dr. Max Rordau zur Palästinafrage. Diese Frage niuß tatsächlich schon in einem sehr kritischen Stadium sein, wenn einer der ältesten, überzeugtesten Bahnbrecher des Zionismus, der bei keinem Kongresse desselben fehlte und in Wort und Schrift für ihn eintrat, wie dies bei Dr. Max N o r d a u der Fall ist, von der gegenwärtigen zionistischen. Bewegung wenig erbaut ist und der Zukunft recht pessimistisch entgegensicht, wie die gegenüber einem Korrespondenten des ^Observer" gemachten Aeußevungen erkennen lassen. „Vor drei Jahren," erklärte Dr. Norbau, „als England und Frankreich den Juden eine nationale Heimstätte in Palästina versprachen, eröffneten sich sehr gute Aussichten. Hätten diejemgen, die sich selbst zu Wortführern des jüdischen Volkes machten, -England und Frankreich klar und deutlich befragt, was sie mit ihren Versprechungen meinten, so hätten sich, die Ausstchten entwickelt und in größtem Maße aufgchlüht. Jetzt aber best-cht d i e Gefa h r, daß alles i n Nichts end e n werde. Die Antisemiten machen Anstrengungen, die Balfour-Deklaration immer mehr abzusch rächen, und es ist zu befürchten, daß England sich P a l ä st i n net nve rteilen oder den Arabern übergeben werde." Diieses tiefe Mißtrauen Nordaus gegen Die idealen Absichten Englands in betreff Palästinas wird vielfach von genauen Kennern geteilt, wie die Aeußenungen Zangwills (siehe den Artikelteil unserer heutigen Nummer) beweisen und noch weiter von uns aufgezeigt werden soll. Geschmacksverirrungen bei „jüdischen" Veranstaltungen. In einem der westlichen Bezirke gibt es seit kurzem

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