Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 2 (20.1.1921)
- Date
- 1921-01-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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- Cicero 1× ep/1024888
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Nr. 2 wicht, gekennzeichnck werden. Sitz «ll« -sind jetzt für uns Gerte 4 Ich gesttzhe, baß jene Juden, die ohne SchädrgunV meiner Rasse, ja sogar im Gegenteil zum Woh -l e und Vorteile meiner Rasse, im Zeichen ihres nationalen Charakters leben und tätig sind, und zwar wertvoll leben undt ätig si nd, die den Besitzstand der Nation mit kulturellen und wirtschaftlichen Gütern mehren, daß die Ungarn jüdischer R e l i. gion -vom Schlage eines Paul Sa nd o r — und ihre Zah l ist viel größer, als einige unter uns glauben —, daß solche Ungarn jüdischen Glaubens leben, wirten und geachtete Faktoren unseres nationalen öffentlichen Lebens sein mögen. Der Inbegriff des Guten und Bösen im Allen und Neuen Testament. Literarische Skizze. Von Dr. Josef Hoff, Rabbiner in B i s e n z. Oeffnet das jüdische Volk seine heiligen Schriften, liest der Lehrer dieselben mit der Jugend, so findet sich f keine einzige Stelle, .welche Haß und Feindschaft gegen jetzt lebende Völker enthielte. In den jüdisch-religiösen Schriften des Mittelalters werden die Schriften ausdrücklich als Monotheisten erklärt, deren Sinn auf den Schöpfer des Himmels und der Erde gerichtet ist. (Bechoroth 1,1 in den Tosaphot-h). Auch unsere Feinde von ehedem, die alten Antisemiten Pharao, Amalek, Haman usw. werden nicht wegen ihres heidnischen Glaubens angeschuldigt, sondern einzig und allein wegen ihres gottlosen Wandels und rachsüchtigen Handelns, so daß sie dieser Untugenden halber mit dem Beinamen „Roscho", d. i. der Frevler, der Böse- Schatter gestalten, in Wasserfarben verschwommene Figuren, denen nichts Böses widerfährt!, außer daß Haman am Purimfeste noch in manchen orthodoxen Synagogen von den Kindern „in effigie“ geklopft wird. Der Gegensatz, den unsere heiligen Schriften hervorheben, ist ein rein humaner und rein menschlicher zwischen Gut und Böse, Gerecht und Ungerecht, und dieser Gegensatz geht -auch durch die ganze gesittete Welt. Schon Cicero bemerkt in seinem Werke „de legibus", I, 11, wörtlich: „Wie verschieden auch die religiösen Ansichten bei verschiedenen Völkern seien, so daß manche Hund und Katze als Götter verehren — welche Nation liebt nicht Milde, nicht Güte, nicht den dankbaren und der Wohltat gedenkenden Freund? Welche Nation verachtet, haßt nicht die Uebermütigen, die Niederträchtigen, die Grausamen, die Undankbaren? Da nun in diesen Dingen das ganze Menschengeschlecht einig erfunden wird, so ist daraus zu schließen, daß der Vorsatz, rechtschaffen zu leben, die Menschen besser macht." — Das ist der Gegensatz, den unsere heiligen Schriften folgerichtig festhalten. In den Gesängen Davids, ja fast in jedem Psalm, werden Tugend und Gerechtigkeit gefeiert, Unrecht aber und Laster gerügt und strafend gerichtet. Die Verheißung des Guten für die Guten und die Verhängung der Strafe oder des Bösen über die Bösen gilt a l.l e n Menschen und „Niemand ist gerecht -auf Erden", so sagt der weise König (Pred. 7, 20), „der nur Gutes täte und niemals sündigte." Anders aber im Christentume. Hier erscheint als persönlich gewordener Inbegriff des Guten ein b estimm ter Mens ch und es mag uns Juden ein hohes Selbstgefühl durchdringen, daß wir der Menschheit einen Menschen gegeben, an welchem sie am Guten sich aufrichte, während u n s e r Ideal in den Worten u n v e r g ä n g l i ch bleibt: ■'H FeuM-»°>, Der zehnte Tebet. Jugend erinneru-ng von Armin Wilkowrtsch, Eger. In meiner -litauischen Geburtsstadt K., wo man die ® Frommen und Talmud-Hochgelehrten nach Tausenden zähltie, gab es dennoch auch Lezim, Spaßtreiber um jeden Preis. Ein Mitglied dieser Kaste behauptete einst in Bezug auf den zehnten Tebet folgendes: „Juden dürfen niemals eine Freude ungestraft genießen. Dem ausgelassenen Purim reitet das Fasten Esther am Genick und gleitet man am Chanukka auf dem Eise aus — plumps, schlägt man mit der Nasenspitze an den zchnten Tebet! — Schon waren unsere fastenfreudigen Weisen nahe daran, damit wir uns nicht des ^imchos Thora ungestraft erfreuen, dem Hoschanoh rabba die Nahrung zu entziehen; da kam noch rechtzeitig die Frau Rebezin (Rabbinerin), 'die just die Kreplich (Fleischtaschkerln) fertig hatte, unfr sperrte mit so einem flerschgefüllten Dreispitz den frommen Mund des Vorsitzenden der Synode. Das Verhängnis war aibge-- wendet!" Ich weiß nicht, warum die losen Spötter den zchnten Tebet so arg in die Arbeit nahmen! Der Name „Asoroh be-Tebet" wurde verballhornt und ein Spottreim daraus geschmiedet: „Soreh liegt im Kasten (Teboh), alle Kinder fasten!" und der Selichoth-Pismon wurde erst recht parodiert. („A weiße Capotte, a schöne Züre".) So oft fasteten Juden: sämtliche Tainestm, am Jahrzeitstage der Blutsverwandten, am Ausgange jedes Monats, nach gewissen schlechten Träumen, für den zchnten Debet jedoch fehlte das Verständnis! — Hakkol tolu be masol — Alles Glückssache! II. Im Einkchrwirtshause auf Öter kleinen Chaussee Suwalki—Kolwarja saßen um die letzten Nachtstunden . zum zehnten Tebet viele Gäste und ließen die Hitze des großen Kachelolfens aus sich einwirken. Eine schlecht brennende Petroleumlampe sorgte für die Beleuchtung des Etablissements.