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Die Wahrheit · 1921-01-20 · Heft 2 (20.1.1921) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 2 (20.1.1921)
Date
1921-01-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ftvnvnf REDAKTION ^ADMINISTRATION SfclU« Ä., Kaifrr Josvfstraßv 18 Wie», 20. Jänner 1921 Nnmmer 2 XXXVII Jahrgang Los vom „christlichen Kurs" Das politische Ungarn beginnt allmählich vom sogenannten „christlichen Kurs", her nur Gewalttätigkeit und sonstige Schwerverbrechen im Rahmen des Antisemitismus beinhaltet, abzurücken. Die eine Gruppe tut es aus Gründen der UtMät, weil durch die nackte brutale Verfolgung der armen Inden dem Lande wirtschaftliche Nachteile und in der europäischen Kulturwelt vernichtende Urteile erwachsen. Von dieser Art freiheitlich niaskierter Patrioten ist der alte Graf Albert A p p o n y i, der vor kurzem in einer Wähberversammlung erklärt hat^ warum es so nicht weitergehen darf. Der christliche Kurs bewirke nämlich die Auswanderung des Handels, die Er-' stärkung Mens auf Kosten Budapests. Der edle Gras hätte'' nichts dagegen, wenn den Juden durch andere Mittel auf anderem Wege Schach geboten würde. Durch die wirtschaftliche Arbeit und kommerziellen Kenntnisse. Mali könnte ja aus solche legale Weise «ohne Mord und Plünderung den jüdischen Wettbewerb lahmlegen. Kurz und gut ein Programm, das dem -ehemaligen Kalksburger Zögling alle Ehre macht. Dem Schüler der geistlichen S. I., deren Grundsatz bekanntlich „Der Zweck heiligt die Mittel" lautet und -denen gelehrt wird, sanft wie die Tauben, aber klug wie die Schlangen zu sein. MM merkt -aus denr Tenor der Apponyischen Rede, daß er seinem Epitheton „der schwarze Graf" unter allen Umständen Ehre machen will. Der Antisemitismus, wie er bisher in Ungarn geübt wurde, bringt denr Lande Schande und Schaden; folglich rnuß eine andere, äußerlich weniger abstoßende Form gewählt werden. Wie ganz anders als diese verklausulierten, hinterhältigen Auslassungen 'kautet die rückhaltlose, mannhafte Rede.des Abgeordneten Franz K i ß, reformierter Seelsorger von NagyvaraL, dieser am 21. Dezember in der ungarischen Nationalversiammlung gehalten hat, um die Scheußlichkeiten und wahren Beweggründe des Antisemitismus auszuzeigen. Wir haben schon wiederholt Beispiele dafür gebracht, daß unter den im Sinne des Evangeliums wirkenden Geistlichen die eifrigsten Verteidiger des Judentums zu finden sind. Aber noch nie hat man eine so schonungslos nach der Wurzel des Antisemitismus zielende Änklage, wie. jene des reformierten Seelsorgers von Nagyvarad vernommen, weshalb sie -als eines der wertvollsten Dokumente der Zeit und der Schmach Ungarns hier verzeichnet sein soll. Franz Kiß sagte, daß das Christentum des Evangeliums und das heute auf dem Forum schwelgende Christentum nicht identisch sind .... Ich höre von den Lippen der Abgeordneten immerfort das Epitheton des christlichen Kurses. Muß zur Bezeichnung der heiligsten Interessen des christlichen Lebens gerade aus dem ständig 'angegriffenen Börsenlöben das gewöhnlichste Schlagwort ausgeborgt werden? Und der Terminus ist auch so nicht wahr, denn heute besteht n i ch t f o sehr e i n ch r i st l i ch e r Kurs als vielmehr ein K u r s ch r i st e n t u m, nicht so sehr überzeugte Christen als vielmehr -Kursritter, so daß ich es als Christ in der christlichen Welt für meine Christenpflicht erachte, im Interesse des Christentums das Work zu ergreifen . . . Denn wie steht -die Frage betreffs des Wesens des epithetonlosen Christentums und des Kurschristentums? Die Bekunder des epithetonlosen Christentums sind unter Hymnengefängen auf 'den Scheiterhaufen, zwischen die Bestien gegangen, das K u r s ch r t ft e u t u m will v o n seinem C h r i fte n tum l eb e n. Das epithetonlose Christentum ist gegen die ganze Welt mit dom Kreuze in dru Kampf gezogen und seine Waffe war -das ewige, triumphierende Wort; das Kurschristentum arbeitet mit den Ellbogen und seine Waffe ist 'die Verlockung, die Täuschung, die Hypokrise. Das epithetonlose Christentum will die großen Ideen des Christentums km Leben verwirklichen, das Kurschristentum strebt seine eigene Geltendmachung an und die Ideen sind chn nur eine Stuft, ein Schlagwort, Mystifikation . . . . . , Der Kurschrist stürzt heute die gestern mit MütM aufgebante Ordnung um, reißt morgen die heute geheilte Wunde auf, kennt keine Disziplin und ertrankt die g r o ß e n I n t e r e s s e n d e r O e f f e n t l i ch k e 11 i u persönliche Skandale . . . Der Kursritter haßt, wie nur der zu hassen vermag, der seit f ü u s z e h u Monaten C h r i ft i st. Beim K u r s ch r i st e n ist das K r e u z d e r Knüttel, m it d e m er Jude n schlägt, die Leiter, aus der er emporklimmt, oder das Tor, hinter dem er heimtückisch angreffk. . . Ich kann nicht den Standpunkt jener teilen, 'die mit dem Antifemiris- , mus den ganzen Inhalt des Christentums zu erschöpfen glauben-, ich gehöre nicht zu jenen, deren gMzes Christentum im Antisemitismus besteht.

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