Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 1 (6.1.1921)
- Date
- 1921-01-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Jede Böruuglimpfmrg dieses Wahrzeichens empfindet jeder echte 'Eohn seines Volkes wie eine persönliche Kränkung. Er deckt sein nationales Heiligtum mit seinem Leib und Leben, wie der Soldat seine Fahne. So sahen einst die Franzosen ihr Palladium. in ihrem großen Kaiser. In jenem bekannten Liede, besingt der deutsche Dichter aus jüdischem Stamme den Schmerz der treuen Grenadiere: „Der Kaiser, bet. Kaiser gefangen!" Ein Unglück, das sie tiefer traf Bls persönliches Leid, der Tod vonWeib und Kind sie hatte treffen können. Und dieses nationale Heiligtum war für den Inden der.Tempel in Jerusalem. Das religiöse Empfinden wie düs nationale Ehrgefühl, sie lägen aber zur Zeit der Makkabäer vor dem Auftreten Mattathias' so danieder, daß man die furchtbarste Schmach, die Entweihung des Tempels, ruhig hinnahm. Keiner rührte sich, man ballte höchstens die Faust im Sack. Nur einer war da, in dem gärte und kochte es. Das war Mattathias. Ihm brannte die Schwäch des Tempels auf der Seele. Er raffte sich auf zu Häßlicher Tat. Er fragte nicht: „Wer geht mit?" Er wußte: mit ihm ging der alte Gott seiner Väter. Nicht darum erhob er sich, er, der einzige, weil er als Priester durch seinen Beruf mit -dem Tempel besonders verbunden war. Nicht darum, weil durch, die Entweihung des Tempels er und seine Familie besonders schwer betroffen wurden. Nein, ttr darum, weil er Jude war, Und als Jude die Schmach-des Tempels als seine eigene fühlte.' Ergriffen ' 8ÄOWD' BeMstMng,' Ä eisist «in en anderen Priester, den Propheten Ezechiel entflammt hatte, als an-ihn der Ruf erging : „Menschensohn, zum Wächter habe ich dich bestellt für das Haus Jsraeil". Der Wächter hat von hoher Warte die Gefahr zu erspähen, die seiner Gemeinde droht, und sie vor ihr zu warnen. Tut er es nicht, schweigt er mrd unterlaßt er die Wärmung,- so kommt das Blut der so durch ihn Geschädigten auf sein Haupt. „Von der Hand des Wächters werde ich es fordern." Und weil Mattathias die Gefahr sah, die seinem Volke drohte, und .veil er unschuldiges Blut zu schonen hatte, darum griff er, der Priester, der Mann des Friedens, zum Schwerte. Und vor dem Altar der Götzen erschlug er einen Schuldigen aus seinem Volke. Damit war das Signal gegeben zur Erhebung seines Volkes. In gewaltigem Sturm brach los di« bisher gedampfte Empörung der Gott- und Bolkgetreuen. Alles scharte sich um Mattathias. Jene Juden waren ja nicht wie die Juden von heute, die über alles Hohe und Große, alles Edle und Erhaben-' die ätzende Lauge ihres witzelnden Spottes, den. Schwefel ihrer überklugen Bedenklichkeit gießen und die Gluten ehrlicher Begeisterung ersticken mit der eiskalten Flut einer gierigen, tierischen Selbstsucht, die sich mit hochtönenden Floskeln nird gleißenden Schibagworten zu maskieren weiß. Diese Juden waren schlichte, geradlinige Bauernseelen, die sich die Empörung über die Schandung -des Tempels nicht wegdisputieren ließen und nun «sich aufrafften, da sie den Führer gefunden hatten. Und diese Handvoll kriegsunkundiger Bauern, sie Nahmen den Kampf auf Tritt den waffenftcrrrenden, stahlgewappneten Söldnerheeren des Syrerkönigs. „Du, o Herr, standest ihnen bei in ihrer Not." Sie siegten. Nach dem Siege, was war ihr Erstes? Sie stellten den Tempel wieder her. Da fehlte der goldene Leuchter. Der Feind hatte ihn geraubt. Sie aber -fragten nicht: ,Zst genügend Gold da?" Sondern die sieggekrönten Lanzen nahmen sie und fertigten daraus einen Leuchter. A n? fangen muß man! Und als sie die Lichter der Weihe entzünden wollten, da war zu weu'ig Oel da. Aber si« fragten nicht: „Wird es reichen?" Nein: Anfängen m u tz m -a n! Gott wird dann weiter helfen! Und Gott half. Das Oel reichte. Und so lehrt noch heute dieses eirie Gerne Channukkalichtchen: „Nur anfang« n! Das andere findet sich schon hinzu!" Nicht Gold und nicht Material ist maßgebend beim Wiederherftellen des Tempels, sondern schlafen m öge, daß ich nicht erst nötig, hatte, Auskunft zu geben: Aber auch dieses Gebet' blieb ohne Wirkung. Als ich meine Wohnung erreichte, sank mir das Herz. Was hatte -denn das zu bedeuten? Eine Fülle von Licht strahlte mir aus unseren Fenstern entgegen. Atemlos stürmte ich die Treppe -hinauf und blieb einen Augenblick horchend' an der Tür stehen. Fröhliches Stimmengewirr drang zu mir heraus. Wie im Traum öffnete ich die 'Tür. und stürzte in die Küche. Dort stand Mrikke in ihMu Schabbesstavt, eine Unmenge von Apfelsinen, Aepfeln und Küchen, vor sich auf idem Tisch. '„Maseltöw, Baruch!" rief sie mir lächelnd zu. „Was ist lös?" fragte-ich erstaunt. .. „Unsere Esther ist Braut geworden!" sagte -sie, fröhlich P die Hände, klatschend, während ich sieanstarrte, als mcht-Iecht fcei Sinnen. „Braut?", rief ich ateiMlös, ,^uud.werE.ist der Bräutigam?" % * „Ist dir etwa Herr Goldstem nicht gut -genug?" In Ästigen, abgebrochenen Sätzen erzählte sie mir, wie «sich das 'alles zugetragen. Sie hatte sozusagen einen Trumpf gegen mich ausgespielr und mich ans eigenem Grund und' Boden geschlagen. Matte hatte Herrn GoLvstein zu überzeugen verstanden, daß chre Tochter so gut wie nur irgend ein anderes Mädchen für ihn passen würde. Ich selbst hatte Herrn Goldstern so 'viel von Sophies Vorzügen erzählt, daß er fürchtete, neben einem solchen Mädchen trotz feiner Wohlhabenheit zu unbedouterid zu erscheinen. So fiel seine Wahl auf Esther. Die einzige Bedingung, die mir mein Schwiegersohn stellte, war, meinen Beruf als Heiratsvermittler au^ugeben, was mir nicht so leicht wurde. Aber Gott hatte es so 'bestimmt und ich fügte mich. Vergangene Woche noch Schadchen und heute Mitinhaber emes feinen Herreugarderoben güschäftes. So geht's zu in der Welt!