Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 21 (15.12.1920)
- Date
- 1920-12-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3063928-3063948--11113-3078499- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 7 ^sjeBPWKjeu^asjsgssaftaatm Die Wahrheit Nr. 31 Fülle, und dennoch ist das alles durchwaltet von einem großen Erleben. Das Wort Jakobs, als er mit dem Engel rang: „Ich lasse Dich nicht. Du segnest mich denn" (1. Mos. 32, 36), es ist das Leitmotiv der Religiosität Israels, es ertönt von Anfang an und weilhin bis H o s e a: „Er kämpfte gegen eine Gotteserscheinung und siegte; er weinte und bat sie um Erkennen" (Hos. 13, 5). Am herrlichsten und tiefften aber klingt es aus in" den himmelstürmenden Worten des 73. Psalms: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde; wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allzeit meines Herzens Trost und mein Teil." Auch was Eberhardt im folgenden über den Einheitsbegriff des Gottes der Juden sagt, zeigt von einer geistvollen Vertiefung, von einem Nachempfinden, das in derartigen Werken geradezu ohnegleichen dasteht. Solche Ausführungen werden beitragen, helles Licht und Verständnis für den innersten Kern des jüdischen Glaubens zu verbreiten. Der tiefe sittliche Ernst des Verfassers durchdringt sein Werk vom Anfang bis zum Ende und kommt wie in einem Brennpunkte mit den Schlußzeilen zum Ausdruck, die eine dythirambische Begeisterung auslösen und von seiner hoffnungHfrohen Zuversicht Zeugnis geben. Nicht ohne tiefe Ergriffenheit wird man vernehmen, was Eberhardt mit einem geradezu prophetischen Geiste mit besonderer Anwendung auf die Entwicklungsgeschichte der Menschheit zu sagen hat und das ein Bekenntnis seines innersten Wesens bildet. Diese Zeilen mögen deshalb auch hier wiedergegeben sein. Punkt 398. So kam, was kommen mußte. Ach, du törichte Frage nach Schuld und Nichtschuld! Ist man noch nicht klug geworden, wo der bleiche Mund von zehn Millionen Toten beredter spricht als alle Weisheit? Sieht man nicht, daß leHthin Deutschlands Seele niedersank, ja, daß sie schlimm wurde an der seelischen Verirrung aller, weil meine Heimat tiefer nach Geschichte und seelischer Verfassung, durch den hier größeren und ergreifenderen Streit der Konfessionen aller Art das allgemeine Elend der Seelen und die Folgen daraus tiefer spüren mußte. Sie sank durch sich und durch die anderen zu Boden, sie wird in Gemeinsamkeit mit anderen zu neuer Höhe sich erheben, wenn sie mit ihnen die Zeichen des Himmels versteht. Der Tag wird kommen, nicht von heute auf morgen, aber dies Reich wird nahen, wenn die Menschheit es will: „Mählich wird es sich gestalten. Seines heiligen Amtes walten, Waffen schmieden ohne Fährde, Flammenschwerter für das Recht. Und ein königlich Geschlecht Wird erblühn mit starken Söhnen, Dessen Helle Tuben dröhnen; Friede, Friede auf der Erde!" K. F. Meyer. Die Geschichte der Juden — ein historisches Wunder. Ihre Existenz ist eine der wunderbarste» Erscheinungen des Jahrhnnderts. Jeder Jude ist ei« Patriot in seinem Laude. Predigt, gehalten von Dr. S. W. Purvis in Philadelphia. (Schluß.) Ein glänzender Beweis für den Patriotismus der Juden lieferte der Weltkrieg, denn während in England 8 Prozent der jüdischen Bevölkerung bei der Armee waren, befanden sich von den Nichtjuden nur 6 Prozent dortselbst. In Amerika waren 335.000 Juden in den Reihen der Armee, also ein Drittel der Wehrpflichtigen, da in den Vereinigten Staaten 3 Prozent der Bevölkerung Juden sind. Von diesm jüdischen Soldaten haben 1100 Tapferkeits- und andere Medaillen erhalten, drei die bedeutendste amerikanische Kriegsauszeichnung und zwei die nur in seltenen Fällen zur Bertellung kommende höchste französische Kriegsdekoration. Auf den verschiedenm Schlachtfeldern haben 18.000 amerikanische Juden ihr Leben gelaffen, in Flandern allein sind 3500 begraben neben ihren nichtjüdischen Kameraden. In diesem schrecklichen Weltkrieg hat ein Zwanzigstel der gesamten Judenheit auf beiden Seiten gekämpft, ohne eine andere Aussicht, als daß ihr Martyrium in diesen furchtbaren Kämpfen zu einer weiteren Ausrottung ihrer Raffe führen wird. Es könnte nun jemand einwenden, daß in Amerika, diesem ungeheuren Schmelztiegel aller Völker, die Juden durch Mischehen, Assimilation und Ungläubigkeit ihres eigentlichen Charakters verlustig gehen. Aber diese Einwendung ist nicht stichhälttg, denn wenn der Jude feiner ursprünglichen Individualität, seinen Charaktereigenschaften treu geblieben ist, dann hat er sich auch stets selbst gefunden. Sie, verehrte Andächtige, dürften es wohl wiffen, daß der Jude dasselbe Recht auf amerikanischen Boden hat wie wir. Die Juden kamen bereits mit Columbus, auf deffen Schiffe sich 5 Juden befanden; und zwar unter diesen Rodrigo Sanchez, der Aufseher der Mannschaft, und Luis de T o r r e s, der Dolmetsch. Diese zwei haben mit Columbus auf den verheißungsvollen Boden Amerikas zuerst den Fuß gesetzt. Abraham und Columbus waren die ersten Pioniere des Westens, ohne daß sie es gewußt hätten, wohin sie gelangen werden. Wenn, wie behauptet wird, die Mutter des Columbus, Susanne Fönten osa, eine Jüdin gewesen, dann ist ColumbuS ein ausgezeichneter Nachkomme Abrahams. Es gibt keine Entdeckung ohne Glauben und sowohl Columbus als Abraham waren des guten Glaubens voll. Wer könnte behaupten, daß es nicht dieselbe Hand der Vorsehung war, welche die Juden nach dem Westen geführt hat, von den Ufern des Euphrat zum Jordan, vom Jordan zum Nil, vom Nil zum Tiberiasfee, vom Tiberiassee zum Guadalquivir, von dort über den AÜantischen Ozean, wo sie unter Gottes Sonne I im Lande der Freiheit leben und anbeten, wozu ihr Herz