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Die Wahrheit · 1920-12-01 · Heft 20 (1.12.1920) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 20 (1.12.1920)
Date
1920-12-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 1 Die Wahrheit M. so schaffen, die nur durch die werktätige Hilfe begeisterter Glaubensgenossen von gänzlichen Untergange gerettet werden können, ist diese überaus notwendige Unterstützung besonders am Platze. Auch für die zahllosen Aermsten der Armen, denen der unerbittliche Krieg Vater und Mutter raubte, muß Hilfe geschaffen werden. In ähnlicher Weise sprach Rabbiner Dr. G r u n w a l d mit tiefergreifenden, zu Herzen gehenden Worten, wie bereits berichtet, im Vereine „Wohlfahrt" und hoffen wir, daß diese von wahrer Nächstenliebe beseelten Aufrufe zu Gunsten der Unglücklichsten unter den Waisenkindern segensreich fruchten werden. Die Redaktion. Die Geschichte der Juden — ein historisches Wunder. Ihre Existenz ist eine der wunderbarsten Erscheinungen -es Jahrhunderts. Jeder Jude ist ein Patriot in seinem Lande. Predigt, gehalten von Dr. S. W. Purvis in Philadelphia. Wir haben in der vorigen Nummer unseres Blattes die AeUßetungen einiger hervorragender deutscher Kleriker zugunsten der Juden gebracht. Heute find wir in der Lage, nach der New-Aorker „Times" vom 26. September so ziemlich wörtlich, wenn auch in freier Uebersetznng die Predigt über das gleiche Thema eines der bedeutendsten amerikanischen Geistlichen zu veröffentlichen, das nicht nur in Philadelphia, sondern in ganz Amerika bei Juden und Christen Tagesgespräch bildet. Die Red. Unsere jüdischen Freunde begehen soeben ihre Neujahrsfeier, es ist dies ihr 5681 tes Neujahrsfest. Ich verweile einen Augenblick, um Rückschau zu halten auf dieses größte Wunder der Jahrhunderte, auf den Fortbestand der jüdischen Rasse und deren Unvertügbarkeit. In der Tat eine wunderbare . Sache, gleich jenem Dornbusch der Bibel, der da brannte aber nicht verbrannte. Friedrich der Große sagte zu seinem Hofprediger: „Nenne mir'ein Wunder" und dieser erwiderte: „Majestät, der Jude ist ein solches". Auch ich als Diener Gottes im Werke der Liebe muß stehen bleiben, um diesem bewunderungswürdigen Volke den Tribut der dankbaren Anerkennung zu zollen, denn wir find ihnen Schuldner für so manche Dinge und nicht in letzter Linie .dafür, daß sie das Fundament für unseren christlichen Glauben gelegt haben. Die ganze Welt ist eine Schaubühne, auf der nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Völker und Rassen eine Rolle spielen. Jede Nation hat hier ihre kleinere oder größere Rolle gespielt. Jede derselben hat dem Jahrhundert seines Erdenwallens besondere Spuren ausgeprägt. So hat unS Rom die Kunst des Regierengegeben, Griechenland die Kultur, P h o n i z i e n den Handel; das Judentum aber den Monotheismus, das Anbeten des einzigen Gotte-, die Krone alles anderen. Cs hat seine Mission glänzend erfüllt, wenn es auch biswellen wankend wurde oder geirrt hatte, mußte es immer einen furchtbaren Preis dafür zahlen. Ich kenne kein Volk, das so viel erlitten und so viel über» standen hat, als daS Mische. Nach der Zerstörung feines Tenrpels in Jerusalem ist der Jude ein heimatloser Wanderer geworden. Seine Geschichte ist ein Wunder und gleichzeitig der Roman der Menschheitsgeschichte. Nichts konnte ihn vom Erdboden vertilgen; weder die babylonische Gefangenschaft, noch die Herrschaft Rom-, die griechische Assimilation oder die Inquisition de- Mittelalters und auch nicht'die neuzeitlichen Judenmaffakers. Allewar vergebens. Der Jude überlebte Aegypten, Chaldäa, Assyrien, Persien und die mächtigsten Dynastien der Vergangenheit. Während unsere Vorfahren sich noch von den Wurzeln des Waldes nährten und in ihren Höhlen an Knochen nagten, hatte bei den Vorfahren der Juden daSHaus des Königs David schon Prinzen. Heute jedoch ist der Jude nicht rnehr und nicht weniger als ein Kind des großen gestrigen Tages. Obwohl es fast zweitausend Jahre sind, daß er von seiner asiatischen Scholle entwurzelt ist, zeigt er noch immer eine geradezu erstaunliche Doppelnatur, die Kraft des Alters und der Jugend in sich zu vereinen. Mit dem einen Fuß steht er noch auf dem alten, mit dem andern auf dem modernen Boden. Sein Profil ist in Chaldäa arabisch, in Rußland typisch ruffisch, in Italien italienisch und in Spanien ist er spanisch. In Abeffynien gibt eS fünfzigtausend schwarze Juden und in China gibt es Juden, die, ihren Glauben hochhaltend, auch die ritualen Speisegesetze befolgen, trotzdem die Augen mandelförmig geschlitzt sind, die Nase platt gedrückt und die Gesichtsfarbe mongolisch gelb ist. In der stammenden Hölle. Im 16. Jahrhundert wurde in Venedig das erste regelrechte Ghetto errichtet, obgleich die Juden schon früher vielfach in manchen Städten abgegrenzte Telle bewohnten. In jedem Ghetto hat der Jude sein eigenes Leben nach Religion, Gebräuchen, Studium. Gesängen, Tradition und Unterhaltung gelebt. Das Mittelalter ist ihm in ständigen, bitteren Verfolgungen vergangen. Es ist geradezu erstaunlich, daß der Jude trotz aller Verfolgungen, Foltern und Demütigungen gleichwohl an sein Stiefvaterland mit außerordentlicher Liebe und Zärtlichkeit hängen blieb. Der Jude war stets ein treuer Sohn jenes Landes, wo er geboren war. Rasch gewöhnte er sich an die Erde, die ihm Nahrung und Wohnung gab. Wenn es ihm ermöglicht wird, vervollkommt er sich in Wissenschaften, Adrsik, Malerei, Baukunst, Literatm. Phllosophie, Soziologie, Medizin, Astronomie und Philanthropie. Uederall gab er sein Bestes in Vergeltung dafür, daß man ihn von allen offen bürgerlichen Rechten, politischen Stellen und mllitärischer Laufbahn ausgeschaltet hatte. Man hat ihm dieAände gebunden und dann höhnisch gefragt, warum er sie nicht gebrauche. Verfolgung«!, Feuer, Säbel, Schaffott, Kerker war überall sein Lohn. (Schluß folgt.)

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