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Die Wahrheit · 1920-12-01 · Heft 20 (1.12.1920) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 20 (1.12.1920)
Date
1920-12-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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♦s^JFS&tSÖT Seite 4 Die Wa Lichtblicke. Ein Chanukka-Gedanke. WirGoluSjuden begehen unsere Feste intim. Ans HauS und Hof beschränkt. Nur eines feiern wir „zum Fenster hinaus": Chanukka. Ans Fenster stellen wir die Lichtchen an jedem der acht Abende. „Mischum pirssum haneß", „um daS W und er zu verbreiten", wie unsere Alten lehrten. Welches Wunder? Daß „wenige vielen die Stirn boten"? Das taten auch Leonidas und seine Getreuen, Winkelried inmitten der Helden von Sempach, Garibaldis Tausend bei Marsala und so viele andere. Daß ein einzelner, wie Juda Makkabi, ein ganzes Volk mit sich sortreißt? Ein Alexander, ein Hannibal, ein Casar, ein Prinz Eugen, ein Napoleon, ein Hindenburg wirWb nicht minder suggestiv. Oder war bei Mizpah und Emmaus, bei Bethzur und Bethchoron das die Besonderheit, daß nicht Landhunger, nicht Heimatliebe, nicht Ruhmgier, nicht Ritterstolz, sondern GlaubeuSeifer Wunder der Tapferkeit vollbrachte? Auch die Scharen Mohammeds wie die Kreuzritter, die Hussiten wiedie Covenanters und einen Gustav Adolf trieb Begeisterung fihc ihres Gottes Ehre. War es denn aber wirklich ein Glaubens sieg, den die Makkabäer erfochten? Ein Triumph der „rechten Lehre"? Bedurfte die Thora der Verteidigung mit Feuer und Schwert? Der Propaganda der Tat? Sie, die selbst der Propaganda des Wortes entraten kann? Sie, von der man mit den Worten jener klugen Jüdin, der Mutter Paul Heyses, sagen darf: „Ihre Reden sind nicht so schwach, daß sie gehalten werden müßten", ihre Argumente nicht so brüchig, daß sie gar der äußeren Stütze „schimmernder Wehr" bedürften? „Lau wechajil welau wechauach"! Nicht durch Mittel der Gewalt und nicht durch die Macht des Wortes braucht zu «mke», was durch die Kraft der Idee Welten stürzt und «eue an ihre Stelle setzt. hrheit Nr. 20 Was also war das Wunderbare in der'Erscheinung jenes schlichten Landpriester Mattathias und seiner Löwenbrut? Diese geraden, reinen Bauernseelen empfanden instinktiv den unversöhnlichen Zwiespalt, der die Menschheit in zwei Lager scheidet. ^Bajomim hohem — basman haseh", wie einst, so jetzt. Hie Judenernst! — Hie Griechenland! Wie in den Büchern, die ihren Namen tragen, zu lesen, sahen sie mit unbestochenem Blicke hinter „all dem Gold und Silber, dem Hyazinth und Purpur und all dem anderen Prunk", den der Feind entfaltete, eine seelische Hohlheit, die „bar der Wahrheit und des Rechtes", der diese heiligsten Angelegenheiten der Judenseele nur Namen, nichts als Floskeln waren. Wahrheit und Recht! Eine Wahrheit, die nicht eine andere für den Freund ist und eine andere für den Feind! Ein Recht, däs nicht an einem gebrochen werden kann, ohne sich an allen zu rächen! Wahrheit und Recht! Diese Sirenenlockungen für jene reinen Tor^n, jene selbstvergessenen, verstiegenen Schwärmer, die» an der rauhen Spröde der Wirklichkeit ihr Persönlichstes zerschellen zu lassen, das Los sich wählen! Ist es nicht wunderlich, daß für solche Traumgebildz, Sternengrüße aus einer lichteren Welt, erdgebannte Menschen aus freiem Herzensantrieb ihr Leben opfern? Menschen, selten freilich und seltsam in den Augen der anderen und darum von ihnen beargwöhnt und gehaßt. Menschen, so rar, daß sie nur um so abstoßender auf uns wirken lassen, die nicht so sind. Wie die matten Flämmchen der Menorah uns um so empfindlicher machen für das Düster, das ihren bescheidenen Lichtkreis rings umdrängt. Solche Lichtblicke in der gram- und grausverworrenen Nacht, die wir Menschheit nennen, diese Blutzeugen für Wahrheit und Recht der Welt zu geben, das war die Sendung des Volkes, dessen Blut in den Helden von Modiim rollte. Und sie soll es bleiben! Feuilleton Der Schadchen. SuS dem Englischen übersetzt von Hermann Bernstein. Es geht doch närrisch zu in der Welt! Vorige Woche war ich noch ein Schadchen und heute bin ich Großkaufmann. Es ist rein zum'Lachen! Wie hätte ich es jemals ahnen können, daß ich, Baruch Purkin, der ich. bereits über »0 Jahre Partien vermittelte, plötzlich Mitchef der angesehenen Herrengarderobefirma Goldstein L.Purkin würde! Es kommt mir fast wie ein Traum vor, wenn ich daran denke, aber sicherlich hat der liebe Gott es so gewollt uud des Herrn Wege sind wunderbar. Mein Weib Malke — möge sie lange leben — und meine Tochter Esther — Gott geb' ihr immer Gesundheit —sind nun glücklich, und, offen gestanden, ich auch. Leicht ist mir allerdings der Wechsel des Berufs nicht geworden, denn die Heiratsvermittlung war mir eine liebgewordene Beschäftigung. ES ist ja schließlich auch keine Kleinigkeit, sich erst ein gewiffes Renommee zu erwerben, um dann plötzlich dieses ernste Werk von über 30 Jahren zu zerstören. Man darf nicht vergessen, daß ich die glänzendsten Partien vermittelt habe nicht nur in meiner Heimat, in ÄmeiÄa, sondern auch in der Hauptstadt des Zarenreiches. Doch ich will erzählen, wieso ich meinen Beruf änderte. Ich muß dabei vorüusschicken, daß ich nicht wie so viele andere Heiratsvermittler Nebenbei mit Lotterielosen handelte oder kleine Knaben im Hebräischen unterrichtete oder gar als Kantor in irgend einer kleinen Gemeinde predigte. Handwerker oder Handlungsgehilfen erschienen mir niemals als wünschenswerte Heiratskandidaten. Doch heiratsfähige Aerzte und Juristen und reiche Mädchen sind nicht so leicht zu haben. Mein Weib Malke, die gewiß nicht dumm ist, machte mir deshalb auch niemals Vorwürfe, wenn das Geschäft nicht so ging. In solcher Zeit war mir mein Leben oft selbst schon traurig g«nu£j. Ich bin ja auch ein komischer Kauz. Ich habe so manche Fremde glücklich gemacht und meine eigene Tochter konnte ich nicht unter die Haube bringen. Sobald ich ihre Vorzüge vor einem jungen Mann loben wollte, wurde ich verlegen und stellte ihn irgend einem anderemMädchen vor. Wir wohnten damals in der Nähe der Atlantic Musik« halle, in der fast allabendlich Hochzeiten gefeiert wurden. Die Hochzeitsttänge brachten bei uns leider Gottes gerade

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