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Die Wahrheit · 1920-11-17 · Heft 19 (17.11.1920) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 19 (17.11.1920)
Date
1920-11-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Die Wahrheit Nr. iS « Waisenkindes eine wahrhaft trostlose ist. Nicht minder ergreifend in schier plastischer Bildhaftigkeit hat Jellinek ebenfalls vor fünfzig Jahre bei einem solennen Anlaß den Schrecken und Folgen des Krieges mit folgenden Worten Ausdruck gegeben: Was Fleiß und Sparsamkeit Jahre lang gesammelt, was die Anstrengung vieler Generationen aufgebaut, wofür die Liebe von Vater und Mutter ein halbes Menschenleben sich geopfert hat — an einem Tage hat es der Krieg vernichtet, für immer vernichtet! Sein Schauplatz ist mit Leichen übersäet, seine Gesänge werden vom Röcheln-der Sterbenden übertönt, seine Trophäen sind von Blut und Tränen überfließend — und ist der Mordstahl einmal gezückt, sind die verheerenden Feuerschlünde einmal geöffnet, ist die tierische Wut des Menschen einmal entflammt, wer kann da eine strenge Grenzlinie ziehen zwischen Schuldigen und Unschuldigen? Mußten doch die Israeliten in ihren Wohnungen eingesperrt bleiben, als am 14. Nisan der Würgengel durch Aegypten einherzog, weil auch sie mitten im Gemetzel das Verderben leicht treffen konnte; fordert doch der Prophet Jesaja Israel auf, sich in die verborgensten Gemächer zu flüchten. Leopoldftädter Tempelverein „Aeschel Awrohom". Im Nachtrage zu der schönen Tempelseier anläßlich des siebzigsten Geburtstages unseres verdienstvollen Obmannes Rat Adolf W e n g e r wurde in der Festsitzung am 14. d. M. das Bildnis des Jubllars enthüllt, bei welcher Gelegenheit Obmannstellvertreter S. Adler, sowie Rabbiner Dr. S. Funk die bedeutenden Verdienste des Obmannes um die gedeihliche Entwicklung des Tempelvereines würdigten, Oberkantor Giblichmann einen von ihm verfaßten herrlichen Mischeberach intonierte und Vorstandsmitglied Architekt I. Reiser mit einer Anzahl Lichtbilder des schönen Tempels den Jubilar überraschte. Leopoldftädter Krankennnterftützuugsverei« „Nächstenliebe". Zu der unter diesem Titel in der vorigen Nummer veröffentlichten Notiz haben wir nachzutragen, daß auch die Herren David Tänzer und Jakob Steinhardt wegen ihrer vielfachen Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden, welche Nominierung wir zu verzeichnen übersehen haben. Dnnksagaug. Für die großen Teilnahmsbezeugungen, welche mir von verehrlichen Vereinen, Freunden und Kollegen anläßlich des Ablebens meines Bruders Salomon Bauer zukamen, gestatte ich mir, auf diesem Wege den tiefgefühltesten Dank auszudrücken. Oberkantor Jakob Bauer. Bereinigung der Pester und der Ofner Md. Gemeinde«. Die Judenschast der Hauptstadt Ungarns hat einen bedeutungsvoll Schritt zu ihrer in den jetzigen Zeiten so notwendigen Konsolidierung gemacht. Sowohl die Pester israel. Religionsgemeinde, Äs auch die Ofner jüdische Gemeinde haben ihre Vereinigung zu einer großen jüdischen Gemeinde beschlossen, die die bisher getrennten angesehenen Gemeinden einer einheitlichen Verwaltung zuführt. Eine von beiden Gemeinden entsendete gemischte Kommission ist bestrebt, die Details der für das Gemeindeleben der Judenschaft Budapests so wichtigen Verschmelzung festzustellen. Vermischtes Druckfehlerberichtignng. In dem Artikel „Zum hundertsten Geburtstage Adolf Jellineks" in Nr. 18 der „Wahrheit" hat sich im ersten Absätze ein sinnstörender Druckfehler eingeschlichen und soll es statt die „Pflanze" die „Pflege der Agada" heißen. Firmanachricht. Herr Herm. S ch l a ch e t, bisher in Firma Naphtali S ch l a ch e t, Mährisch-Ostrau, wurde im Handelsregister als öffentlicher Gesellschafter der Firma A. Neufeld, «Wien, 2. Taborstr. 96, die nunmehr A. Neufeld L Co. lauten wird, eingetragen. Die Generalversammlung des israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines für den L. und 3. Bezirk findet Sonntag, den 21. d. M>, im Sitzungssaale der Kultusgemeinde, 1. Seitenstettengasse 4, statt. Die Kapitalsvermehrnng der Uuionbank. Die Unionbank begibt laut Generalversammlungs- Beschluß vom 30. Juni 1920 125.000 neue Aktien im Nominalbeträge von 50 Millionen Kronen. — Den Inhabern der im Umlaufe befindlichen 250.000 Aktien wird für je zwei alte Aktien eine neue Aktie zum Bezugspreise von 7fc0 Kronen per Aktie, abzüglich 5 Prozent Zinsen an diesem Betrage bis zum 31. Dezember 1920 angeboten. Das Bezugsrecht ist vom 5. bis einschließlich 17. November anzumelden. In Wien erfolgt die Anmeldung bei der Liquidatur der Unionbank und den Wechselstuben des Instituts. Traunngeu. Sonntag, den 14. M. fand im Badener Tempel die Trauung der Frau Susanne Milch, Tochter des Herrn Leopold Hauser, mit Herrn Paul Tänzer, Sohn des durch seine Wohltätigkeit bestbekannten Präsidenten der Friedhofsdelegierten der Chewra Chadischa in Wien, Herrn David Tänzer, statt. Beide Familien erfreuen sich in weiten Kreisen großer Sympathien, welche durch starke Beteiligung bei der Vermählung zum Ausdruck kamen. Die Trauung wurde vom Herrn Oberrabbiner W. Reich vollzogen, wobei Herr Oberkantor Kreutstein die kantoralen Funktionen in äußerst feierlicher Weise versah. * Sonntage den 7. November fand die Trauung des Fräulein Martha Pollak, einer Tochter des Schulrates Proseffor Dr. Heinrich Pollak, mit Herrn Julius Drechsler im Zeremoniensaale des Stadttempels statt. Rabbiner Dr. Rosenmann, der den Trauungsakt vollzog, richtete an das Brautpaar eine überaus herzliche Ansprache, in der er auf die großen und schönen Verdienste hinwies, die sich der Brautvater — sein persönlicher Freund — in seiner jahrzehntelangen amtlichen Tätigkeit um die Gemeinde erworben. Dann gedachte der Redner der beiden Großväter der Braut in beredten Worten, des sel. Herrn Rabbiner Pollak und des sel. Herrn Adolf Singer. Die kantoralen Funktionen versah in gewohnt vorzüglicher Weise Herr Oberkantor Mätyas unter Assistenz des Chores, der auch ein deutsches Lied weihevoll vortrug. —n— #

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