Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 19 (17.11.1920)
- Date
- 1920-11-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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i’Ufr i*i -ff» .< <A 'i rdffgff*. w« V! i «1 Seite 4 Die Wahrheit Nr. 19 verängstigten und korrumpierten jüdischen Bevölkerung j (und korrumpiert muß sie werden, wenn sie neben l dem Gesetz lebt) ist nicht möglich. Wir müssen dem jüdischen Volke durch die Sicherung seiner Rechte die Bedingungen schaffen, nicht aus die Mittel der Korruption für seine Existenz angewiesen zu sein. Ein Kampf um die Rechte des jüdischen Volkes hier ist ein Kampf um die Moral des jüdischen Volkes; und er muß geführt werden, weil Palästina nur von innerlich freien Menschen aufgebaut werden kann. Wir müffen unsere Pflicht tun für das jüdische Volk hier, weil eS zugleich die Erfüllung der Pflicht gegen das jüdische Volk in Palästina ist. Der vorangegangene Wahlkampf hat uns in dieser Arbeit ermuntert. Wir «iffen heute, daß in Wien 20.000 Juden diese Arbeit billigen und an ihr teünehmen wollen. An diese 20.000 anknüpfend müffen wir darangehen, unsere Organisation so auszubauen, daß sie die überwiegende Majorität der Juden Oesterreichs umfaßt." Wir müffen bemerken, daß die zitierten Worte dem Referate vorweggenommen sind, das Herr Stricker am Abend de- 30. Oktober im Saale des Gewerbevereins der Zionistenversammlung erstattete, wo er, da die Herren schön unter sich waren, seiner Beklommenheit darüber Ausdruck geben konnte, daß die palästinensische Parteileitung in einer Resolution verlangt' hat, die österreichischen Parteiführer mögen jede Bedrückung der Juden hier abwehren. Ein solcher Kampf nach zwei Fronten dünkt Herrn Stricker über feine Kraft. Run, dann möge er, vor die Entscheidung gestellt, sich voll und ganz seiner Aufgabe in Erez Jis^oel widmen. Die österreichischen Juden — am wenigsten die Wiener — bedürfen der zionistischen Fürsorge und Protektion nicht. Auch die Verquickung der Zionsarbeit mit der inneren Mission, wie sie Herr Stticker und die um ihn herum planen, ist undenkbar, weil gerade die «innerlich freien Menschen" zum geringsten Teile bei «ns den Drang zur Auswanderung haben und, die das Hauptkontigent stellen, verelendete, verhärmte, verzweifelnde Juden aus dem Osten, das halbasiatische Magyarien eingeschlossen, sind, die nicht nur neben, sondern außer dem Gesetze leben. Diesen Unglücklichen zu helfen, ist nicht nur Wunsch und Vorsatz jener 20.000 Juden, auf die sich Herr Stricker beruft, sondern ungezählter Millionen in aller Herren Länder. Wenn sich Herr Stricker solcher Aufgabe ausschließlich widmet — und niemand kann zweien Herren dienen — dann hat er ein würdiges Ziel zur Betätigung seiner unleugbar bedeutenden Kraft, die wir nie bezweifelt hatten. Dr. I.S.Bloch's 70. Geburtstag. Von Chajim Bloch. Am 20. November l. I. wird Dr. I. S. Bloch, Begründer und Herausgeber der in weiten jüdischen Kreisen bekannten „Dr. Blochs — früher Oesterreichischen — Wochenschrift", in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit siebzig Jahre alt. Die aufgewühlte und blutige Zeit, die wir durchleben und in ihren Auswirkungen noch immer schwer empfinden, ist nicht geeignet. Feste zu begehen. Doch darf es nicht unterlassen werden, über Bloch, dessen Leben und Wirksamkeit mit dem Wiener Judentum durch viele Fäden verbunden ist, aus diesem Anlasse einiges zu veröffentlichen. Bloch, der bekanntlich anfangs der Achtzigerjahren den Posten eines Bezirksrabbiners in Floridsdorf innehatte und'dreimal die Juden des Wahlbezirkes Buczacs-Kolomea-Sniatyn im früheren österreichischen Abgeördnetenhause vertrat, hat aus das kulturelle und politische.Leben der Juden Wiens und der ganzen Monarchie großen Einfluß geübt. Der Raum dieses Blattes gestattet es nicht, hier die vierzigjährige Wirksamkeit Blochs umfassend zu schildern. Ich halte es auch für überflüssig, da doch schon in wenigen Tagen eine Festschrift zu seinen Ehren aus der Presse kommt, für welche Freunde und Verehrer des Jubilars sich zusammen taten, Bloch als Abgeordneten, Schriftsteller und Kämpfer für die jüdische Sache zu schildern. Den Kampf, den Dr. Bloch seit fast vier Jahrzehnten zur Abwehr der von Hassern und Feinden über das Judentum verbreiteten Lügen und Verleumdungen führt, hat ihm bei den Juden der ganzen Welt Ruhm und" Dankbarkeit verschafft. Nur wenige der jüngeren Generation werden von Dr. Blochs mutigen Kämpfen gegen den Universitätsprofeffor Rohling und Domkapitular Deckert, wie auch gegen die jüdischen Apostaten Justus Brimann und Paulus Mayer Kenntnis haben. Und er hatte den glänzenden Erfolg, alle seine Gegner zu besiegen, die Wahrheit der jüdischen Lehre, die jüdische Ethik, Sittlichkeit und Menschenliebe zu beweisen. Seine im Interesse des Judentums gehaltenen Parlamentsreden erregten überall Bewunderung. Aus allen Weltteilen gingen ihm Beglückwünschungen zu. Ehrliche Christen, Männer von Ruf, waren von seinen Worten ergriffen und drückten ihm ihren Dank aus. Blochs Tätigkeit für das Judentum wird mehrere Ehrenblätter der jüdischen Geschichte des letzten Jahhunderts zu seinem dauernden Ruhme ausfüllen.