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Die Wahrheit · 1920-11-17 · Heft 19 (17.11.1920) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 19 (17.11.1920)
Date
1920-11-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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MMwWLeZeMM für MMeMeEn- Äerortifi REDAKTION ^ADMINISTRATION 42 2-16 Wien, 2. Kaiser Josefstratze 1Z N,immer LS XXXVI. Jahrgang Wien, 17. November LSSS Zionistische Zukunftsträume. Wenige Tage vor der Neukonstituierung des zionistischen Landeskomitees für Oesterreich hat die Parteileitung eine Versammlung einberusen, dessen einziger Programmpunkt „die Ausgaben der österreichischen Judenschaft nach den Wählen" bildete. Es ist kein Verlust für unsere Leser, wenn wir sie mit den politischen Gallimathias des Vorsitzenden Dr. Schalit verschonen, der nach verschiedenen Phantastereien zur Bildung der jüdischen Einheitsfront gegenüber der antisemitischen Einheitsfront aufrief. Wie man bei uns jüdischnationale, gesetzestreue und assimilatorische Gruppen zur Einheitsfront schweißen soll, hat Dr. Schalit leider nicht gelehrt. Aber auch Dr. Stricker hatte mit seinen folgenden Ausführungen keinen glücklichen Tag, ließ die logische Folgerichtigkeit, die seinen Reden sonst eigen war, vermissen und verkannte die tieferliegenden Ursachen seines Wahlmißerfolges, mit dem sich ja seine Partei selbst solidarisch erklären muß. Man hatte den Eindruck, daß der Führer seiner Partei weniger einen Kampfruf, als einen Schwanengesang anstimmte. Dr. Stricker sagte einleitend: „Schon die Tatsache, daß die Wahlniederlage der Zionisten bei den Gegnern nicht den in solchen Fällen üblichen Jubel, sondern vielfach sogar Unmut ausgelöst hat, beweist, daß unsere Arbeit nicht Parteiarbeit ist, sondern Arbeit für das ganze jüdische Volk ohne Unterschied der Parteigruppierung. Wir stellen uns in den Dienst der jüdischen Sache in Oesterreich nicht um politischer und wirtschaftlicher Machtpositionen willen, wie die sogenannten „großen Parteien", und arbeiten nicht für eine Partei, sondern für die Juden. Diese Erkenntnis ist den Juden Oesterreichs erst nach den Wahlen aufgegangen und nun empfinden sie den Verlust der parlamentarischen Vertretung nicht als Verlust der zionistischen Partei, sondern als Verlust der österreichischen Judenschaft." In diesen wenigen Sätzen bereits finden wir einen durch Verstimmung getrübten Blick oder ein Auge, das sich absichtlich vor den vollzogenen Tatsachen verschließt. Bei wem sonst als bei den Parteigenoffen Dr. Strickers hat dessen Durchfall Unmut ausgelöst? Es war für die nichtzionistische Welt eine höchst belanglose Sache, und da falsche Voraussetzungen falsche Schlüffe erzeugen, ist es auch unrichtig, daß Stricker, beziehungsweise seine Partei „Arbeit für das ganze jüdische Volk" leistet. Die unglücklichen galizischen Flüchtlinge, für die allerdings die Partei stark ins Zeug ging, dürfen doch nicht als das ganze jüdische Volk angesprochen werden, zumal die Westjuden aller Länder, und nicht ohne triftige Gründe, gegen einen gewissen Zweig der Ottjuden alles eher als Zuneigung empfindet. Begreiflicherweise ist den Gegnern des Herrn Stricker sein Mandatsverlust keine Ursache des Unmuts, dieser Verlust kein solcher der österreichischen Judenschaft. Man darf auch nicht Reden mit Arbeiten verwechseln, sonst wäre Herr Stricker als einer der tüchtigsten Arbeiter der gewesenen Nationalversammlung zu betrachten. Geschehene Dinge laffen sich nicht ändern, aber wie stellt sich Herr Stricker zu den kommenden Dingen, die sich in seinÄr Träumen als Pogroms, Vertreibungen oder mindestens Unterdrückung der österreichischen Juden darstellen? Politische Erziehung ist ihm das Wichtigste. Ungefähr dasselbe verkündeten auch die Sozialdemokraten. Nur daß in beiden Fällen übersehen wird, daß sich die Wähler schon längst ihre Selhsterziehung gegeben haben, klug durch Erfahrung und eigenen Schaden den verbrauchten Kunststückchen der Wahltechnik nicht hin einfallen. Im weitern Verlauf seiner Ausführungen sagte Herr Stricker: „Wir wollen aber auch in unserer Arbeit! unentwegt deshalb fortschreiten, weil unsereArbeit! für Zion mit dieser unserer Arbeit für! das jüdische Volk hier untrennbar zu-! sammenläuft. Eine zionistische Arbeit unter einer irfmiiri

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