Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 18 (3.11.1920)
- Date
- 1920-11-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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D i e Wahrheit ÄFite ft. Feind, der nur auf den günstigen Moment wartet, losschlägt? Ist es nicht natürlich, daß der Teil bei Nacht und Nebel die Ferne sucht und die Juden „nichts mehr als Leichen finden". Professor Delitzsch scheinen wirklich alle guten Geister verlassen zu haben, als er dieses Kapitel niederschrieb. Von Haß geblendet, übersah er den 22. Vers, in welchem es heißt: „. . . da stellte der Herr einen Hinterhalt gegen die Söhne Ammons und Moabs und gegen die vom Gebirge Seir, welche gegen Juda gekommen waren und sie wurden geschlagen." Es war also ein fremdes Herr, welches der vereinigten Armee eine Niederlage bereitete und es muß als Frivolität bezeichnet werden, so leichtfertig Anklagen gegen die heilige Schrift zu erheben, die jeder Berechtigung entbehren. Es würde zu weit führen, all die großen und kleinen Jrrtümer aufzuzahlen, die dem Herrn Professor unterlaufen sind. Es wollte die Entbehrlichkeit des alten Testaments für die christliche Familie beweisen, wollte — um diesen Zweck zu erreichen — das Judentum und die Lehre des Judentums in den Schatten stellen. Um jeden Preis. Wollte auch mit dieser Schrift, wie mit früheren die organische Verbindung zwischen Judentum und Christentum lösen. Schade um die Arbeit! Es wird nicht gelingen. Denn diese Verbindung ist keine Täuschung, Herr Professor. Sie beruht auf Wahrheit und „Wahrheit besteht". Die Gemeinde der (Lhassidim. Bon Chajim Bloch. (Schluß.) Und Abends, wenn meine Leidensgenoffen nach des Tages Mühen und * Quälereien in Saus und Spiel Vergnügen suchten, zog ich mich vereinsamt zurück und fand in der Abgeschiedenheit, im chassidischen „Hisboddedet", meine Ruhe. Ein Zufall brachte mich in den Besitz des Buches „Maer W'Schumesch" — „Licht und Sonne" Kommentar zum Fünfbuch, welches Rabbi Klonimus Kalman Epstein, ein Chaffidimhaupt in Krakau (starb 1823), zum Verfasser hat. Darin fand ich köstliche Labung und konnte mich in der tiefsten Bedrängnis aufrecht halten. Er lehrte: „Alles Bösedas über den Menschen kommt, ist gut". Ich hatte doch dieses Guten genug . . .! Bald erhielt ich noch ein sehr interessantes Buch. Ein dreiteiliges hebräisches Werk, welches den Titel „Lekute Schoschanim", „Rosensammlung" trägt und hübsche Auslesen des chaffidischen Schrifttums enthält. Das Buch hatte sein besonderes Schicksal. Ein jüdischer Soldat aus Turkä a. S. nahm es mit sich, als er zum Militär einrückte. Bevor er den Standort seines Kaders verließ und ins Feld ging, übergab er es einem Juden in Györ-Szentmärton bis zu seiner Rückkehr. Schon am ersten Tage, als er an die Front kam, fand er den, wie sie es schon nennen, „Heldentod". Diesem Buche waren die populären chaffidischen „Kahal Chaffidim" — „Die Gemeinde der Chaffidim" (1. und 2. Folge) angeheftet. Je mehr ich mich in diese Bücher versenkte, umso mehr gewann mich der chaffidische Gedanke wieder. Diese Werke sind auch die Hauptquellschriften zu meinem vorliegenden Buche. Jüdische Kriegsgefangene im Kriegsgefangenenlager Csot bei Päpa, besonders einer aus Fastow bei Kiew, der im Spital ein qualvolles Leiden standhaft und ergeben bis zur letzten Stunde ertrug, waren überglücklich, wenn ich ihren Geschichten zuhörte. Sie sind in vorliegender Sammlung hereingenommen. Nun entschloß ich mich, jene Geschichten und Deutungen,- die am kräftigsten auf mich wirkten, ins Deutsche zu übersetzen. Martin Buber, dessen Geschichten des Rabbi Nachman ich schon früher gelesen hatte, war mir ein Wegweiser. Ich begann den Stoff zu bearbeiten und das sertiggebrachte Material an verschiedene Zeitschriften zu senden. Mit welcher Mühe ich meine Arbeiten vollbrachte, ist schwer zu schildern. Herr Rabbiner Professor Dr. Winter (Dresden) schrieb mir: „Daß Sie in dieser Zeit und an diesem On sich mit literarischen Arbeiten befassen, ist bewundernswert". Immer mehr zog mich diese Arbeit an und selbst in Augenblicken schwerster Niedergeschlagenheit nahm ich zu ihr Zuflucht. Erst als ein beträchtlicher Teil meiner Sammlung in Zeitschriften Aufnahme gefunden hatte, entschloß ich mich, auch eine Darstellung der Geschichte des Chaffidismus zu verfassen; sie bildet den ersten Teil des vorliegenden Buches. Und so gebe ich dieses Buch auS der Hand, von der Ueberzeugung geleitet, mein Bestes gegeben zu haben: es ist Blut von meinem Blute, Fleisch von meinem Fleische.' Chajim Bloch. * Wie wir schon bei der seinerzeitigen Besprechung des hervorragenden Werkes des bekannte chaffidischen Schriftstellers Chajim Bloch hervorgehoben haben, ist dasselbe, infolge seines tiefen Gehaltes für alle jüdische Kreise sehr lesenswert. Die mit Bewilligung des Verlages und des Autors gebrachte Einleitung wird durch die Schilderung der Entstehungsgeschichte des Werkes diese unsere Meinung bestätigen.