Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1920-11-03 · Heft 18 (3.11.1920) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 18 (3.11.1920)
Date
1920-11-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063928-3063945--11060-3078443
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 18 T Die Wahrheit Seite 5 Schwarz, KultusvorstandDr.Joses Ticho, Simon Weine r, Adolf W e i ß, Josef W e rß, Kultusvorstand Robert Wortmann gewählt. Rabbiner Dr. Grunwald dankt für dar ihm bisher und neuerlich entgegengebrachte Vertrauen und gibt der Erwartung Ausdruck, er werde ihm gelinqen unter Mitwirkung so hervorragender Mitarbeiler, namentlich eines so rührigen Schriftführers wie Herr Bezirttrat Rübner, dem Vereine die schönsten Erfolge zu schaffen. - * Anschließend an die Generalversammlung hielt nun Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald einen Vortrag, über „Jüdische Waisenfürsorge", den wir an anderer Stelle auszugsweise veröffentlichen. L. H. Professor Delitzschs „Große Täuschung". Bon SfUlbincr Dr. Salomon Funk. (Schluß zu Nr. 15.) Die Tätigkeit der Propheten als Sittenprediger, als strenge Verfechter von Recht und Gerechtigkeit, bezeichnet auch Profeffor Delitzsch als „Lichtpunkt in diesen Betrachtungen", er kann aber doch nicht umhin, seiner Entrüstung über den Wunderglauben Aufdruck zu verleihen, der in den Prophetenschulen «großgezogen und von der prophetischen Geschichtsschreibung verbreitet wurde. Er ist empört über Erzählungen, „die unS daS schwerste Opfer abringen, nämlich die Preisgabe unseres Intellekte-", wie die Wundererzählung II. Chrom 30, 1—30, die wir mit den Worten Delitzschs wiedergeben. „Drei Feinde, Edomiter, Ammoniter, Moabiter waren zur Zeit deS Königs Jehoschafat mit ungeheuren, Heerhaufen in Juda eingefallen und hatten in einem Hochtale an der Westküste der Toten Meeres Aufstellung genommen. Aber der König von Juda und fein Volk werden durch eineu Leviten, über den der Geist Gottes gekommen war, aufgefordert, den Kampf gegen die drei feindlichen Heere ausschließlich Gott zu überlgssen. So zieht zwar der König von Juda mit seinem Volke auS nach dem Kampfplatze, rühren aber, dort angelangt, weder Hand noch Fuß. Da ließ Gott, während das judäische Heer Lobpsalmen anstimmte, die drei feindlichen Heere sich gegenseitig bis auf den letzten Mann umbringen (Delitzsch hat hier ein!), und als die Judäer von einem Hügel der Wüste Ausschau hielten, fanden sie nichts mehr als Leichen . . Kautzschs- Bibelübersetzung — fügt nun Delitzschs hiezu — nennt diese Erzählung eine „erbauliche" Umgestaltung der ' II. Kön. drei erzählten Wundergefchehniffe — sollte nicht statt „erbaulich" vielmehr „psychopathisch- oder „pathologisch" darichtige „Epitheton" fein. Wir haben das langatmige Zitat wiedergegede», um zu zeigen, wie der Autor auch in der Ausdrucks» weise sich von blindem Haß gegen daS A. T. leite» ließ. Wahrlich, Delitzsch hat wodl daran getan, daß er in der Einleitung um Verzechung gebeten, „wenn er sich in der Wahl diese- oder jenes Ausdruckes vergriffen haben sollte". Sein Vater hätte chm eine solche Au-druckSweise gegen die heilige Schrift nie und nimmer verziehen! War berechtigte chn aber, diese Erzählung alS „pathologisch" zu bezeichnen? Daß drei Feinde, die einen gemeinsamen Feldzug unternommen, bei der Teilung der Beute — ohne Zweifel war die ungeheure Beute, die drei Tage hindurch geborgen wurde und welche die drei Heere sicherlich nicht auS den heimatlichen Ländern mitgebracht, die Ursache der Zerwürf» niffe — auS- und übereinandergerieten. ist keineswegs unglaubwürdig. So etwahat auch Profeffor Delitzsch, haben wir alle erlebt. ES muß die Redewendung, daß die feindlichen Heere „sich gegenseitig bis auf dm letzten Mann umgebracht" (Delitzsch fetzt hier auch ein!) und daß die Juden „nicht-, alS Leichen gefunden" hätten, den gelehrten Forscher so in Harnisch gebracht haben. Aber wegen dieser Redewendung hätte sich der Herr Profeffor nicht so ereifern müffen, selbst wmn sie wörtlich zu nehmen wäre. Dieser Satz der Erzählung erinnert mich an eine Rechenstunde bei meinem alten Dorfschullehrer, der eine solche mit folgenden Worten eröffnete: Kinder, vor einer Stunde saßen 30 wilde Tauben auf dem Birnbäume draußen, da karp der Jäger und schoß 5 Tauben tot, die leblos herunterfielm. Wieviel Lauben sind nun nuf dem Baume fitzen geblieben? 15, Herr Lehrer, tönte es zu gleicher Zeit von fünf frischen Kinderlippem Aber keine Spur; erwiderte der alte Lehrer klug lächelnd. Wir sahen unS erstaunt an, nahmen den Bleistift und rechnetm: 30 —5---15. Also Kinder, wieviel sind auf dem Baume fitzm geblieben? 15, Herr Lehrer! Aber Kinder, denkt mal, 30 Tauben fitzen da oben, jetzt kommt der böse Jäger und schießt: piff, paff, 5 Tauben fallm tot zu Boden. Werden die anderen oben sitzen bleiben und warte« bis der Jäger sie totschießt. Da wärm sie aber dumm! Keine einzige ist sitzen gebliebm. Die andem 15 find davon geflogen. Ja so ist eS, Herr Profeffor, denkt« Sie mal, wenn drei Armem sich bekämpfen und ein großer Teil derselben als Opfer der Schlacht die Erde deckt, wird da der andere Teil «arte«, big der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.