Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 17 (20.10.1920)
- Date
- 1920-10-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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. Mite 6 Die Wahrheit Är. 11 der höchsten Würdigkeit. Wer würde bei diesen Ver- Hältniffen, die eine eminente Hingabe von Vater und Sohn, an das Judentum bekunden, teilnahmslos bleiben und nicht schließen: Der Jüngling ist ein wirklich guter Jude nach Erziehung und Gefühl, stoßen wir ihn bei der Bekundung seiner religiösen Gesinnung nicht zurück. So entstand der Konflikt, der menschlich und begreiflich ist. Belehrung deS Vaters und Sohnes vor der Zulassung zur Thora hätte beide MLnner bewahrt vor dieser unerquicklichen Auseinandersetzung. Die Lehre sei für alle: Achtung und Befolgung des Religionsgesetzes und Ausführung desselben in schwierigen Fällen deS Alltags durch Lehre und Klugheü. M. Pollak. * * . * Des weiteren erhalten wir zu dieser Sache folgende.Zuschrift: Ich bitte folgende Berichtigung zu veröffentlichen: ES ist unwahr, daß.ich Herrn Direktor Brüll gesagt habe, ich. mochte mit Herrn Müll e r im Vorstände nicht mehr arheiten. Wahr ist, daß ich Herrn Direktor Brüll gesagt habe, es verleiden mir solche und andere unschöne Angelegenheiten, die seit kurzem _ im Vereine platzgreifen, das Arbeiten im Vorstande des Tempelvereines. Zum Beweis meiner Behauptung führe ich noch an, daß ich Herrn . Direktor Brüll gesagt habe, ich kann mir den Tempelverein Döbling ohne Herrn Müller als Obmann gar nicht, vorstellen. Für die Veröffentlichung bestens dankend Hochachtungsvoll Jakob Weigl. * . * Vom Herrn Dr. Zimmels, dem ReligionSprofeffor der Abiturienten, die im. Währinger Tempel zur Thoxu gerufen wurden, erhalten wir nach Abschluß der "vorliegenden Nummer eine gründliche Aeußerung gegenüber der Meinung, als ob die Thora durch den geschWerten Vorfall entweiht worden wäre. Wir werden in der am Donnerstag, den 4. November erscheinenden Nummer , unseres Blattes umso lieber an die Veröffentlichung des eingesandten Artikels gehen/ als hindurch auch der Charakter und das wahre EvWndkn des jungen Lederer in das "nchtige Licht gerückt wird. Die Redaktion. ahrheitrn vom Tage Arrf dem Rücke« der Juden. Die Wahlkämpfe sind— aufatmend schreiben wir esnieder — vorbei. Sie boten in keiner Weise ein moralisch und kulturhistorisch erfreuliches Schauspiel, soweit die streitenden Pareien ihre Sache auf dem Rücken der Juden ausgetragen haben, Daß die Christlichsozialen ihr altes antisemitisches Programm unter dem Trommelwirbel der bekannten Phrasen und Schlagworte verkündeten, konnte uns bei dieser Parte«, die gleich den Bourbonen nichtgelernt und nichrs vergessen hat, keineswegs überraschen. Daß der Ton dieser Leute seit anno Lueger verschärft, ihre Taktik verwildert. wurde, mag im Charakter der neuesten Zeit liegen. Darin liegt auch die Erklärung, daß ihre großdeutschen Mitbewerber um die Mandate die Judensrage noch ingenvoser als die Kunschakleute behandelten. Die deutsche Einheitsfront wurde in der Weise hergestellt, daß nach den Signalen aus dem Deutschen Reich manövriert wurde, wo die deutsche Volkspartei, die deutschnationale Volkspartei und die Nationalliberalen den Gedanken, getrennt marschieren und vereint auf die Juden schlagen, bekanntlich in die Tat umgesetzt haben. Die Kvnschak- und die Riehl-Leute mögen einander in Machtfragen persönlicher Natur gelegentlich in die Haare geraten, wenn es aber gegen dis Juden geht, sind sie zu einem faulen Burgfrieden stets geneigt. Es gibt ja nichts, was bei der. urteilslosen Menge unfehlbarer den Wahlsieg sichern kann als die Ansage einer Judenhetze. Aber nicht bloß diese politischen Erbfeinde unserer Glaubensgenoffen haben sich die bequeme Wahltechnik auf Kosten der Juden zurechtgelegt, auch die Partei der Sozialdemokraten kann der Strömung deS Tages nicht.ganz widerstehen und, wenn sie gleich das Internationale und Interkonfessionelle betonte, so hat sie doch ein Hinterpförtchen gefunden, von dem aus sie wenigstens den Ostjuden an den Kragen geht. Die politischen Kinder, die breiten arischen Massen hören eS gerne und auch in Wahlangelegenheiten heiligen bedenkliche Mittel den Zweck. Aber selbst die berechtigte Hoffnung, daß angesichts der wichtigen Dinge, die bei den Nationalratswahlen für die Juden auf dem Spiele stehen, diese ihre kleinlichen Zwiste und Meinungsverschiedenheiten zu Gunsten der gemeinsamenJnteressen hinanstellen werden, selbst diese Hoffnung wurde enttäuscht. Die Jüdischnationalem haben zum Ergötzen der arischen Welt in . Wort und Schrift jene Glaubensgenoffemgeschmäht, verdächtigt und angeprangert, die außerhalb deS s jüdischnationalen Lagers stehen. Und die Erfolge dieser verhängnisvollen Wahltechnik verzeichnen wir heute mit aufrichtiger Betrübnis, aber sie kamen mit mathematischer Sicherheit. Sie waren ein- Exempel für die Richtigkeit des alten Wahrwortes> daß es immer einen lachenden Drittengibt, wenn zwei /streiten. Wir sehen aber auch neuerdings bestätigt, daß man nicht dadurch besser erscheint, wenn man den anderen schlecht zu machen sucht. Und schließlich die große Lehre für die Zukunft, daß nicht nur.