Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 16 (6.10.1920)
- Date
- 1920-10-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063928-3063943--11034-3078415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 17 Nr. 16 Die Wahrheit zur Routine verwässern. Sie mögen ihn insbesondere nie selbstgefällig und selbstzufrieden machen, denn daran sind schon viele große Begabungen zugrundegegangen. Er besitzt, wie wir glauben, das Werkzeug eines großen genialen Sängers und Vorbeters, schaffe er sich dazu auch die große, heilige, jüdische Seele. Die aber kann ihm nur werden in einem ständigen Studium unserer heiligen Thora. Sie wird ihm immer jene Demut und hingebungsvolle Treue vermitteln, die er besitzen soll, wenn er betend vor seiner Gemeinde steht, und sie, wird in ihm das Bewußtsein lebendig erhalten, in jenen Stunden in allerhöchstem Dienste zu stehen. Auch tn dieser Hinsicht wünschen wir ihm eine „Kesuwo Wechasumo towo". 5. Tischri '5661 Emil Meißner. Israelitische Knltu-gemeinde Wie«. Z. 1808/125 ex 1920. In der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 20. September 1920 wurden die am 27. Juni 1920 vorgenommenen Wahlen in den Kultusvorstand und der Vertrauensmänner*) vom Vorstande anerkannt und wird hieünt das Resultat dieser Wahl verlautbart. Gewählt erscheinen: A)zu Vorstandsmitgliedern der Kultusgemeinde für eine vierjährige Mandatsdauer: Dr. Josef Auerbach, Rechtsanwalt, 3. Hauptstraße 14/16. Isidor Austerlitz, Kaufmann, 2. Zirkusgasse 20. Richard B e t t e l h e i m, Prokurist, 1. Dominikanerbastei 17. Siegmund B o n d i, Großindustrieller, 2. Untere Augartenstraße 1. Bernhard Buchwal d, Fabrikant, 7. Lindengaffe 16. Dr. Jakob Deutsch, prakt. Arzt, 17. Ortliebgaffe 50. David D o h a n, Kaufmann, 1. Salzgries 15. Dr. Jakob Ehrlich, Gemeinderat der Stadt Wien, 1. Helferstorferstraße 9. Dr. Jakob Enge l^llechtsamvalt,. 6. Mariahilferstraße 53. Siegmund E p l e r, Bankdirektor, 2. Baleriestraße 59. Dr. Ernst Friedjung, Apotheker, 6. Wimmergaffe 33. Dr. Defider Friedmann, Rechtsanwalt, 1. Schottenring 26. Ignatz Glück, Handelsgesellschafter, 9. Seegaffe 6. Jakob Herzog, Beamter des Bankvereines, 1. Spiegelgaffe 8. Siegmund K a n d e r s, Weingroßhändler, 6. Simmeringer Hauptstraße 80. Ing. Wilhelm K e m p l e r, Baurat, 9.Liechtensteinstraße26. Dr. Salomon Ären» Berger, Direktor des Taubstummen-Jnstitutes, 3. Rudolfsgaffe 22. Dr. Leo Landau, Rechtsanwalt, 1. Bräunerstraße 7. OsiaS März, Kaufmann, 2. Große Echiffgaffe 19. Dr. Isidor Margulies, Rechtsanwalt, 1. Wollzeile 3. Max Markus, Kaufmann, ' 3. Diestlergaffe 8. Adolf O b e r l ä n.d e r, Architekt und Stadtbaumeister, 9. Ferstelgaffe 4. Wolf Pappenheim, Kaufmann, 2. Kleine Pfarrgaffe 1. Dr. Alois Pick, Universitäisprofeffor, Generaloberstabsarzt a. D., 1. Rudolfsplatz 12. Jakob P i n k a S, Bankgeschästsinhaber, 1. Heßgaffe 7. Dr. Leopold P l a s ch k e s, Gemeinderat der Stadt Wien, 2. Nos aragaffe 28. Dr. Karl P o l l a k, Zahnarzt, 1. Helferstorferstraße 4. Dr. Benjamin Rappaport, Hofrat a. D. 9. Alserbachstraße 33*. Moritz Reif, Kaufmann, 3. Veithgaffe 11. Dr. Isidor S ch a l i t, Zahnarzt, 9. Währingerstraße 3. Isidor Schwarz, Disponent, 2. Ferdinandstraße 28. Moritz *) Diese bringen wir wegen Raummangel erst in der nächsten Nummer. Die Redaktion. Schwarz, Kaufmann, 21. Fahrbachfiraße 1. Ing. Robert Stricker, Abgeordneter, 2. Stefaniestraße 10. Rudolf T a u s s i g, Regierungsrat, 1. Schottenring 24. Dr. Josef T i'ch o, Rechtsanwalt, 1. Dorlaufstraße 1. Robert Wortmann, Bankier, 19. Eichendorffgaffe 3. Eine Slichoth-Nacht des Jahres 5678. (Aus meinem demnächst erscheinenden Kriegstagebuch.) Dichte Finsternis lag über der Stadt, die in tiefen Schlaf gesunken war; eine Totenstille herrschte in allen Gaffen. Nur in einem Viertel, in einigen kleinen, engen Gäßchen herrschte noch Bewegung und Leben, es rührte und regte sich; Häuser und Häuschen waren beleuchtet und man ging in denselben ein und aus. Es war das jüdische Viertel. Dort ging man nicht schlafen, denn man wartete auf die zwölfte Stunde, um in’£ Bethaus zu tzen „Slichot" zu gehen. Auch in den Baracken unseres Detachements herrschte, da schon längst 9 Uhr vorüber war, vollste Ruhe. Sämtliche Soldaten schliefen schon fest den süßen Schlaf nach getaner schwerer TageS- und Nachtarbeit; sie lagen da wie eine einzige Familie, dicht aneinander auf den Pritschen und gaben die Musik des Schlafes zum Besten. Der eine stöhnte, der andere schnarchte, der dritte redete aus dem Schlafe und mancher leistete sich was von „natürlichen Dingen". Nur die jüdische Mannschaft schlief nicht. Wir saßen traut beisammen und warteten auch, um zu den „Slichot" zu gehen. Die Stimmung war eine tiefernste, fast eine heilige, eine wirkliche Elul'Stimmung; wir plauderten wehmütig von „einst und jetzt", oft ward es ganz still und jeder versank in seine eigenen Gedanken, aber es waren dieselben Gedanken, dasselbe Sinnen und Trachten von gewesenen „guten" Tagen und den derzeitigen bösen, es war dasselbe Bangen und Sichsehneu, dasselbe inbrünstige Flehen und Hoffen auf das Heimkehren zu den Lieben, die daheim um unserwillen vor Kummer und Aerger vergehen und Tränen vergießen; alle verlangten danach wieder „Bne-Chorin", Menschen, die sich gehören, zu werden. Nachdem wir lange so geseffen, teilten wir uns dann in zwei Parteien, die einen sollten gleich um Mitternacht ins Bethaus gehen und die andern erst gegen 8 Uhr nachts. Diese letzteren legten sich schlafen. Sie fürchteten nicht, zu verschlafen, denn sie hatten jemanden auf den sie sich verlafsen'konnten, daß er sie zur rechten Zeit aufwecken wird: Ich war es. Es fiel mir also die Aufgabe des weckenden „Schameß" zu. Ich hatte zwar keinen Hammer, um wie der Schameß durch Poltern zu wecken und ich durfte auch nicht wie er das „Steht auf l' awoidas haboire" mit lauter Stimme schreien, da doch zugleich meine Aufgabe als Tagcharge die Ueberwachung der Ruhe war und ich nicht den nichtjüdifchen Soldaten den Schlaf stören durste. Aber ich hatte wahrlich keine Weckmittel nötig, da wir doch Soldaten waren, die stets berett sein müffen. Ich berührte jeden nur leicht und bald waren alle auf den Füßen, sie Neideten sich rasch im Finstern und in aller Stille an und wir gingen. Daß mich der Zufall diesmal als „Wecker" für meine Volksgenossen ausersehen hatte, hatte für mich einen tiefen Sinn und ich tat ein Gelübde, mein Leben lang zu wachen für die Interessen meines Volkes, aber auch andere von ihrem Schlafe zu erwecken und sie zu ermuntern und aufzurichten zur Arbeit sür das Wohl unseres Volkes. Jehudah Jizchak Meilen. ‘A Ti>. 'r 0 x I r;-