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Die Wahrheit · 1920-10-06 · Heft 16 (6.10.1920) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 16 (6.10.1920)
Date
1920-10-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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f^aBmssssx.m «anMpamgpai Gerte li für den Miuderwert eines politischen Führers heißt bei arckeren Völkern: „Unverantwortlichkeit"! Gilt in der zionistischen Organisation überhaupt mehr die Psticht der Verantwortlichkeit? Sie reißen Achten Sinnes ihre eigene Organisation, sowie das ganze Judentum in Situationen, deren Konsequenzen sie nicht absehen, verfechten Programme, die von ihren Grüßen als Wahnwitz verdammt' wurden und die sich trotz den verzweifeltsten Mitteln in keinem Staate durchsetzen können, sondern nur einer Oberschicht von einigen Dutzend Personen Positionen verschaffen und niemand ist da, der sie zur Rechenschaft zieht! Die verantwortlichen Elemente verschwinden von der Oberfläche, das Unheil verbreitet sich »ach zwei Richtungen: Die Lage des Judentums wird von Stunde zu Stunde bedrohlicher und dje Mchrner, welche die Zügel seines Schicksals an sich geriffen haben, werden stets sorgloser und unverantwortlicher. Ein verhängnisschwereS Jahre ist zur Neige gegangen, wir prüfen die Bilanz und fragen: „Wer ist verantwortlich für das grauenhafte Defizit der jüdischen Lage?" „Oeffnet Eure Augen vor Eurer Verantwortlichkeit!"' Anlätzttch meines siebzigste» Geburtstages sind mir f» vielfache autzerarbeuttich ehrende Beweise der Teilnahme und Sympathie entgege«,eb«cht morden, datz ich autzerstande bi«, alle« u«d jedem meiner geehrten Freunde, fprzie» zu danken, und solches deshalb ans diese» Wege veranlasse. ■ Ach danke zunächst dem Präsidium der Wiener israelitische« siultusgemeinde und de« Vorstände der Ghemra Sadtscha. Ach danke ferner de« ehrwürdigen Herrn Rabbiner De. S. Funk, «eine« geehrte« BarstandSko>eg«r, den Mitglieder« unseres Vereines und de« ANnkttonLre« für die wahrhaft erhebende Tempelseier. Ach danke des wettere« de» geschätzte» Abordnungen derTempelvereiue, Sorporattone» ufw., die dnrch ihr Erscheine» dieser Feier eine« besondere« svlenue« Ausdruck verliehenh'abe». SchlietzUch danke ich der überaus große« Zahl der EratulaMe«, die «ich aus diesem Anlage persönlich, brieflich und telegraphisch beglückwünschten. Wie«, Oktober 1920. 4 . Adolf W-«ger j Obmann des Leopoldstädter I Tempelvereines. I Nr. 16 Wahrheiten vom Tage Das Heimatsgefühl der Jude«. Mit lebhaftem Interesse und großer Teilnahme habe ich in Nummer^ 15 Ihrer Zeitschrift den im Titel genannten Artikel gelesen, der in allen Punkten den Beifall der tatsächlich an der Heimat haftenden Juden finden mußte. Es ist gewiß sehr beachtenswert, daß schon zu jener Zeit, als in der Wiener Judenschaft ein ganz anderer, im vornehmsten Sinne konservativer Geist herrschte, einer der großen Führer unserer Gemeinde das Heimatsgefühl mit so beredten Worten hervorheben konnte, wie es damals geschehen ist und noch heute in den Herzen aller wahrhaften Juden eine mächtige Resonanz findet. Es bleibt eine ewige Wahrheit, daß nach Güdemanns Worten die Gräber unserer Väter ein hochgehaltenes Heiligtum bilden, von dem sich zu trennen, jedermann äußerst schwer fallen muß. Und daß ein solches Heimatsgefühl die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt, was Dr. Güdemann in so herrlichen Worten zum Ausdruck brachte, bringt in mir die Reminiszenz an einen Anwalt des Heimatsgesühls hervor, der gleichwohl der begeisterte Apostel der jüdischen Auswanderung nach dem gelobten Lande war. Ich meine Theodor Herzl, der in seinem Hauptwerke „Der Judenstaat" unter dem Kapitel „Die Verpflanzung" sich folgendermaßen äußerte: „Bisher wurde nur gezeigt, wie die Auswanderung ohne wirtschaftliche Erschütterung durchzuführen ist. Aber bei einer solchen Auswanderung gibt es auch viele starke tiese Gemütsbewegungen. Es gibt alte Gewohnheiten, Erinnerungen, mit denen mir Menschen an den Orten haften. Wir haben Wiegen, wir haben Gräber und man weiß, was dem jüdischen Herzen die Gräber sind. Die Wiegen nehmen wir mit, in ihnen schlummert rosig und lächelnd unsere Zukunft, unsere teueren Gräber müssen wir zurücklassen, ich glaube, von denen werden wir habsüchtiges Volk uns am schwersten trennen." > So sehen wir nun, wie zwei in ihrer Gesinnung, so weit eS die Palästinafrage betrifft, grundverschiedene Edelmenschen in einem Punkte doch zusammentreffen, in der hohen Wertung des jüdischen Grabes als die stärkste Fessel, die den Juden an seine Scholle bindet. Möge diese Uebereinstimmung zweier Größer in Israel nicht unverloren bleiben und als weithinleuchtende Wahrheit erkannt und deherzigt werden. 'G. D. Jüdische Opfer des polnischen Feldzuges. Die Nachrichten aus den jüdischen Städten und Städtchen, die die Polen bei ihrem Rückzug berührten oder jetzt aus dem Vormarsch durchstreifen, lassen erkennen, daß in den letzten Wochen wieder jüdisches Blut in der nächsten Nähe der deutschen Grenze, ja auch auf früher deutschem Boden, im sogenannten „Korridor", in Strömen geflossen ist. Wenn die Polen in ihrem Tagesbericht betonen, die Juden hätten überall in dem vorübergehend von den Bolschewisten besetzten Gebiete diesen Vorschub geleistet, so weiß der Eingeweihte, daß damit eine Rechtfertigung bereits begangener und Die Wahrheit

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