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Die Wahrheit · 1920-10-06 · Heft 16 (6.10.1920) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 16 (6.10.1920)
Date
1920-10-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Ate Wahrheit Teste 13 str. 16 Macht und im Reichtum zu belassen; kurz, Gottes Wille sei es nicht, daß Palästina den Christen gehöre. Wem denn soll es gehören? Sobald der göttliche Wille in Rechnung kommt, kann das Land nur den Juden gehören, denn ihnen hat es ja Gott gegeben gehabt und sein Wille könne sich nicht geändert haben, höchstens, daß die Menschen diesen Willen verkannt und ihn dann aus Eigennutz vereitelt haben. Vor allem aber gebühre den Juden, die doch einmal zu den drei Söhnen Gottes (zu den drei monotheistischen Religionen) gehören, irgend etwas auf Erden; es gereicht unserem Verfasser zur Ehre, daß er gerecht genug war, das Anrecht der Inden auf den Besitz des Landes ihrer Väter anzuerkennen. Es ist höchstwahrscheinlich, daß der Verfasser der Gesta Romanorum in dieser Auffassung der Dinge nicht allein stand; vielmehr dürfte er der Dolmetsch von Gefühlen sein, die sich allenthalben an die Oberfläche gedrängt hatten, als man unter dem Eindrücke der mächtigen Ereignisse der Krenzzüge nachzudenken willens ryar. Für uns ergibt sich die erfreuliche Tatsache, daß es nach einem gewaltigen Kriegserlebnis ein Gefühl der Christenheit war, Palästina den Juden zurückzugeben. Sieht man nicht die Analogie mit den Erscheinungen unserer Zeit? Für uns Juden aber ist es von Wichtigkeit, daß nicht nur wir unser Anrecht auf Palästina betonen, sondern daß es auch die Christenheit so fühlt und auffaßt; erst bei der Sicherheit dieses Gefühlsmoments gehen wir in unseren Bestrebungen, die auf Palästina gezielt sind, einem Erfolge entgegen. S. Krauß, Wien. Die Lösung der Iudenfrage.*) Die zionistische Leitung scheint vor lauter Oelbäumen den Wald nicht mehr zu sehen. Die wesentliche Aufgabe des Zionismus, die Lösung der Judenfrage, geht im Trubel der Palästinaämter, Nationalfondskommissionen und Lokalwahlkomitees unter. Selbst die in Ueberproduktion arbeitenden grauen Theoretiker vernachlässigen es nachzuprüfen, in welchem Maß die zionistische Leitung ihrer obersten Pflicht, der Lösung der Judenfrage, Genüge getan hat. Und gar im praktischen Leben, in zionistischen Parteiblättern und Versammlungen gilt diese Frage, die ja selbst die anderen Völker so lebhaft bewegt, überhaupt nicht mehr als Motiv des Zionismus. Aber auf dem Buche der Genesis deS Zionismus standen die Titelworte: „Der Judenstaat, ein Versuch zur Lösung, der Judenfrage". Dieses Buch *) Aus »Jüdische Presse", Bratislava. hatte ein klar vorgezeichnetes Ziel : ein heimatloses, über den ganzen Erdball wanderndes Volk auf eine gesicherte Heimstätte zu verpflanzen. Dem Schöpfer des Zionismus schien die Tatsache der Verkündigung des Baseler Programmes schon der erste Schritl zur Lösung der Judenfrage zu sein. Es sollte den Gegnern des Judentums eine Beruhigung bieten, der gewaltige Austrieb der Juden, der ihn zum unbesiegbaren Wettbewerber machte, sollte ein Ventil erhalten,, die Kraft der jüdischen Jugend sollte in idealen Zielen gebunden werden. Tatsächlich wurde in den ersten Jahren eine freundliche Haltung der Antisemiten erzielt. In allen Kongreßreden Herzls und Nordaus ist der Zionismus auf die Lösung der Judenfrage eingestellt. Als sich im scharfen Gegensätze zur damaligen zionistischen Leitung eine „Jüdische Volkspartei" mit dem unseligen Programme der jüdischen Minoritätßrechte gegründet hatte, rNußte sie von Herzl folgendes Urteil, hören: „Eine potzdumme Partei gibt es im Judentum, das ist die jüdische Bolkspartei. Ich . will mit dem Zionismus die Judenfrage lösen und sie verwickeln sie noch mehr". Seither ist diese „potzdumme Politik" als der jüdischen Weisheit höchster Schluß gepriesen und geübt worden. x Nun machen wir einmal Rohbilanz! Haben die zionistischen Führer des Osten-, die Träger und leidenschaftlichen Verfechter der jüdischen Minoritätsrechte die Judenfrage gelöst oder verwickelt? Kann von der Lösung der Judenfrage die Rede sein oder ist sie hoffnungsloser als je?. Und dieser Zustand hat gerade die Zionisten nicht unvorbereitet treffen dürfen. Sie haben seit einem Vierteljahrhundert Worte des tiefsten Peffimismus über die jüdische Lage von ihren Führern gehört. Im Jahr» der rumänischen Emigration amLondonerZionistenkongrefse hat Nordau ausgerufen: „Oeffnet Eure Augen vor Eurer Verantwortlichkeit! Das ist noch gar nicht-! Es wird viel schlimmer kommen! Was werdet Ihr erst tun, wenn ein Meer von Hunderttausenden obdachloser, jammernder Juden an Eure Schwelle branden wird?" Wo ist das verantwortliche Forum für den katastrophalen Mißerfolg, wer wird genötigt, die Konsequenzen zu ziehen? Wenn man nationale Politik macht, muß man die geltenden Usanzen des nationalen Lebens adoptieren! National organisieren heißt, das Schicksal von Millionen in die Hand weniger verantwortungsvoller Männer legen; diese Männer tragen unter allen Ümständen die Verantwortung für Erfolg und Mißerfolg. Eine verschlechterte Situation zieht den Rücktritt des Führernach fich, selbst wenn stine Tätigkeit einwandfrei ist. Die schlimmste Bezeichnung

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