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Die Wahrheit · 1920-10-06 · Heft 16 (6.10.1920) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 16 (6.10.1920)
Date
1920-10-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 11!£>; rti. Ti»%iTajca>r.rv T~r itw^png«BB«MaBimg*»aiafc<Ba: i'ww»^ Die Wahrheit Nr. 16 möglich ist — bekräftigen und den Obmann unseres Tempelvereines, Herrn Moritz Müller, seiner ihm verliehenen Würde für verlustig erklären. * Dieses und kein anderes Urteil erwarte ich, sowie jeder religiös empfindende Jude von Ihnen, meine Herren Vorsteher, da hier ein Milderungsgrund nicht am Platze ist ... . * * 7 * Antwort des Vorstandes der israelitischen Kutte, sgeweinde Wie« vom 31. August 1920. Ihre Eingabe vom 11. August 1920 nebst Beilagen hat den Gegenstand eingehender Prüfung und Würdigung aller in Betracht kommenden Umstände gebildet und es ist da- Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde zu folgenden Schlüssen gelangt: Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Verhalten des Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang in der von Ihnen angeführten Angelegenheit den. religionsgesetzlichen Bestimmungen nicht entsprochen hat. ES dürfen jedoch nach Ansicht des Präsidiums der Kultusgemeinde die näheren Umstände und die Beweggründe, welche den gewissenhaften und pflichtgetreuen Seelsorger, den wir in Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang schätzen, zu einer Uebertretung des Religionsgesetzes veranlaßt haben, nicht außer Betracht gelassen werden. In einer Zeit, in welcher unser aller Augenmerk daraus gerichtet sein muß, die Jugend dem Judentums zu erhalten, konnte sich in dem vorliegenden Falle wohl das Dilemma ergeben^ ob es imJnterefse des Judentumes nützlicher ist,' den strengen religionsgesetzlichen Standpunkt einzunehmen und dadurch vielleicht eine Anzahl solidarischer und mit inniger Liebe am Judentums hängender junger Leute abzustoßen oder trotz des Bewußtseins der Uebertretung einer religionsgesetzlichen Bestimmung diese Jugend dem Judentums zu erhalten. Dar Präsidium der Kultusgemeinde vermag auf 'Grund des ermittelten Tatbestandes eine Beleidigung der Thora und des Judentumes in dem Verhalten des Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang nicht zu erblicken und findet sich daher auch nicht veranlaßt, gegen den Genannten die Anklage zu erheben. Guido Fuchsgelb Dr. Rappapörr Sekretär-Stellvertreter. Präsident. * * . * Antwort des Vorstandes des Döblinger isr. Tempelvereines vom 4. September 1920. Mit Ihrem geschätzten, an den gefertigten Verein gerichteten Schreiben vom 26. v. M. hat sich der Vereinsvorstand in seiner Plenarsitzung vom 1. d. M. beschäftigt. Nach eingehender Beratung ist folgender Beschluß einstimmig gefaßt worden: Die wider den Vereinsobmann Herrn Moritz Müller erhobene Anklage der bewußten Verletzung der Thora und Beleidigung des Judentumes wird als vollständig unberechtigt zurückgewiesen und dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß Herr Direktor Josef Brüll sich dazu hinreißen ließ, die, wenn auch in gutem Glauben vorgebrachten Anwürse in eine so rüde Form zu kleiden, daß seiy Vorgehen als durch nichts entschuldbar bezeichnet werden muß. Bei diesem Anlaß wurde ebenfalls einstimmig Herrn Moritz Müller in seiner Eigenschaft als Bereinsobmann das vollste Vertrauen des Vorstandes votiert. * * * Nun frage ich : Ist Herr Dr. Feuchtwang nach einem derartigen Vorgehen wirklich „im Leben und Denken konservativ", wie er dies in seinem Briese an mich beteuerte? Hat Herr Dr. Feuchtwang wirklich „rein menschlich-jüdisch" gehandelt? . Ist es denkbar, daß auch die konservativen Mitglieder des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde ihre Zustimmung zu der widerspruchsvollen Erledigung deS Präsidiums gegeben haben? Oder haben gar der Präsident Herr Hofrat Rappaport und derSekretär-StellvertreterGuido Fuchsgelb, in einer rein religions-jüdischen Angelegenheit aus eigene Faust die Entscheidung gefällt? Ich -frage ferner: Ist es denkbar, daß das Vorstandsmitglied des Döblinger Tempelvereines, Herr Jakob Weigel, der das Vorgehen deS Herrn Moritz Müller aufs schärfste verurteilt hat und mir in Gegenwart seiner Gattin wörtlich gesagt hat: „Ich möchte am liebsten mit Herrn Müller'nicht mehr im Vorstände arbeiten" und diese Aeußerung in Gegenwart der Herren Michael Weigel und Leo Löwy wiederholt hat, den einstimmigen Beschluß zu dieser sonderbaren Erledigung des Döblinger Vorstandes ermöglicht hat? Hat auch der Tempelvorsteher Herr Dr. Bruno Werner, von. dem mir Herr Weigel gesagt hat, daß er viel hebräisches Wissen besitze, meine Anklage betreffend die Verletzung der Thora und Beleidigung des Judentums durch den Vereinsobmann Herrn Moritz Müller als „vollständig unberechtigt" gesunden?

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