Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 16 (6.10.1920)
- Date
- 1920-10-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 9 Nr. 16 Die Wahrheit frohlockend zu sagen: „Sehen Sie, was in Döbling nicht möglich war, war in WKHring möglich." Nennen Sie das Frieden, daß Sie eine von einem Rabbiner als trefe bezeichnete Sache für koscher erklären, dieselbe Sache, die Sie mir gegenüber — allerdings privat und diskret — gleichfalls als trefe bezeichneten? Wie sehr Sie den Frieden durch Ihr Verhalten gefördert haben, können Sie daraus ersehen, daß mir Herr Weigel mitgeteilt hat, er habe dem Herrn Moritz Müller erklärt, bei keiner Trauung mehr Dienst zu machen, weil er mit Ihnen nicht zusammenzukommen wünsche. > Sie stellen es so dar, als ob der Religionslehrer die Schüler — darunter auch den jungen Lederer — ganz harmlos in den Tempel brachte, während es erwiesen ist, daß sowohl Herr Müller, als auch Herr Felix Lederer, nachdem Ihnen die Ausführung dieses Planes in Döbling gestört war, ihn mit Ihrer Hilfe in Währing inszenierten. Und was sagen Sie dazu, daß mir Herr Weigel wörtlich Ihre Aeußerung wiedergegeben, welche Sie ihm Tags zuvor telephonisch machten: „Herr Weigel, Sie sind ganz korrekt vorgegangen. Die Sache wird nicht stattfinden!" Wie reimt sich das zusammen, daß Sie kurz darauf die Festrede hielten? Heißt das sich passiv verhalten? Da Sie aber, wie mir Herr Weigel mitteilt, darüber mit einem Laien nicht sprechen können, sondern nur mit einem Talmud-Chochenr, bin ich gezwungen, diese ganze Angelegenheit einem höheren Forum zur Beurteilung und Entscheidung vorzulegen . . ...... * * , * Meine Eingabe an bas Rabbinal vom LI. Angnst ISS«. An das ehrwürdige Nabbinat der israelitischen Kultusgemeinde Wien! Es hat sich kürzlich im Währinger Tempel der traurige Full ereignet, daß Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang einem Nichtjud.en Maphtir geben ließ, wiewohl er erwiesenermaßen wußte, daß dieses Ansinnen vom Rabbiner Dr. Frankfurter in Döbling zurückgewiesen wurde. Der Unterzeichnete erlaubt sich, die auf diesem Fäll bezughabenden Briefe aller in dieser Sache verwickelter Personen dem Rabbinate als der Vorgesetzten Behörde mit dem Ersuchen vorzulegen, gegen Herrn Dr. Feuchtwang die Anklage zu erheben für die Beleidigung, die er dadurch der Thora und dem Judentume zusügte. Im Namen vieler gleichgesinnter GlaubenSbrüder. * (Gleichlautendes Schreiben ergeht auch an den Vorstand der Kultusgemeinde.) * * * Brief des Herr» Obmann Moritz Müller vom 84. Angnst 1920. Sehr geehrter Herr Brüll! - Sie haben mich vor einiger Zeit telephonisch um eine Information in der Ihnen nun bekannten Angelegenheit ersucht und ich erlaubte mir Ihnen damals zu erwidern, daß eine erschöpfende Darstellung auf telephonischem Wege schwer möglich und inopportun sei. Im weiteren Verlaufe stellte ich mich zu einer persönlichen Rücksprache bereit, nachdem Sie mir jedoch darauf erklärten, daß Sie am selben Tage auf 14 Tage verreisen, — ich glaube es war so — meinte ich, daß die Sache nicht so dringend und nach Ihrer Rückkehr zu erledigen wäre. Ich erwartete nun Ihren telephonischen Anruf zwecks Zusammenkunft, da dies nicht geschah, »ersuchte ich Sie telephonisch zu erreichen, ohne daß mir dies gelungen wäre. Ich höre nun, daß Sie aus dem Lande weilen, und inzwischen eine Eingabe in dieser Sache an den Vorstand und das Rabbinat der Kulusgemeinde gerichtet haben. Ohne aus das Meritumderselben einzugehen — die angerufenen Instanzen haben ja das Wort — ist der Zweck meines Ergebenen, gegen die in Ihrer Eingabe gebrauchte Redewendung von einer meinerseits Ihnen gegenüber erfolgten „ausweichenden Antwort" zu protestieren, und die Tatsächlichkeit einer solchen entschiedenst zu bestreiten. Es liegt weder in meiner Art, irgend einer Verantwortlichkeit auszuweichen, noch lag in dieser Sache irgend ein Anlaß zu einer — sagen wir — diplomatisch ausweichenden Haltung vor. Die hohe Wertschätzung Ihrer Person, wie die respektvolle Würdigung Ihres warmen und mir deshalb so sympathischen Interesses für eine jüdische Angelegen, heit, veranlassen mich. Sie um eine Unterredung zu ersuchen. .... * Meine Antwort an Herrn Moritz Müller vom 80. Angnst 4080. Geehrter Herr Müller! In postwendender Beantwortung Ihres soeben erhaltenen Briefes vom 34. d. M., in dem Sie den Versuch machen, einerseits die brüske Art und Weise Ihrer telephonischen Antwort abzuschwächen, anderer-