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Die Wahrheit · 1920-10-06 · Heft 16 (6.10.1920) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 16 (6.10.1920)
Date
1920-10-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Gerte 8 * — > ■ui«tr »«aiMPat -mhb;>s53». :att^üJS!.<e^jaer,3 Die Wahrheit Ar. 16 aufgerufen werden wolle, daß er jedoch (Herr Weigel) dies als eine Beleidigung der Thora ansehe und daß auch Herr Dr. Feuchtwang ihn in dieser Anschauung bestärkt habeindem er ihm telephonisch ausdrücklich sagte: „Sie haben vollkommen recht, es wird nicht geschehen." Dies zu Ihrer Aufklärung .....! * * * . _ Meine Anfrage an Herr» Jakob Weigel vom 8. Angnft 1820. Sehr geehrter Herr Weigel! Ich habe erfahren, daß Sie auf die Mitteilung des Herrn Felix Lederer, daß sein Sohn Maphtir sein will, ganz richtig Ihre Anschauug freimütig geäußert haben, daß dies eine Beleidigung der Thora sei und daß Sie es nicht zulassen werden. Auch Herr Dr. Feuchtwang habe Sie in Ihrer Ansicht bestärkt, indem er Ihnen telephonisch ausdrücklich sagte: „Sie haben vollkommen recht, es wird nicht geschehen." Da es mir sehr daran liegt, genau darüber orientiert zu sein, erlaube ich mir Sie höfiichst zu ersuchen, mir umgehend mitzuteilen, was Ihnen Herr Dr. Feuchtwang wörtlich gesagt hat .... . * M Antwort des Herrn Jakob Weigel vom IO. Angnft 1920. Sehr geehrter Herr Brüll! Ihren werten Brief vom 8. d. M. hgbe ich erhalten und will Ihnen in kurzen W.orten die gewünschte Aufklärung geben: Herr Felix Lederer teilte mir im Tempelgarten mit, daß sein Sohn im Döblinger Tempelnach gutem Bestand der Matura zur Thora als Maphtir aufgerufeu werden wird. Ich . als Tempelvorsteher des obgenannten Vereines, ging zum Obmann, Herrn Moritz Müller und sagte chm, daß ich das mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln verhindern werde, daß ein Christ, denn att solchen sehe ich den jungen Mann an, da er Sohn einer Christin ist, in unserem Tempel zur Thora gerufen wird. Herr Müller erwiderte mir darauf mit einem Achselzucken. Mir gab die Sache keine Ruhe und ich habe Herrn Dr. Feuchtwang, als unseren Bezirksrabbiner, telephonisch angerufen. „Herr Doktor, ich komme mit einer Frage." „Bitte, Herr Weigel, was wünschen Sie?" „Herr Doktor, es soll der junge Lederer bei uns Samstag. ausgerufen werden, was ich nicht zugeben kann, da er, wie mir unser Dajen, Herr M. Neumann aus Kostet erklärte, ein Christ ist.". „Herr Weigel, ich sage Ihnen, wenn Dr. Chajes ja sagt, können hunderttausend Rabbiner nein sagen, so ist ja." „Bitte, Herr Doktor, um Ihre Meinung und nicht die des Chajes." „Ich kann mit einem Laien die Sache nicht besprechen, nur mit einem Talmud Chochem." „Herr Doktor, ich will wissen, wie ich in der Sache vorgegangen bin?" „Herr Weigel, Sie sind ganz korrekt vorgegangen. Die Sache wird nicht stattfinden. „Ich danke, Herr Doktor, gute Nacht!" So, lieber Herr Brüll, ist der ganze Hergang der Sache. * * * Mein Schreiben an Herrn Dr. Feuchtwang vonr 11. Angnft 1920. Euer Ehrwürden! Unter höflicher Bezugnahme auf Ihr Schreiben vom 4. August 1920 beehre ich mich. Ihnen mitzuteilen, daß ich leider Ihrem Wunsche, dasselbe privat und diskret zu behandeln, nicht entsprechen konnte, aus dem Grunde, weil ich schon früher mich verpflichtet hatte, Ihre Antwort den beiden Herren, mit denen ich in der Elektrischen in der leidlichen Angelegenheit die Auseinandersetzung hatte, bekanntzugeben,, wie das ja in meiner Anfrage ausdrücklich bemerkt war. Zur Sache selbst übergehend, bedaure ich lebhaft. Ihnen sagen zu müssen, daß Ihr Brief mich nicht nur nicht befriedigt, sondern im Gegenteile sehr empört hat. Trotz ruhiger Ueberlegung, die Sie mir so warm empfehlen, glaubte ich vor Wut aufschäumen zu . müssen, als ich hörte, es sei durch Augen- und Ohrenzeugen unwiderlegbar festgestellt, daß Sie eine feierliche Ansprache aus diesem Anlasse gehalten haben, und dem gegenüber Ihre handschriftliche Mitteilung besaß, welche von einem bloß passiven Verhalten spricht. Auch die Begründung, daß Sie den Nichtjuden Lederer des Friedens wegen zur Thora ruferrließen, ist einfach lächerlich, weil sie ja gewußt haben, daß der zuständige Seelsorger, Herr Dr. Frankfurter, ausdrücklich erklärt hat, es sei religionsgesetzlich nicht erlaubt, ferner daß auch der Vorsteher Weigel Ihnen telephonisch mitgeteilt hat, daß er es nicht zulasten, sa mit Gewalt verhindern werde, daß die Thora durch das Aufrufen des Nichtjuden Lederer beleidigt werde. Haben Sie. nicht vielmehr den Frieden gestört, dadurch daß Sie es in Währing zuließen und damit dem Herrn Moritz Müller die Gelegenheit gaben.

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