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Die Wahrheit · 1920-09-10 · Heft 15 (10.9.1920) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 15 (10.9.1920)
Date
1920-09-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Aber auch diese Beweise können wir nicht gelten lassen, denn alle diese namhast gemachten Führer der revolutionären Bewegung sind ebenso entjudet, man könnte sagen entreligionisiert, wie die Herren Kunschak, Weiskirchner, Funder et tutti quanti entchristet sind. Wir haben keinen Teil an den Adler und Konsorten und lehnen jede Verantwortlichkeit für ihr Tun und Streben ab. Ebenso entschieden aber müssen wires ablehnen, daß die „R" mit ihrem bekannten Arsenal der Lügen, Fälschungen und Verläumdungen die Namen großer Deutscher Und anderer Koriphäen der Vergangenheit gegen die Juden mißbrauchend herausbeschwört. Das ist der Kern der Wahrheit aus dem Lügengewebe der „R". Der numerus clausus an den ungarischen Hochschulen. Wie ernstere Politiker selbst des christlichen Kurses über den numerus clausus denken, dafür bieten die Aeußerungen des Universitätsprofessors Dr. Ferdinand Bernolak und des Vizepräsidenten der Nationalversammlung Josef B o t l i k, die in der jüngsten Nummer des 7,Egyenlösoseg" veröffentlicht werden, einen Beleg. Universitätsprosessor Bernolak äußerte sich wie folgt: „Ich weiß momentan nicht, inwieweit die Gründe bestehen, die den Herrn Minister zur Unterbreitung dieses Gesetzentwurfes veranlaßt haben. Tatsache jedoch ist, daß. die Universität und besonders die medizinische Fakuliät in der Vergangenheit viel mehr Hörer zählte, als der Fafsungsfähigkeit unserer Hochschulen entspricht, also vielmehr, als sie gewissenhaft und sorgfältig auszubilden vermögen. Auf dieses Positivum beruft sich auch der Entwurf und dieser Erwägung können auch wir uns nicht verschließen. Cs gibt aber auch noch einen anderen Gesichtspunkt. Die Söhne des losgerisfenen Ungartums sind bestrebt, im engeren Ungarn Platz zu sinden, was auf den geistigen Laufbahnen infolge der Verminderung der Tragfähigkeit des Staates wesentlich schwieriger ist. Wir dürfen die Ueberproduktion an Intellektuellen nicht fördern. Selbstverständlich kann die Maßnahme des numerus clausus nur eine vorübergehende sein und ich lege Gewicht darauf, daß die jüdischen Jünglinge aus der Universität nicht ausgeschlossen werden dürfen. Ich halte die maximale Feststellung der Aufnahme weder für berechtigt noch für billig, billige aber die Feststellung eines Minimums. Dieses Minimum darf nicht jede Latitude ausschließen, sondern muß so beschaffen sein, daß Professorenkörper in seinem Rahmen volle Freiheit zur Erwägung dessen finden, inwieweit die einzelnen Jünglinge für höhere Laufbahnen geeignet sind. Die Befürchtung, daß hiebei die Politik mitspielen könnte, ist nach meiner Ansicht unbegründet, da die Beurteilung der konkreten Fälle gänzlich dem Professorenkörper überlaffen bleiben muß. Damit, daß wir die Zahl der Hochschüler und in diesem Rahmen die Minimalzahl, der einzelnen Nationalitäten und Konfeffionen feststellen, verstoßen wir nicht gegen die Friedensbedingungen. Nach meiner Ansicht garantiert gerade das Minimum die vom Friedensvertrage geforderten Rechte. Ich will jetzt nicht erörtern, ob der numerus clausus gerechtfertigt ist. Diese Frage muß, wenn sie schon einmal aufgeworfen ist, zur allgemeinen Beruhigung institutiv gelöst werden. Das Judentum kann seine Rechte im obligatorischen Minimalperzentverhältnis gewahrt sehen und wird daher nicht den Wogen der Leidenschaften ausgesetzt sein". Der Vizepräsident der Nationalversammlung Abgeordneter Joses Botlik äußerte sich viel gedrängter: „Prinzipiell stehe ich auf dem Standpunkte der vollsten wissenschaftlichen Freiheit. Sollten die Verhältnisse dennoch die Einschränkung der an den Universitäten aufzunehmenden Jünglinge erheischen, so m uß nach meiner Ansicht in erster Reihe die Fähigkeit entscheiden. Es gibt aber auch andere Gesichtspunkte, die berücksichtigt werden müffen. So zum Beispiel die Kinder der Beamten. Wir wiffen ja, daß es Beamtenfamilien gibt, deren ganze Generationen dem Staate dienen, dies muß dann auch bis zu einem gewiffen Grade honoriert werden. Besondere Beachtung muß auch dem gewidmet werden, wenn Kleinlandwirte ihre Söhne Universitätsbahnen widmen wollen, wodurch sie einen gesunden Blutkreislauf im Intellekt einführen. Die Bestimmung des Entwürfe-, die betreffs der Aufnahme auch der Jugend eine gewisse Einmengung gewähren will, kann ich entschieden nicht annehmen: erstens weil sie das Ansehen des Professorenkörpers untergräbt, zweitens weil sie zu Ungerechtigkeiten führt. Der Entwurf widerspricht meines Wiffens nicht dem Friedensvertrage. Er läßt alle Tore offen,/ es hängt also nur von der Mentalität der Lehrkräfte ab, wie sie das Gesetz durchführen werden". Hier kommen die freien Stimmen der Wahrheit über den ungarischen numerus clausus zum Ausdruck. Von Nah mrd Fern Ein Vorschlag zur Nationalrat-wahl. Am 17. Oktober findet die Wahl von Nationalräten statt, für welche bereits von allen Parteien umfaffendste Vorbereitungen getroffen werden. Wie die Verhältnisse liegen, besteht die größte Gefahr, daß die Juden Oesterreichs keine Vertretung in der Nationalversammlung finden werden, wenn sie nicht fest geeinigt zur Wahl schreiten. Bei der letzten Wahl wurde im 2. und 20. Bezirk nur infolge Koppelung der beiden gegnerischen Listen ein Mandat erstritten. Diesmal ist jedoch eine Koppelung der Listen ausgefchloffen, so daß keine der Listen Aussicht hat, durchzudringen. Deshalb ist Vereinigung in der Weise geboten, daß eine gemischte Liste aufgestellt wird, in welcher jede Partei eine gleiche Anzahl von Mandaten zugewiesen erhält. Sollte über die Person de- Listensührers keine Einigung erzielt werden, so müßte da- Los entscheiden. Der an zweite Stelle rückende Kanditat würde an Wahlchance gewinnen, wenn die Kompromißliste, die in erster Reihe für die Bezirke 2, 20 und 21 bestimmt-wäre, auch in den übrigen Bezirken von den Juden angenommen werden würde. Dann würden

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