Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 15 (10.9.1920)
- Date
- 1920-09-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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(Seite Die ZVa^rhert ... Ar. 18 und unserer Chewra Kadischa durch Taten danken, die auch in Wien die erste jüdische Vereinigung gewesen. Es gilt an ihre Schöpfer, Gründer und Erhalter mit Dankbarkeit und Liebe sich zu erinnern, es gilt aber auch der Chewra Kadischa Opfergaben und Spenden darzubringen. Tut es reichlich, Brüder und Schwestern! Die Ergebnisse der zionistischen Iahreskonferenz in London. (Schluß.) Als philantropifche Md kulturelle Zusammenfaffung kann sie Wert haben, denn Wohltun, Hilfe, charitativeS Eingreifen und Förderung vonWiffenschaft und Kunst, von Kultur und Bildung sind international und i ^territorial und zur Hebung aller Menschen, also auch der Juden, zu begrüßen und zu empfehlen. Uebee die Art dieser Neuschöpfung der zionistischen Organisation muß sie sich also selbst erst klar werden. Die Entschließung ist ohne besonderen Wert. Kulturell, soll Palästina das Zentrum der Erziehungs- und Kulturarbeit sein und dort sollen bij: Programme für alle zionistischen Erziehungsinstitute, die Verbreitung von Lehr- und Lesebüchern und pädagogischer Literatur, die Gründung von vorbildlichen Instituten, wie Lehrerseminare und Untersuchungsstationen, die Sammlung statistischen Materials usw. durch ein Zentralbureau ausgearbeitet werden. Mit diesen ZentralbureauS steht ein autonomes Zentralbureau in der Diaspora in dauernder Verbindung, das hebräische Lehrerseminare gründen und solche unterstützen soll, welche die im Zionismus vorhandenen Tendenzen vertreten. Lehr- und Lesebücher veröffentlichen, sie den Schulen vermitteln, pädagogische und Jugendzeitschriften herausgeben soll. Für diese Erziehungs- und Kulturarbeit in der Diaspora wurden im Budget 20.000 Pfund Sterling bewilligt, was heute über 16 Millionen Kronen sind. Davon sind für Lehrer- und Kindergärtnerinnen-Seminare in Wien 2500 Pfund — 2 Millionen Kronen, für den gleichen Zweck in Berlin 1000 Mark, für das Lehrerseminar in Lodz 230.000 polnische Mark, falls dort die hebräische Sprache als Unterrichtssprache für die allgemeinen Gegenstände eingeführt wird und das Seminar dem Zentralorgan untersteht, für eine zu eröffnende höhere wiffeuschastliche Schule in Polen sind l'/i Millionen polnische Mark, dann für Lehrbücher, Zeitschriften 1000 Pfund und für Stipendien 2000 Pfund bestimmt. Gewiß ist jede Ausgabe für Kulturzwecke nur zu begrüßen. Hiebei aber wieder parteipolitische Agitation zu betreiben und nur zionistische Lehrerseminare zu unterstützen, ist sicher keine lobenswerte, durchaus zu billigende Handlung. Würden auch die zu schaffenden Lehr- und Lesebücher, Zeitschriften und ähnliches denselben parteipolitischen Standpunkt vertreten müssen, würde auch in den Seminarien und Schulen dieser Geist herrschen, so ist dies sicher nicht wissenschaftlich, nicht pädagogisch, nicht hoch und erhaben, wie es Judentum und jüdische Lehre sein soll, wie es unsere großen Lehrer verlangen. Auch in Jerusalem soll dieser Geist obwalten und vor allem bei einer Schöpfung, wie es die Universität sein soll, oder bei den geplanten wissenschaftlichen Instituten. Wird man im Forschungsinstitut für hebräische Sprache nur geeichte zionistische Arbeiter und Arbeiten zulassen? Das wäre kleinlich und würde den eigenen Ruin bedeuten. Gut ist die Forderung, daß in allen palästinensischen Schulen Handwerke erlernt werden. Aber verständlich vom Standpunkte des engen Parteimannes, doch nicht zu billigen, wenn von einer besonderen palästinensischen Erziehung gesprochen wird. Die Erziehung ist nie eine territoriale, eine durch das Land oder Volk vorgeschriebene. Die wissenschaftlich-, das heißt auf ethischen und psychologischen Grundsätzen aufgebaute Erziehung verlangt allgemeine Bildung und einen religiös sittlichen Charakter überall und bei jedem. Das ist das Erziehungsideal des praktischen Idealismus und das soll auch in Palästina gelten. Solch erzogene Menschen werden Palästina und die Welt beglücken. Bedeutend höhere Gesichtspunkte beherrschten die Fragen der Kolonisation und der Bodenpolitik. Das Grundprinzip der zionistischen Bodenpolitik ist, den Boden, auf dem die jüdische Kolonisation erfolgt, in das Gemeindeeigentum des jüdischen Volkes zu überführen. Es wird ausschließlich in Erbpacht und Erbbaurecht vergeben, gehört dem jüdischen Nationalfonds, der die Ansiedlung jüdischer selbstarbeitender Elemente ermöglicht, die jüdische Arbeit sichert, die Nutzung des Bodens überwacht und der Spekulation entgegenwirkt. So soll dem Entstehen des Großgrundbesitzes entgegengewirkt und ein jüdischer Bauernstand erzogen werden, gute, wertvolle Grundsätze, zu denen noch die Einhaltung der mosaischen Agrargesetzgebung kommen sollte. Die als erstrebenswert aufgestellten Sätze sozialer Bodenreform sind Gemeingut der modernen Welt und es ist nicht nötig, hier auf ihre Verkünder hinzuweisen. Das Ziel der Kolonisationstätigkeit soll die Ansiedlung des jüdischen Arbeiters sein und vor allem jener, die sich schon in langjähriger Praxis in Palästina bewährt haben, ferner von Juden, welche im Galuth selbstarbeitende Landwirte waren, während Arbeiter, die sich im Galuth landwirtschaftliche Kenntnisse erworben haben