Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 14 (1.9.1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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kratisch gesinnt, als daß es das Schicksal Erez Israels und des Volkes in die Hände einer Partei legen würde. Es entstand sofort die Bewegung zur Einberufung eines großen jüdischen Kongresses, dem das Programm und die Wahl der Männer für die Friedenskonferenz übergeben werden solle. Dieser Kongreß ist das wichtigste historische Ereignis für Palästina seit dem Auftreten Herzls gewesen, San Remo miteingerechnet. Die Initiative zu diesem Kongresse haben die Orthodoxen in Amerika gegeben. Das orthodoxe Zentralorgan Amerikas „Jüdisches Tagblatt" hat die Idee angeregt, das erste Komitee gegründet und den vielangefeindeten Plan mit echt orthodoxer Zähigkeit durchgesetzt. Die Kongreßbewegung verlieh dem Zionismus einen ungeahnten Aufschwung. Da die Kongreßbewegung die ganze jüdische Maste umfaßte, mit welcher im politischen Leben New Aorks gerechnet werden muß, regnete es von Kundgebungen der Staatsmänner für Pälästina. Das palästinische Postulat gewann sichere Form und die günstige Situation erreichte ihre Höhe, als Wilson beim Ausbruche des amerikanischen Krieges, um die Millionen russischer Juden im Amerika zu gewinnen, seine Unterstützung des zionistischen Programmes zusagte. Das ganze amerikanische Judentum mit seinen Staatsmännern und den die Finanzwelt beherrschenden Geldmagnaten stand hinter dem Programme einer jüdischen Heimstätte. Da kam die Balsour-Deklaration. Sie nahm das Palästinaprogramm aus den Händen eines demokratischen, aus Juden aller Länder und aller Gesellschaftsschichten bestehenden jüdischen Parlamentes und übergab es einer kleinen Gruppe. Statt des klaren Progrämmes ein nebelhaftes diplomatisches Rebus. Aber man versprach, daß hinter der Balfour'schen Deklaration ein kompletter Judenstaat stecke. Es muß erinnert werden, daß die Zusage der Zentralmächte einer freien Einwanderung und Kolonisation, sowie vollständige Orts-Autonomie als zu gering verlacht wurde und eine vollständige ^staatliche Autonomie in Aussicht gestellt wurde. Es muß erinnert werden, daß es während des Krieges eine gemäßigte und radikale zionistische Partei gab. Die Gemäßigten warnten davor, die Forderung des Judenstaates laut werden zu lasten, um die Juden des Orientes nicht der Wut der Türken und Araber auszuliesern, zumal der Judenstaat nicht erreichbar sei. Ihre Partei aber schalt jeden einen Verräter, der nicht einen Judenstaat verlangen wollte. San Remo hat nur die von den Gemäßigten gefürchtete Wut der Araber gebracht, aber nichts von Ihren Versprechungen, nicht einmal die von der Türkei zugesagte Orts-Autonomie. Nicht eiymal von einer freien Einwanderung und Kolonisation ist die Rede. Junge Leute Ihrer Garde nehmen erst eine Art politischer, sozialer und zionistisch-parteipolitischer Affentierung vor, „ob der Einwanderer ihre Kreise nicht stört. Mit dem Dargestellten haben wir keinen unfreundlichen Akt begehen wollen, sondern blos darstellen, daß das Verdienst der glaubenstreuen Juden um den Wiederaufbau Palästinas größer ist, als Sie es darstellen- und daß der Tag von San Remo kein befriedigendes Resultat einer von Ihnen gut vorgearbeiteten, aber einer besseren Durchführung werten Sache war. Im Verhältnis zueinander wollen wir bedenken, daß wir alle irdische Menschen sind und beiderseits Fehlungen unterworfen sind. Kann den Orthodoxen der Vorwurf gemacht werden, daß fie an der zionistischen Arbeit nicht teilgenommen haben, so sind sie doch auch frei von der Schuld der großen Fehlev, welche die zionistische Leitung und besonders die der Diplomatie unkundigen Ehowewisten gemacht haben und dadurch das Werk der Kongresse von Basel und Philadelphia in sehr ungenügender Weife ausgeführt haben. Mehr Loyalität, mehr Weitherzigkeit und Duldung möge die Lehre für die Zukunft sein." Die ungarische Iudenfrage.*) Seit der Niederlage des Bolschewismus hat in Ungarn binnen zehn Monaten nunmehr schon die dritte Regierung die Zügel in die Hand genommen, ohne daß es bisher gelungen wäre, die von den christlichnationalen Parteien als dringendste Aufgabe ausgestellte Judenfrage ihrer beabsichtigten Lösung näher zu bringen. Nur die vorige Regierung hat ein Komitee entsendet, dessen Aufgabe die Aufstellung eines einheiÜichen Planes zur Lösung dieser Frage bilden soll. Gelingen wird diese Aufgabe freilich nicht. Schon werden aus allen unvoreingenommenen Lagern Stimmen laut, die aus die Gefahren einer einseitigen Lösung der „ungarischen Judenfrage" Hinweisen. Gefahren nicht nur fürs Judentum, das ja schon auS so vielen Angriffen und Beschuldigungen wie ein Phönix regeneriert hervorgegangen ist, sondern auch für daS unglückliche Ungarn, das heute mehr als je deS Liberalismus, der Zusammenfassung aller Kräfte bedarf. Das ungarische Judentum kennt heute keine Judenfrage in Ungarn und die ungarländischen Juden *) Rach «Jüdische Korrespondenz auS Ungarn". -